BW Lohne köpft sich zur Pokalsensation

Im ersten Endspiel um den Krombacher Niedersachsenpokal feierte der Regionalligist BW Lohne einen überraschenden Sieg beim VfL Osnabrück und darf sich nicht nur über den zweiten Titel freuen, sondern auch über den Einzug in den DFB-Pokal.

Der TuS Blau-Weiß Lohne hat sensationell den Krombacher Niedersachsenpokal im Wettbewerbsbaum „3. Liga & Regionalliga“ gewonnen. An der Bremer Brücke bezwang der Regionalligist den favorisierten Drittligisten aus Osnabrück mit 4:2 (2:2). Die ersten drei Lohner Treffer resultierten dabei aus Kopfbällen. Damit konnte sich Blau-Weiß zum zweiten Mal nach 2022 (damals im Baum der Amateure) den Cup und die Teilnahme am DFB-Pokal sichern.

14.338 Fans verfolgten den Lohner Triumph und stellten eine neue Bestmarke auf. Der bisherige Zuschauerrekord für ein Spiel im Niedersachsenpokal lag bei 13.041 Besuchern – aufgestellt im Vorjahr beim Finale zwischen dem SV Meppen und Blau-Weiß Lohne (2:0) in der Hänsch-Arena.

Gegenüber dem letzten Pflichtspiel am vergangenen Wochenende in der Liga gegen Verl wechselte VfL-Coach Marco Antwerpen fünf Mal. Für Beermann, Kölle, Tesche, Gnaase und Manu begannen Gyamfi, Conus, Amoako, Kehl und Henning. Sein Lohner Kollege Uwe Möhrle nahm im Vergleich zur letzten Partie in Norderstedt nur eine Änderung vor. Für Niklas Tepe lief Theo Janotta, der in der kommenden Saison das Osnabrücker Trikot tragen wird, auf und bildete zusammen mit Felix Övermann und Leonard Bredol die hintere Dreierkette des Regionalligisten.

Blitzstart der Gäste

Als erstes jubelten die Gäste. Sechs Minuten waren gespielt, als Malte Wengerowski auf der rechten Seite Nico Thoben in Szene setzte, dessen Flanke Felix Schmiederer mittig stehend aus sechs Metern freistehend einköpfte. Nur drei Minuten später war VfL-Keeper Lukas Jonsson erneut geschlagen. Eine Heskamp-Ecke von links drückte der blank stehende Janotta (ausgerechnet) mit dem Kopf ins lange Eck – was für ein Traumstart der Südoldenburger!

Der VfL war danach geschockt, kam erst in der 21. Minute zu seiner ersten Chance - doch die hatte es in sich. Im Strafraum wurde Müller geblockt, so dass die Kugel Kehl vor die Füße fiel.  Aus kurzer Distanz überwand er daraufhin BW-Schlussmann Marko Dedovic, scheiterte aber an Wengerowski, der kurz vor der Linie mit dem Knie das Leder über die Latte lenkte. Neun Minute später durfte dann aber auch Lila-Weiß jubeln. Badjie flankte vom rechten Strafraumeck vor das Tor, wo Kayo mit links das Leder aus kurzer Distanz über die Linie drückte.

Lohne blieb gefällig und gefährlich. In der 42. Minute hatte Schmiederer die Chance auf den Doppelpack, verzog aber per volley. In der zweiten Minute der Nachspielzeit kam Neziri an von der linken Strafraumkante zum Schuss, sein Aufsetzer wurde von Jonsson um den Pfosten gelenkt.

In der vierten Minute der Nachspielzeit dann der Ausgleich: Nach Conus-Pass überlief Müller Bredol, zog in den Strafraum und schlug dort zwei kleine Haken. So nahm er Westendorf aus dem Spiel, ehe er Dedovic überlupfte. Auf der Linie versuchte Heskamp noch zu retten – allerdings vergebens.

Lohne köpft sich zum Sieg

Nach dem Wechsel setzte der VfL die erste Duftmarke, Ajdini prüfte aus der Distanz Dedovic. In der 52. Minute erneut die Gastgeber. Bryan Henning spritzte in eine Ajdini-Flanke, konnte das Leder aber nicht kontrollieren, so dass es von seinem Bein über die Torauslinie sprang.

Nach 56 Minuten nahm Lohne seinen zweiten Wechsel vor. Möhrle schickte Bernd Riesselmann, der vom VfL nach Lohne ausgeliehen ist und zur kommenden Saison an die Brücke zurückkehrt, für Tönnies aufs Feld. Der 19-Jährige gesellte sich zu Schmiederer in den Sturm.

In der 63. Minute führte die fünfte Lohner Ecke zur erneuten Lohner Führung. Heskamps Ball fand an der Kante zum Fünfmeterraum Nico Thoben, der einnickte. Zum dritten Mal war Lohne per Kopf erfolgreich!

Zwei Minuten später fast postwendend der Ausgleich. Kehl spielte im Strafraum einen Doppelpass mit Müller und schloss aus elf Metern ab. Aber Janotta brachte gerade noch das Bein dazwischen und rettete. In der 73. Minute kam Tesche aussichtsreich im Strafraum zum Kopfball, doch Dedovic fischte das Leder aus dem unteren rechten Eck.

In der 76. Minute führte ein Konter durch Riesselmann, der mit links ins lange Eck traf, zum 2:4 – vor der Ostkurve verzichtete er auf Jubel. 180 Sekunden später hatte Osnabrück die Riesenchance zum Anschlusstreffer, doch Goguadze scheiterte frei vor Dedovic am stark reagierenden Lohner Keeper. Der war auch anschließend immer wieder auf der Höhe und einfach nicht mehr zu bezwingen!

Die VfL-Fans feierten kurz vor Schluss Timo Beermann, der heute nicht mehr zum Einsatz kam, mit Sprechchören und dem Transparent: „Kämpfer und Vorbild bis zum Schluss.“ Für den 34-Jährigen endete mit dem Pokalfinale nach insgesamt 142 Zweit- und 120 Drittligapartien seine beeindruckende Profifußballkarriere dort, wo einst alles begonnen hatte: an der Bremer Brücke. Beim VfL durchlief der Linksfuß zunächst sämtliche Nachwuchsteams bis in die zweite Mannschaft, ehe er dann fester Bestandteil des Profikaders der Lila-Weißen wurde. Im Sommer 2013 zog es Beermann zum 1. FC Heidenheim, wo er unter Trainer Frank Schmidt 118 Spiele inklusive der Bundesliga-Relegation 2020 gegen Werder Bremen bestritt. Anschließend kehrte er zum VfL zurück, bei dem er in der 2. und 3. Liga stets als Führungsspieler und Identifikationsfigur voranging.

Unter großem Jubel nahm Lohnes Kapitän Felix Övermann aus den Händen von NFV-Vizepräsident Frank Schmidt den Krombacher Niedersachsenpokal entgegen und reckte ihn im Beisein von NFV-Pokalspielleiter Jörg Zellmer und Krombacher-Repräsentant Ralf Deters in die Höhe.

Das Spiel in der Statistik:

VfL Osnabrück: Lukas Jonsson – Maxwell Gyamfi, Yigit Karademir (25. Robert Tesche), Niklas Wiemann – Ismail Badjie (54. Niklas Niehoff), Kofi Amoako (45.+4 Bashkim Ajdini), Bastien Conus (46. Niklas Kölle), Bryang Kayo (67. Nikky Goguadze), Bryan Henning – Lars Kehl, Marcus Müller.

Trainer: Marco Antwerpen.

TuS BW Lohne: Marko Dedovic – Felix Oevermann, Theo Janotta, Leonard Bredol (46. Tjark Reinert) – Malte Wengerowski (79. Laurenz Pölking), Sandro Heskamp (76. Alessio Arambasic), Jakub Westendorf (88. Roberto Sandu) - Rilind Neziri, Nico Thoben - Thorsten Tönnies (56. Bernd Riesselmann) – Felix Schmiederer.

Trainer: Uwe Möhrle. 

Tore: 0:1 Schmiederer (6., Vorarbeit Thoben), 0:2 Janotta (9., Heskamp), 1:2 Kayo (29., Badjie), 2:2 Müller (45.+4)., 2:3 Thoben (63., Heskamp), 2:4 Riesselmann (76., Westendorf).

Gelbe Karten: Müller (39.), Gyamfi (45.+3), Kehl (91.) für Osnabrück - Bredol (14.), Övermann (41.), Reinert (89.) für Lohne.

SR-Team: Felix Bickel (SSV Vorsfelde). Assistenten: Daniel Piotrowski (Buchholzer FC), Björn Behrens (TuS Wettbergen). 4. Offizieller: Niklas Olle (SF Ahlum).

Siegertafel

Jahr Sieger Jahr Sieger
1955 VfB Uslar 1994 Sportfreunde Oesede/Georgsmarienhütte
1956 VfV Hildesheim 1995 SSV Vorsfelde
1957 Sportfreunde Lebenstedt 1996 Kickers Emden
1958 VfB Peine 1997 Hannover 96
1959 Preußen Hameln 07 1998 Hannover 96
1960 Olympia Wilhelmshaven 1999 SV Meppen
1961 Sportfreunde Lebenstedt 2000 Kickers Emden
1962 VfL Wolfsburg 2001 FC Schüttorf
1963 Göttingen 05 2002 VfL Wolfsburg A.
1964 Sportfreunde Salzgitter 2003 VfL Wolfsburg A.
1965 Wolfenbütteler SV 2004 Eintracht Braunschweig
1966 TuS Haste 2005 VfL Osnabrück
1967 Göttingen 05 II 2006 BV Cloppenburg
1968 Roland Delmenhorst 2007 SV Wilhelmshaven
1969 SV Einbeck 05 2008 Eintracht Nordhorn
1970 TuS Bodenteich 2009 Kickers Emden
1971 VfL Rütenbrock 2010* SV Wilhelmshaven
1972 FC Wolfsburg 2011 Eintracht Braunschweig
1973 TSV Burgdorf 2012 TSV Havelse
1974 Eintracht Nordhorn 2013 VfL Osnabrück
1975 Sportfreunde Salzgitter 2014 BSV SW Rehden
1976 VfV Hildesheim 2015 VfL Osnabrück
1977 TuS Hessisch Oldendorf 2016 SV Drochtersen/Assel
1978 MTV Gifhorn 2017 VfL Osnabrück
1979 nicht ausgespielt 2018 SV Drochtersen/Assel
1980 SV Borussia Hannover 2019** SV Atlas Delmenhorst (Amateure)
1981 TuS Celle 2019 SV Drochtersen/Assel (3. Liga/RL)
1982 Hannover 96 II 2020 MTV Eintracht Celle (Amateure)
1983 TuS Lingen 2020 TSV Havelse (3. Liga/RL)
1984 TSV Friesen Hänigsen 2021 VfL Oldenburg*** (Amateure)
1985 VfR Langelsheim 2021 SV Meppen (3. Liga/RL)
1986 TSV Stelingen 2022 TuS BW Lohne (Amateure)
1987 TSV Verden 2022 BSV SW Rehden (3. Liga/RL)
1988 TSV Verden 2023 TuS Bersenbrück (Amateure)
1989 VfL Bückeburg 2023 VfL Osnabrück (3. Liga/RL)
1990 TuS Bersenbrück 2024 VfV Borussia 06 Hildesheim (Amateure)
1991 TSV Kaltenweide/Krähenwinkel 2024 SV Meppen (3. Liga/RL)
1992 Sportfreunde Ricklingen 2025 TuS BW Lohne (3. Liga/RL)
1993 Sportfreunde Ricklingen 2025

* = Seit der Saison 2009/2010 wird der niedersächsische Verbandspokal der Herren als „Krombacher-Niedersachsenpokal" ausgespielt.

** = Zur Saison 2018/19 wurde der „Krombacher Niedersachsenpokal“ reformiert. Seitdem gibt es zwei Wettbewerbsbäume, deren Sieger sich für den DFB-Pokal qualifizieren. In dem einen Stang spielen die niedersächsischen Dritt- und Viertligisten (3. Liga & Regionalliga), in dem anderen die niedersächsischen Oberligisten und die vier Bezirkspokalsieger (Amateure).

*** = Aufgrund des zweiten Lockdowns (November 2020 – Mai 2021) wurde die Pokalsaison im Baum der Amateure abgebrochen und der Pokalsieger am 31. Mai 2021 unter notarieller Aufsicht ausgelost.


Autor: maf | Foto: Werner Scholz