Elisa Senß ist die Nummer 1

Als sechste Frau in der 1991 begründeten Wettbewerbsgeschichte hat Nationalspielerin Elisa Senß die Wahl zum "Fußballer des Jahres" gewonnen.

Elisa Senß ist Niedersachsens neue Fußballerin des Jahres. Die gebürtige Oldenburgerin, die seit 2024 bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag steht, setzte sich im Voting der niedersächsischen Sportjournalistinnen und Sportjournalisten mit 37,3 Prozent aller Stimmen vor den männlichen Kandidaten Florian Riedel (TSV Havelse, 32,2 Prozent), Marcel Halstenberg (ehemals Hannover 96, 22,0 Prozent) und Tayar Tasdelen (Hannoverscher Sport-Club, 8,5 Prozent) durch.

Die 27-jährige Nationalspielerin tritt damit die Nachfolge des letztjährigen Siegers Niclas Füllkrug an. Nach Petra Damm (1992), Stefanie Gottschlich (2004), Martina Müller (2008), Pernille Harder (2020) und Alexandra Popp (2022) ist sie zudem erst die sechste Frau, die diese seit 1991 ausgerichtete Wahl gewinnen konnte.

„Das ist eine superschöne Nachricht und eine große Ehre zwischen all den Fußballerinnen und Fußballern, die Niedersachen hervorgebracht hat oder die dort aktiv sind, gewählt worden zu sein. In einer Reihe mit diversen Größen des Fußballs zu stehen, ist ein unglaubliches Gefühl und ein Ansporn, weiterhin hart an mir zu arbeiten und zielstrebig zu bleiben. Diese Auszeichnung bedeutet mir sehr viel“, sagte Senß.

NFV-Präsident Ralph-Uwe Schaffert erklärte zum Ergebnis: „Dass Elisa sich gegen ihre männlichen Mitbewerber durchgesetzt hat, unterstreicht den gestiegenen Stellenwert, den der Frauen- und Mädchenfußball mittlerweile in Niedersachsen einnimmt.“ Als Mitglied der Delegation der deutschen Frauen-Nationalmannschaft hat Schaffert die zentrale Mittelfeldspielerin kennen und schätzen gelernt. „Sie ist ein sehr positiver Mensch, immer freundlich und zugewandt. Innerhalb der Mannschaft ist sie zu Späßen aufgelegt, auf der anderen Seite aber auch sehr fokussiert auf ihren Sport. Halbe Sachen oder ‚heute mal mit angezogener Handbremse‘ – das wirst du bei ihr nicht erleben. Bei Elisa gibt es nur 100 Prozent.“

Hans-Joachim Zwingmann, Vorsitzender des Vereins Niedersächsische Sportpresse, mit dem der Niedersächsische Fußballverband die Wahl seit 2007 veranstaltet, sagt: „Die Wahl von Elisa Senß zur ‚Fußballerin des Jahres‘ in Niedersachsen zeigt, dass ihre Leistungen in der Nationalmannschaft und im Verein eine großartige Bestätigung gefunden haben. Sie ist wie ihre Vorgängerin Alexandra Popp ein Vorbild für den Frauenfußball.“

Im Zusammenhang mit ihrer Karriere fällt auch immer wieder mal die Bezeichnung „Spätzünderin“. Eine Wertung, die Senß „in Ordnung“ findet. Zwar fiel ihr Talent früh auf und wurde über Jahre auch in den Auswahlmannschaften des NFV gefördert, doch den Sprung zur Nationalspielerin schaffte sie erst im Erwachsenenalter und mit 26 Jahren vergleichsweise spät. „Mein Beispiel zeigt, dass man es trotz eines eher ungewöhnlichen Weges doch nach oben schaffen kann. Es sollte als Mutmacher für alle Spielerinnen dienen, die jetzt noch nicht an dem Punkt sind.“

Jede Spielerin würde sich anders schnell entwickeln. Sie habe zwar immer hart an sich gearbeitet, doch „neben dem Quäntchen Glück kommt es halt immer auch darauf an, ob Trainer auf einen setzen.“ Bei ihr war es vor allem Markus Högner. 2019 wechselte sie mit 21 Jahren vom Zweitligisten SV Meppen zu Högner und dem von ihm trainierten Bundesligisten SGS Essen. „Er hat mich in meinem Spielstil sehr unterstützt und mir Vertrauen gegeben. Es ist schön, dass ich ihm das zurückgeben konnte.“

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„Ich freue mich immer, zurück in die Heimat zu kommen“

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Unter Högner fasste Senß schnell in der höchsten deutschen Spielklasse Fuß. Nach drei Jahren als Stammspielerin bei Essen wechselte sie 2022 zu Bayer 04 Leverkusen, wo sie in ihrer ersten Saison direkt zur Kapitänin ernannt wurde. Am Rhein empfahl sich die spielintelligente und zweikampfstarke Mittelfeldstrategin endgültig für die Nationalmannschaft, für die sie im Dezember 2023 unter Trainer Horst Hrubesch beim 3:0-Sieg über Dänemark ihr Debüt gab.

Hrubesch nominierte Senß ein halbes Jahr später auch für die Olympischen Spiele, wo sie gegen Sambia ihr erstes Länderspieltor erzielte. Nach einem deutschen Eckstoß von der rechten Seite landete der Kopfball-Abwehrversuch einer sambischen Spielerin vor den Füßen der Niedersächsin, die den Ball anschließend aus zwölf Metern volley und gefühlvoll über die gegnerische Torfrau ins Netz schoss. Ein schöner Treffer, der in der Sportschau zum „Tor des Monats Juli“ gewählt wurde.

Nach Olympia wechselte Senß zur Frankfurter Eintracht, für die sie gleich zum Saisonauftakt gegen Jena traf und zur absoluten Größe im Team avancierte. Auch vom Main führt ihr Weg regelmäßig nach Ahlhorn, wo sie aufwuchs und wo ihre Eltern nach wie vor leben. „Ich freue mich immer, zurück in die Heimat zu kommen“, sagt Senß. Beim Ahlhorner SV fing sie mit Jahren mit dem Fußballspielen an. Über den VfL Wittekind Wildeshausen fand sie mit 15 den Weg zum SV Meppen. Dort war Maria Reisinger eine ihrer großen Förderinnen.

Auch der ehemalige NFV-Verbandssportlehrer Martin Mohs war für ihre Entwicklung wichtig. „Ein super Trainer, der mich weitergebracht hat. Er war menschlich überragend und hat uns als Team immer das Gefühl gegeben, dass er an uns glaubt und das Beste aus uns herausholen möchte. Bei ihm hat Fußball einfach zu 100 Prozent Spaß gemacht“, erinnert sich Senß an Mohs und die „schöne und intensive Zeit“ als NFV-Auswahlspielerin.

26 Länderspiele stehen inzwischen in ihrer Vita – darunter auch das hochemotionale und dramatische EM-Viertelfinale gegen Frankreich. In diesem Spiel bestach Senß durch Pensum und Präsenz und zählte zu den herausragenden deutschen Spielerinnen. Ein danach im Netz kursierendes Meme zeigt einen Bus, der die Bezeichnung „Frankreichs Offensivfußball“ trägt und der durch eine Lok mit dem Namen „Elisa Senß“ zum Stillstand gebracht wird. Ihr bestes Spiel im Nationaldress? „Nicht unbedingt“, sagt sie. „Meine Qualität ist auch, dass ich sehr konstant in meinen Leistungen bin. Ich hatte schon ein paar gute Spiele.“

Der Wettbewerb
Seit 1991 veranstaltet der Niedersächsische Fußballverband die Wahl zum niedersächsischen Fußballer des Jahres. Bei den ersten 16. Auflagen handelte sich um eine Publikumswahl. Dies änderte sich im Jahr 2007, als der Verein Niedersächsische Sportpresse um seinen Vorsitzenden Hans-Joachim Zwingmann als Partner gewonnen werden konnte. Seitdem wird der Gewinner von den niedersächsischen Sportjournalistinnen und Sportjournalisten gekürt.

2024 wurde der Kandidatenkreis erweitert. Konnten bis dahin nur Spielerinnen und Spieler vorgeschlagen werden, die bei einem niedersächsischen Verein unter Vertrag stehen, dürfen seitdem auch Aktive nominiert werden, die ihre Wurzeln in Niedersachsen haben. Mit dem gebürtigen Hannoveraner und späteren Sieger Niclas Füllkrug und dem in Achim geborenen Deniz Undav standen im letzten Jahr erstmals zwei solche Kandidaten zur Wahl.

Eine Veränderung gab es auch beim Bewertungszeitraum. Galt bis 2024 stets das Kalenderjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember als Maßstab, so ist nun die Dauer einer Spielzeit das Kriterium – bei der aktuellen Wahl war es die Saison 2024/25.

Siegertafel Niedersachsens Fußballer/in des Jahres

  • 1991: Uwe Groothuis (Kickers Emden). Pate: Uwe Seeler
  • 1992: Petra Damm (VfR Eintracht Wolfsburg). Pate: Jupp Derwall
  • 1993: Andre Breitenreiter (Hannover 96). Pate: Hans Tilkowski
  • 1994: Josef Menke (SV Meppen). Pate: Bernard Dietz
  • 1995: Stefan Meißner (VfL Wolfsburg). Pate: Horst Hrubesch
  • 1996: Stefan Prause (Kickers Emden). Pate: Bernd Franke
  • 1997: Jörg Sievers (Hannover 96). Pate: Dieter Burdenski
  • 1998: Roy Präger (VfL Wolfsburg). Pate: Manfred Burgsmüller
  • 1999: Gerald Asamoah (Hannover 96). Pate: Johannes Löhr
  • 2000: Uwe Brunn (VfL Osnabrück). Pate: Uli Stein
  • 2001: Christian Claaßen (VfL Osnabrück). Pate: Marco Bode
  • 2002: Jan Simak (Hannover 96). Pate: Hans Siemensmeyer
  • 2003: Fredi Bobic (Hannover 96). Pate: Michael Skibbe
  • 2004: Stefanie Gottschlich (VfL Wolfsburg). Patin: Tina Theune-Meyer
  • 2005: Per Mertesacker (Hannover 96). Pate: Max Lorenz
  • 2006: Thorsten Stuckmann (E. Braunschweig). Pate: Horst Wolter
  • 2007: Robert Enke (Hannover 96). Pate: Horst Podlasly
  • 2008: Martina Müller (VfL Wolfsburg). Patin: Steffi Jones
  • 2009: Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg). Pate: Marcel Reif
  • 2010: Edin Dzeko (VfL Wolfsburg). Pate: Werner Hansch
  • 2011: Didier Ya Konan (Hannover 96). Pate: Sebastian Hellmann
  • 2012: Jan Schlaudraff (Hannover 96). Pate: Kai Dittmann
  • 2013: Mame Diouf (Hannover 96). Pate: Mousse T.
  • 2014: Ron-Robert Zieler (Hannover 96). Pate: Michael Richter
  • 2015: Kevin De Bruyne (VfL Wolfsburg). Pate: Dieter Hecking
  • 2016: Marvin Schwäbe (VfL Osnabrück). Pate: Harald Pistorius
  • 2017: Martin Harnik (Hannover 96). Pate: Peter Linden
  • 2018: Waldemar Anton (Hannover 96). Pate: Martin Andermatt
  • 2019: Nils Körber (VfL Osnabrück). Pate: Uwe Brunn
  • 2020: Pernille Harder (VfL Wolfsburg)*. Pate: N.N.
  • 2021: Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg). Patin: Inka Blumensaat
  • 2022: Alexandra Popp (VfL Wolfsburg). Pate: Jörg Jakob
  • 2023/24: Niclas Füllkrug (Werder Bremen/Bor. Dortmund)**. Pate: N.N.
  • 2024/25: Elisa Senß (Eintracht Frankfurt). Pate: noch offen


*= Wegen der Corona-Pandemie fand 2020 keine Ehrungsveranstaltung statt.

**= Aufgrund des Engagements beim Londoner Klub West Ham United ließ sich eine Ehrung in Barsinghausen nicht realisieren.