Fußballer/in des Jahres

Eine Frau und drei Männer im Generationenduell

Wer wird zur Nummer eins in Niedersachsen? – Abstimmung läuft bis zum 15. August

Vor 34 Jahren, im Jahr 1991, kürte der Niedersächsische Fußballverband erstmals den „NFV-Fußballer des Jahres“. Inzwischen werden auf der Siegertafel fünf Frauen und 28 Männer präsentiert. Darunter so klangvolle Namen wie Alexandra Popp, Pernille Harder, Edin Dzeko, Gerald Asamoah, Fredi Bobic, Kevin de Bruyne, Robert Enke oder Per Mertesacker.

Dieses Mal stehen drei Männer und eine Frau aus unterschiedlichen Generationen zur Wahl. Die gebürtige Oldenburgerin Elisa Senß ist mit 27 Jahren nicht nur eine Spätzünderin, was ihren Karriereverlauf angeht, sondern alterstechnisch auch so etwas wie das Bindeglied zwischen den anderen drei Kandidaten Florian Riedel (35 Jahre, TSV Havelse), Marcel Halstenberg (33 Jahre, Hannover 96) und Tayar Tasdelen (19 Jahre, Hannoverscher Sport-Club).

Veranstaltet wird die Wahl zu „Niedersachsens Fußballer/in des Jahres“ traditionell mit dem Verein "Niedersächsische Sportpresse".

Zur Wahl stehen ...

Marcel Halstenberg
Verein: Hannover 96
Alter: 33
Land: Deutschland

Von der Champions League zurück in die Kreisliga. Diesen ungewöhnlichen Weg hat MARCEL HALSTENBERG eingeschlagen. Geboren in der an Hannover angrenzenden Stadt Laatzen begann die vielversprechende Karriere von Halstenberg bei Germania Grasdorf, ehe er 1999 zu Hannover 96 wechselte. Dort kam der flexibel einsetzbare Defensivspezialist jedoch ebenso wenig über die zweite Mannschaft hinaus, wie bei seinem Wechsel 2011 zu Borussia Dortmund. Erst zwei Jahre später gelang ihm schließlich der Durchbruch, als er zur Saison 2013/14 beim FC St. Pauli knapp zwei Monate vor seinem 22. Geburtstag sein Debüt in der zweiten Liga gab.

Weitere zwei Jahre später landete der Verteidiger in Leipzig, wo er sich auf Anhieb zum Stammspieler etablierte und im August 2016 im Alter von 24 Jahren schließlich sein Bundesligadebüt feierte. Zweimal gewann er mit den Sachsen den DFB-Pokal (2022 und 2023), wobei er im ersten Endspiel gegen den SC Freiburg nach einer Notbremse in der 57. Minute vom Platz flog.

Seine Premiere im Trikot der Nationalmannschaft erlebte Halstenberg ausgerechnet im prestigeträchtigen Duell gegen England im November 2017, wo er gleich in der Startelf stand. Acht weitere Länderspiele sollten im Laufe der Karriere hinzukommen. Zudem kann Halstenberg unter anderem auf 165 Partien in der Bundesliga, 138 Spiele in der zweiten Liga und 20 Einsätze in der Champions League zurückblicken. 2023 zog es den 1,88 großen Linksfuß zurück in die Heimat zu Hannover 96, wo er in zwei Spielzeiten 60 Partien in der zweiten Liga absolvierte und dabei acht Tore erzielte. Im Sommer verkündete der Blondschopf dann sein Karriereende – zumindest auf der höchsten Ebene. „Ich fühle mich körperlich noch gut, aber irgendwann reicht es dann auch für mich. Ich möchte andere Sachen machen, möchte selbst bestimmen, wo ich Lust zu habe. Sonst ist man immer so fremdbestimmt", so Halstenberg. Offenbar verspürt der 33-Jährige doch noch Lust auf Fußball, denn zur neuen Saison schnürt er für seinen Heimatverein Germania Grasdorf in der Kreisliga seine Schuhe und kehrt damit an den Ort zurück, wo einst alles begann.

Florian Riedel
Verein: TSV Havelse
Alter: 35
Land: Deutschland

Er verkörpert die wohl ungewöhnlichste Personalunion in Deutschlands höchsten Ligen: Beim TSV Havelse ist FLORIAN RIEDEL Führungsspieler und Sportdirektor in einem. Der von ihm zusammengestellte Kader dominierte in der abgelaufenen Saison die Regionalliga Nord nach Belieben und sicherte sich die Meisterschaft mit 14 Punkten Vorsprung. Als Aktivposten auf der rechten Außenbahn war er dabei auch auf dem Platz unverzichtbar. 33 von 34 Punktspiele absolvierte der 35-Jährige über die volle Distanz, lediglich am 30. Spieltag musste er gegen Ottensen wegen einer Gelbsperre zuschauen.

Auch in den darauffolgenden Relegationsspielen (1:1, 3:0) gegen den Nordost-Champion Lok Leipzig stand Riedel von der ersten bis zur letzten Sekunde auf den Platz und durfte nach 2020, damals mit dem VfB Lübeck, seinen zweiten Aufstieg in die 3. Liga feiern. Während die Mannschaft anschließend zum Feiern nach Mallorca flog, zog es Riedel ins Büro, um die neue Saison vorzubereiten. Wieder einmal gilt es für ihn, aus wenig viel zu machen. „Unser wirtschaftlicher Rahmen ist der mit Abstand kleinste. Das war in der Regionalliga Nord schon so und in der 3. Liga wird das noch spürbarer. Wer wenig Budget hat, braucht doppelt so viel Klarheit. Wir müssen kreativer denken, präziser entscheiden und leidenschaftlicher arbeiten als alle anderen“, erklärte er gegenüber liga3-online.

Ob er, in dessen Vita neben 13 Zweitliga- und 156 Regionalligaspielen bereits 78 Drittligapartien stehen, dann als Spieler noch dabei sein wird? „Aktuell ist die Tendenz, dass ich aufhöre. Aber meine Personalie als Spieler wird vermutlich die letzte sein, die ich kläre“, sagt Riedel, der auf eine bewegte Karriere zurückblicken kann. Mit 17 gewann er in Chile die Fußball-Schulmeisterschaft, debütierte mit 18 im UEFA-Cup in der ersten Mannschaft von Hertha BSC und stand anschließend bei sieben anderen Vereinen unter Vertrag. Unter anderem beim VfL Osnabrück und dem 1. FC Kaiserslautern. 2021 wechselte Florian Riedel zum frisch gebackenen Drittliga-Aufsteiger TSV Havelse und bestritt 36 von 38 möglichen Saisonspielen. Den sofortigen Wiederabstieg konnte aber auch er nicht verhindern. Foto: IMAGO

Elisa Senß
Verein: Eintracht Frankfurt
Alter: 27
Land: Deutschland

Die Bezeichnung „Spätzünderin“ trifft auf ELISA SENSS zumindest teilweise zu – schließlich wurde die heute 27-Jährige erst vor einem Jahr zur Nationalspielerin. Dafür ging es auf Vereinsebene fast nur bergauf. Die gebürtige Oldenburgerin hat sich über den Ahlhorner SV, den VfL Wittekind Wildeshausen und den SV Meppen in die Bundesliga gespielt. Schon früh in der Jugend fiel ihr Talent auf, auch beim NFV wurde sie gefördert. So nahm Senß unter anderem 2010 und 2011 mit dem Stützpunktbereich West an der NFV-Mädchenmeisterschaft teil und gewann 2012 mit den U 15-Juniorinnen den Norddeutschen Länderpokal in der Halle. Ihr Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse feierte die zentrale Mittelfeldspielerin dann 2019, nachdem sie zur SGS Essen gewechselt war.

Parallel zu ihrer Fußballkarriere erarbeitete sich Senß ein zweites Standbein, absolvierte zeitgleich eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten in einer Praxis für Unfallchirurgie. Das Wort „Doppelbelastung“ aus dem Sport bekam so noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Zwischen acht und 18 Uhr arbeitete die 1,61 Meter große Senß in der Praxis, ehe es anschließend auf den Trainingsplatz ging.

Zur Saison 2022/23 wechselte die Oldenburgerin zu Bayer Leverkusen, wo sie auf Anhieb zur Kapitänin wurde. Ihr enormer Ehrgeiz und ihre sportlichen Leistungen sorgten dafür, dass sie 2023 erstmals für die Nationalmannschaft berufen wurde. Ihr Premieren-Tor gelang Senß ausgerechnet im Vorrundenspiel der Olympischen Spiele 2024 gegen Sambia. „Es war mein erstes Tor für die Nationalmannschaft und dann noch bei diesem Turnier. Das war die Krönung.“ Der Treffer wurde in der Sportschau zum Tor des Monats Juli gewählt wurde, zudem feierte sie mit der Nationalmannschaft den Gewinn der Bronzemedaille. Bundestrainer Christian Wück sagte einmal, dass Senß „Fähigkeiten hat, die selten im Frauenfußball zu sehen sind.“ Bei der derzeit laufenden Europameisterschaft in der Schweiz ist die Niedersächsin, die seit 2024 für Eintracht Frankfurt aufläuft, im zentralen Mittelfeld gesetzt. Foto: IMAGO

Tayar Tasdelen
Verein: Hannoverscher Sportclub (HSC)
Alter: 19
Land: Deutschland

Ze Roberto und Özil – an diese beiden anderen Linksfüßer fühlt sich sein ehemaliger Trainer erinnert, wenn er TAYAR TASDELEN beim Fußballspielen zusieht. Beim Brasilianer ist es die Eleganz in seinen Bewegungen, bei Özil neben der schmächtigen Figur und dem türkischen Hintergrund die Kreativität und die Fähigkeit, seine Mitspieler glänzen zu lassen. Fertigkeiten, die allesamt auch Tasdelen auszeichnen. „Tayar findet immer eine Lösung, die kein anderer zuvor gesehen hat. Wenn Du unter Gegnerdruck eine schlaue Idee brauchst, dann hat sie Tayar“, sagt Tilman Zychlinski über seinen ehemaligen Schützling, den er vier Jahre am NFV-Stützpunkt Hannover Stadt trainierte.

In der abgelaufenen Saison war Tasdelen als älterer A-Juniorenjahrgang bereits eine feste Größe im Herrenteam des Hannoverschen Sportclubs (HSC). Mit sieben Toren und elf Vorlagen in 32 Spielen hatte er maßgeblichen Anteil am Gewinn des Titels in der höchsten niedersächsischen Spielklasse, der Oberliga. Keine Frage: Der feine Techniker mit dem feinen linken Fuß und den klugen Ideen stach aus dem von seinem Vater Vural trainierten Meisterensemble heraus.

Mut und Mentalität sind zwei weitere Eigenschaften, die den 19-Jährigen auszeichnen. „Wenn mal etwas schief gegangen ist, lässt er die Schultern nicht hängen, sondern legt den Ball auf den Mittelpunkt und sagt: ‚So beim nächsten Mal machen wir es besser‘“, berichtet Zychlinski, der Tasdelen zudem einen einwandfreien Charakter bescheinigt. „Tayar ist ein ganz feiner, hochintelligenter und anständiger Junge.“

Dass höherklassige Klubs auf ihn aufmerksam geworden sind, liegt auf der Hand. Doch Tasdelen möchte sein erstes Herrenjahr mit dem HSC in der Regionalliga bestreiten – weiter behutsam aufgebaut von Vater Vural. Eine NFV-Wahl hat er übrigens bereits gewonnen: Im Voting auf dem Instagram- und Facebook-Kanal des Verbandes wurde sein Treffer im Punktspiel beim SC Spelle-Venhaus zum Tor des Monats September 2024 gewählt. Einen Eckball von der rechten Seite hatte er mit dem linken Fuß ins lange Toreck geschossen. Foto: IMAGO

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Siegertafel

Die Sieger seit 1991
  • 1991: Uwe Groothuis (Kickers Emden) - Pate: Uwe Seeler †
  • 1992: Petra Damm (VfR Eintracht Wolfsburg) - Pate: Jupp Derwall †
  • 1993: Andre Breitenreiter (Hannover 96) - Pate: Hans Tilkowski
  • 1994: Josef Menke (SV Meppen) - Pate: Bernard Dietz
  • 1995: Stefan Meißner (VfL Wolfsburg) - Pate: Horst Hrubesch
  • 1996: Stefan Prause (Kickers Emden) - Pate: Bernd Franke
  • 1997: Jörg Sievers (Hannover 96) - Pate: Dieter Burdenski
  • 1998: Roy Präger (VfL Wolfsburg) - Pate: Manfred Burgsmüller
  • 1999: Gerald Asamoah (Hannover 96) - Pate: Johannes Löhr † 
  • 2000: Uwe Brunn (VfL Osnabrück) Pate: - Uli Stein
  • 2001: Christian Claaßen (VfL Osnabrück) - Pate: Marco Bode
  • 2002: Jan Simak (Hannover 96) Pate: - Hans Siemensmeyer
  • 2003: Fredi Bobic (Hannover 96) Pate: - Michael Skibbe
  • 2004: Stefanie Gottschlich (VfL Wolfsburg) - Patin: Tina Theune-Meyer
  • 2005: Per Mertesacker (Hannover 96) - Pate: Max Lorenz
  • 2006: Thorsten Stuckmann (E. Braunschweig) - Pate: Horst Wolter
  • 2007: Robert Enke † (Hannover 96) Pate: Horst Podlasly †
  • 2008: Martina Müller (VfL Wolfsburg) Patin: Steffi Jones
  • 2009: Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg) - Pate: Marcel Reif
  • 2010: Edin Dzeko (VfL Wolfsburg) - Pate: Werner Hansch
  • 2011: Didier Ya Konan (Hannover 96) - Pate: Sebastian Hellmann
  • 2012: Jan Schlaudraff (Hannover 96) - Pate: Kai Dittmann
  • 2013: Mame Diouf (Hannover 96) - Pate: Mousse T.
  • 2014: Ron-Robert Zieler (Hannover 96) - Pate: Michael Richter
  • 2015: Kevin De Bruyne (VfL Wolfsburg) - Pate: Dieter Hecking
  • 2016: Marvin Schwäbe (VfL Osnabrück) - Pate: Harald Pistorius
  • 2017: Martin Harnik (Hannover 96)- Pate: Peter Linden
  • 2018: Waldemar Anton (Hannover 96) - Pate: Martin Andermatt
  • 2019: Nils Körber (VfL Osnabrück) - Pate: Uwe Brunn
  • 2020: Pernille Harder (VfL Wolfsburg) - Pate: N.N.
  • 2021: Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg) - Patin: Inka Blumensaat
  • 2022: Alexandra Popp (VfL Wolfsburg) - Pate: Jörg Jakob
  • 2023/24: Niclas Füllkrug (Borussia Dortmund)

Die Fußballer/innen des Jahres der vergangenen Jahre

2019: Nils Körber
2020: Pernille Harder
2021: Maximilian Arnold
2022: Alexandra Popp
2023/24: Niclas Füllkrug

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