Premierensieg für Hannover & Wolfsburger Spielverderber

An Christi Himmelfahrt (14. Mai) fanden gleich zwei spannende Endspiele um den Niedersachsenpokal der Junioren statt. Hannover 96 verpasste dabei eine historische Triple-Chance.

Nachdem Hannover 96 am 13. Mai gegen Hildesheim (4:1) das Verbandspokalendspiel der A-Junioren (U 19) gewonnen hatte, standen einen Tag später im Barsinghäuser August-Wenzel-Stadion die Finals bei den B- und C-Junioren an. Dabei entschied 96 durch einen 3:1-Erfolg über den VfB Oldenburg auch die Konkurrenz der C-Junioren (U 15) für sich. Somit bot sich den Roten zum Abschluss des Endpielmarathons die Chance auf das Pokal-Triple. Doch der VfL Wolfsburg erwies sich bei den B-Junioren (U 17) als „Spielverderber“ und entschied das Kräftemessen zweier Bundesligisten mit 3:2 für sich.

Der VfB Oldenburg (weiße Trikots) bot dem Favoriten aus Hannover bei der Finalpremiere reichlich Paroli.

Bei den C-Junioren ging Regionalligist Hannover 96 als Favorit ins Duell gegen den Oberligisten aus Oldenburg. Der VfB war extra ein Tag früher angereist und bereitete sich in der Barsinghäuser NFV-Akademie auf das historische Finale vor. Denn zum ersten Mal in der NFV-Verbandsgeschichte fand in dieser Saison auch im C-Juniorenbereich ein Pokalwettbewerb statt. Somit war klar, dass der Gewinner Einzug in die Geschichtsbücher hält.

Dass der Eintrag Hannover 96 lautet, war nicht zuletzt ein Verdienst von Moritz Schäffer, der mit einem Tor und zwei Vorlagen der herausragende Spieler war. Doch der Reihe nach: Nach einem wegen Abseits aberkannten Tores von 96-Stürmer Ruben Gonzalez (10. Minute), erspielte sich der VfB Oldenburg zwei Top-Chancen. Vor allem die erste hatte es in sich, als Biyan Yurt im linken Strafraumbereich zum Abschluss kam und sein Linksschuss von 96-Keeper Leon Ahlvers noch so gerade eben um den Pfosten gelenkt werden konnte (11.). Drei Minuten später hatte Yurt erneut die Führung auf dem Fuß. Sein Mitspieler Maximilian Räkers flankte von der der rechten Angriffsseite in die Mitte, wo Oldenburgs Nummer 7 zum Abschluss kam, den Ball aber nicht voll traf, so dass Ahlvers mühelos halten konnte.

In der 31. Minute sorgte Schäffer für die Führung der 96er: Einen Pass nahm er an der linken Strafraumgrenze auf, dribbelte in die Box und vollendete die Aktion mit einem Rechtsschuss ins linke Eck – die Halbzeitführung.

Sieben Minuten nach dem Wechsel hatte Schäffer erneut Anteil am zweiten 96-Jubel. Der Mittelfeldstratege setzte sich bis zur rechten Grundlinie durch, von wo aus er in die Mitte flankte und dort den Fuß von Hani Al Ali fand (42.).

Die U 15 von Hannover 96 schrieb Geschichte und reckte als erste Mannschaft den Niedersachsenpokal der C-Junioren in die Höhe.

Oldenburg war unterlegen, brachte sich aber aus dem Nichts noch mal ins Spiel. Eine von rechts getretene Ecke köpfte Leo Leyendecker am zweiten Pfosten zum Anschlusstreffer ein – sieben Minuten waren noch zu spielen. Doch zu einer richtigen Ausgleichschance sollte der VfB nicht mehr kommen – im Gegenteil: 96 machte zwei Minuten vor Schluss den Deckel drauf, als Ruben Gonzalez eine Schäffer-Hereingabe von links zum 3:1-Endstand abstaubte. Kurz zuvor hatte bereits Hannes Lustfeld das 3:1 auf dem Fuß gehabt, als er den Oldenburger Keeper Leif Gruslak umspielte, die Kugel aber nicht im Gehäuse unterbringen konnte.

Das Spiel in der Statistik (Niedersachsenpokal U 15-Junioren):

Hannover 96 – VfB Oldenburg 3:1 (1:0)

Hannover 96: Leon Ahlvers – Tom Schluck, Hannes Kellner, Karim El-Wayss, Kilian Walzock, Mehmet Aggümus, Emir Bayat, Ivan Manolov, Moritz Schäffer, Hani Al Ali, Ruben Gonzalez Gesto. Trainer: Lasse Voges.

Eingewechselt: 36. Noah Keil für Aggümus, 49. Hannes Lustfeld für El-Wayss, 58. Nedim Rondic und Gyasi Sarpong für Manolov und Al Ali, 67. Damian Brzost für Lustfeld.

VfB Oldenburg: Leif Gruslak – Niklas Meyer, Bastian Behnken, Victor Thurm, Leo Leyendecker, Mats Heien, Noah Frühauf, Maximilian Räkers, Arlind Demaj, Biyan Yurt, Pino Sassen. Trainer: Niklas Ernst.

Eingewechselt: 31. Carlo Möhlenbrock für Sassen, 48. Sassen und Henry Schwarting für Demaj und Möhlenbrock, 55. Leopold Iwan für Räkers, 62. Julius Sassen und Joshua Stolle für Biyan Yurt und Bastian Behnken, 70.+3. Behnken für Heien.

Schiedsrichter: Joel Hannemann (TuS Essenrode); Assistenten: Luca Matteo Blaschke (Wolsdorfer SV), Andrei-Catalin Abrudan (Wolsdorfer SV).

Gelbe Karten: Schluck (17.)., Sarpong (69.) – Thurm (9.).

Tore: 1:0 Schäffer (32.), 2:0 Al Ali (43.), 2:1 Leyendecker (63.), 3:1 Gonzalez (68.).

Zuschauer: 300

B-Junioren: Wolfsburg als Spielbverderber

Das zweite Endspiel des Tages um den ARAG Niedersachsenpokal der U 17-Junioren war in der ersten Hälfte über weite Strecken ein Langeweiler. Wolfsburg kontrollierte das Geschehen, ohne aber zwingend zu werden. So war es Hannover vorbehalten, die bis zur 37. Minute einzigen offensiven Highlights zu setzen. Bereits in der dritten Minute profitierte Mika Hoffmann von einem Fehler im Aufbauspiel der Wölfe, durch den er am Strafraum den Ball erhielt. Der 96-Stürmer zog sofort ab, traf aber nur den Pfosten.

Kurz vor der Pause durfte der VfL Wolfsburg über die Führung jubeln.

In der 20. Minute legte Adam Coulibaly einen Riesensprint über das halbe Spielfeld hin und passte von rechts vor das VfL-Tor. Torwart Paul Gruner war jedoch aufmerksam und konnte mit den Fingerspitzen die Hereingabe entschärfen. Dann, in der 37. Minute, kam es in der Hannoveraner Hälfte zu einem folgenschweren Foul. VfL-Kapitän Bent Peters schlug den daraus resultierenden Freistoß in den 96-Strafraum, wo Justice Turay den Ball per Kopf klären wollte, beim Luftduell mit einem Wolfsburger Spieler allerdings das Gleichgewicht verlor und ihn ins eigene Tor bugsierte. Heftig reklamierte Hannovers Bank Foul, doch Schiedsrichter Andre Eilers wertete die Aktion als handelsüblich ein und entschied auf Tor.

Die beiden Rekordpokalsieger Wolfsburg (weiße Trikots) und Hannover lieferten sich ein intensives Finale.

So verhalten die erste Hälfte verlaufen war, so aufregend sollten die zweiten 40 Minuten verlaufen. In der 51. Minute führte eine Hannoveraner Ecke zu einem sekundenlagen Gestocher im Wolfsburger Fünfmeterraum, bei dem der Ball nach etlichen Versuchen auch die Linie überschritten zu haben schien. 96 jubelte, aber Eilers hatte zuvor bereits auf Foul entschieden. Dies führte zu wütenden Hannoveraner Protesten – nicht nur bei Spielern und Staff, sondern auch bei einer Hundertschaft von Fans, die den Vatertag zu einem Ausflug ins August-Wenzel-Stadion genutzt hatte, wo sie kurz vor Anpfiff des B-Juniorenpokalfinales eintraf.

Was folgte, war ein Wolfsburger Doppelschlag, der die Emotionen erst einmal runterkochte. Isaiah Seretis schloss in der 54. Minute einen Konter erfolgreich ab und nur 180 Sekunden später war es Elias Hernandez Soler, der eine Ablage von Stoßstürmer David Vajagic sehenswert mit links ins rechte obere Eck beförderte – alles sah nach der Entscheidung aus.

Der Treffer von Mika Hoffmann sorgte kurzzeitig für neue Hoffnung bei Hannover 96, doch am Ende fehlte den Roten ein Tor.

Nur wenig später musste VfL-Kepper Gruner verletzt seinen Kasten räumen. Zugezogen hatte er sich die Beschwerden bei dem Torraumgetümmel in der 51. Minute. Für ihn kam Diego Iguacel Capell. Dennoch konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen, wie turbulent das Spiel noch werden sollte. 96 bewies Moral und wurde dafür sieben Minuten vor Schluss belohnt, als Hoffmann im rechten Strafraumbereich den Ball erhielt und die Kugel unter die Latte des VfL-Gehäuses drosch. Jetzt war auch die Kulisse da!

Gruners Ersatz Iguacel Capell verletzte sich am Oberschenkel und musste ebenfalls auf dem Feld behandelt werden. Er kehrte ins Tor zurück, war aber sichtbar angeschlagen.

Kurz vor dem Schlusspfiff glückte 96 das zweite Tor (Bixente Mannel nach Ecke) – jetzt schien alles möglich. Schiri Eilers zeigte fünf Minuten Nachspielzeit an, in denen die Roten alles nach vorne warfen. Wolfsburg behielt kühlen Kopf und initiierte den letztlich entscheidenden Umschaltmoment. Durch ihm marschierte Otto Paananen aussichtsreich aufs gegnerische Gehäuse zu und konnte von David Vukancic nur mit einem Foul gestoppt werden – Eilers blieb keine andere Wahl, als Rot zu zücken. Kurz darauf war Feierabend.

Mit dem zwölften Pokalsieg ziehen die jungen Wölfe in der Altersklasse U 17 mit dem bisherigen Rekordsieger Hannover 96 gleich.

Das Spiel in der Statistik (ARAG Niedersachsenpokal U 17 Junioren):

VfL Wolfsburg – Hannover 96 3:2 (1:0)

VfL Wolfsburg: Paul Gruner – Noah Springborn, Tim Neininger, Henry Schönhoff, Noah Horn, Fynn van der Vorst, Bent Peters, Elisee Blessing, Isaiah Seretis, Elias Hernandez Soler, David Vajagic. Trainer: Yannic Thiel.

Eingewechselt: 50. Luan Lazzara für Horn, 59. Diego Iguacel Capell für Gruner, 64. Arne Thies Mahncke und Otto Paananen für van der Vorst und Schönhoff.

Hannover 96: Elias Bauer – Adam Coulibaly, Justice Turay, Fabian Löffler, Taha Genc, Marouan Jallouli, Tammo Knaut, Bixente Mannel, Laurenz Hein, Endi Krasniqi, Mika Hoffmann. Trainer: Clemens Döring.

Eingewechselt: 63. Luis Marggraf für Genc, 68. David Vukancic für Jallouli, 74. Phil Hamann und Milosz Matejko für Löffler und Hein.

Schiedsrichter: André Eikens (SV Meppen); Assistenten: Tim Poggemann (VfL Kloster Oesede), Jonathan Tammer (SV Concordia Langen).

Gelbe Karten: Horn (40.+1), Van der Vorst (46.), Schönhoff (52.) – Löffler (36.), Mannel (80.+5.). Rote Karte: Vukancic (80+3.).

Tore: 1:0 (37. Turay, Eigentor), 2:0 Seretis (54.), 3:0 Hernandez Soler (56.), 3:1 Hoffmann (74.), 3:2 Knaut (80.).

Zuschauer: 250

Die Siegertafel:

  • 1981 Hannover 96
  • 1982 Eintracht Braunschweig
  • 1983 VfL Stade
  • 1984 VfV Hildesheim
  • 1985 VfL Osnabrück
  • 1986 Hannover 96
  • 1987 Göttingen 05
  • 1988 TSV Havelse
  • 1989 TSV Verden
  • 1990 Hannover 96
  • 1991 Concordia Belm/Powe
  • 1992 SV Meppen
  • 1993 VfL Wolfsburg
  • 1994 VfL Wolfsburg
  • 1995 Eintracht Braunschweig
  • 1996 Hannover 96
  • 1997 VfL Wolfsburg
  • 1998 VfB Oldenburg
  • 1999 Eintracht Braunschweig
  • 2000 Hannover 96 II
  • 2001 VfL Wolfsburg
  • 2002 Hannover 96
  • 2003 Hannover 96
  • 2004 Hannover 96
  • 2005 VfL Wolfsburg
  • 2006 Hannover 96
  • 2007 Hannover 96
  • 2008 VfL Wolfsburg
  • 2009 VfL Wolfsburg
  • 2010 VfL Osnabrück
  • 2011 VfL Wolfsburg
  • 2012 VfL Wolfsburg
  • 2013 Hannover 96
  • 2014 nicht ausgetragen
  • 2015 VfL Osnabrück
  • 2016 VfL Wolfsburg
  • 2017 Hannover 96
  • 2018 VfL Osnabrück
  • 2019 VfL Wolfsburg
  • 2020 – 2025 nicht ausgetragen
  • 2026 VfL Wolfsburg

Autor: Manfred Finger | Fotos: Sebastian Koelman