Hastenbeck verteidigt Titel und steigt auf

Der SV Hastenbeck ist erneut niedersächsischer Frauenmeister. Vor 800 Zuschauern im Barsinghäuser August-Wenzel-Stadion bezwang der Titelverteidiger und Oberligameister der Oststaffel den Champion der Weststaffel SpVg Aurich mit 3:0 (2:0

Für den Hamelner Ortsteilklub ist es der fünfte Titel nach 1998, 1999, 2002 und 2024. Im Gegensatz zum Vorjahr, als dem SVH wegen Nichterfüllung der Unterbau-Regelung der Aufstieg verwehrt blieb, löst er diesmal mit dem Niedersachsentitel auch das Ticket für die Regionalliga Nord.

„Die ganze Enttäuschung, der ganze Frust und die Wut darüber, dass wir letztes Mal nicht aufsteigen durften, haben wir in der gesamten Saison und auch heute wieder in positive Energie umgewandelt“, kommentierte Hastenbecks Spielertrainerin Bianca Lity den Triumph. Für die 40-Jährige ehemalige deutsche Junioren-Nationalspielerin bedeutete der Finalerfolg zugleich das letzte Spiel für die erste Frauenmannschaft der Schwarz-Weißen und zudem ihre dritte Niedersachenmeisterschaft. „Vielleicht werde ich noch ein bisschen in der Zweiten kicken“, sagte Lity, die bei ihrem ersten Niedersachsentitel mit dem SVH 16 Jahre alt war. Wie Lity konnte auch ihr Trainerkollege Stefan Wilts seine Bestbesetzung aufbieten. Bei Hastenbeck waren im Vergleich zur Vorjahresstartelf, damals besiegte der SVH im Finale die TSG Burg Gretesch mit 5:2 nach Verlängerung, nur drei Spielerinnen neu (Jacqueline Diekhut, Marit Latzerus, Corinna Seifert).

Nach zehn ereignislosen Minuten setzte Aurich das erste Ausrufezeichen. Lara Frisch donnerte das Leder aus 17 Metern mittlerer Position an die Latte, den zurückspringenden Ball setzte Ana-Carolin Hoffmann über das Gehäuse. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte: Es sollte die einzige gefährliche Torchance der Sportvereinigung im gesamten Spiel bleiben. „Vorne war es von der Durchschlagskraft heute zu wenig“, konstatierte Wilts nach dem Schlusspfiff. Dass Hastenbecks Defensive so gut stand, kam aber nicht von ungefähr. „Wir haben in den letzten Wochen extrem am Doppeln gearbeitet. Das war gerade gegen die dribbelstarken Auricher Spielerinnen sehr wichtig und hat heute richtig gut funktioniert“, freute sich Lity. Vier Minuten nach der Auricher Großchance ging Hastenbeck in Führung: Laura Rischmüller kam auf der rechten Strafraumseite zum Abschluss. Ihren Ball konnte Aurichs Keeperin Jule Götz zwar abwehren, doch Elisa Meier, die bereits im Vorjahresfinale getroffen hatte, drückte das Leder mit links aus kurzer Distanz ins Netz.

Hastenbeck sollte auch das nächste Highlight setzen. Von links flankte Marit Lazerus mit links im Anschluss an eine Ecke in den Strafraum, wo Lina-Sophie Seifert am Fünfmeterraum frei zum Abschluss kam, das Leder aber über das Gehäuse setzte. In der 32. Minute machte es der Neuzugang vom HSC Hannover besser. Eine weite Flanke von rechts (Jacqueline Dickhut) in den Auricher Strafraum vollendete die Nummer 19 im weißen Trikot mit einem Spannschuss ins lange Eck zum 2:0. Aurichs Abwehr wirkte in dieser Phase unkonzentriert, zum Teil auch konfus. Dies hätte beinahe noch zum dritten Hastenbecker Treffer vor der Halbzeit geführt, doch Meier scheiterte aus kurzer Distanz an Götz. Aurichs Torfrau bewahrte ihre Mannschaft auch kurz nach Wiederanpfiff vor einem weiteren Treffer, als sie einen von der Strafraumgrenze getretenen Schuss von Alessya-Sophie Ruhnow bravourös über die Latte lenkte (49.).

Nur schwer zu stoppen war Elisa Meier. In dieser Szene wird Hastenbecks Angreiferin von Jule Kersten, die anschließend Gelb sah, zu Fall gebracht. Links Aylin Rewohl.

In der 61. Minute war es dann aber geschehen: Meier wurde von Ruhnow steil geschickt und sorgte mit ihrem zweiten Treffer für die Entscheidung. Ihr Doppelpack ist umso bemerkenswerter, da das Finale um die Niedersachsenmeisterschaft erst wieder ihr zweites Spiel nach einer elfmonatigen Verletzungspause (Knorpel) war. „Elisa ist natürlich immer ein Faktor und für uns super wichtig. Aber ich muss heute das gesamte Team loben. Wir waren auf den Punkt genau da“, sagte Lity. Nach dem 3:0 geriet die restliche Spielzeit zum Hastenbecker Schaulaufen. Aurich gab sich geschlagen und dachte wohl schon an das kommende Wochenende, wo die Ostfriesinnen ihre zweite Aufstiegschance erhalten, wenn sie auf den Sieger der Relegation zwischen den drei übrigen norddeutschen Landesverbänden aus Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein treffen.

So war schon während des Spiels die Bühne für das Abschiednehmen bereitet. Zuerst ging nach 57 Minuten Lity, dann in der 65. Minute die im Finale bärenstarke Lina-Sophie Seifert, die nach einem Jahr im Hastenbecker Trikot in der kommenden für Hannover 96 auflaufen wird.  Für Aurich war das 0:3 gegen Hastenbeck zudem die erste Meisterschaftsniederlage. Denn die Weststaffel hatte die Sportvereinigung mit einer Bilanz von 20 Siegen und zwei Remis ungeschlagen dominiert. Zuletzt hatte die Sportvereinigung am 31. Oktober 2024 den Platz als Verlierer verlassen, als sie im Achtelfinale des niedersächsischen Verbandspokals dem Titelverteidiger Rot-Weiß Göttingen mit 4:5 nach Elfmeterschießen unterlag. Beeindruckend war auch die Liga-Bilanz des SV Hastenbeck mit 21 Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen.  Durch die Niedersachsenmeisterschaft sicherte sich der Hamelner Klub neben dem Aufstiegsrecht zur Regionalliga Nord eine Prämie von 500 Euro.  250 Euro erhielt Aurich.

Das 52. Endspiel um die niedersächsische Frauenmeisterschaft in der Statistik

SpVG Aurich – SV Hastenbeck 0:3 (0:2)

Aurich: Jule Götz – Aylin Rewohl (40. Sophie Musal), Marie Okoroh, Jule Kersten, Madalena Hankl (51. Jane Rekowski) – Sina Brühl (63. Emily Reens), Lara Frisch – Leonie Kreuz, Mareike Assing (46. Teresa Fritzberg), Ana-Carolin Hoffmann – Lucy Marleen Minne (74. Lara Marie Cordes). Trainer: Stefan Wilts.

SV Hastenbeck: Sarah Nicotra – Leonie Pohl (72. Mirka Barthel), Marit Latzerus, Bianca Lity (57. Joanna Vorpahl), Corinna Pradella – Natalie-Christin Datta, Jacqueline Dickhut – Laura Rischmüller (79. Ophelie Strahmann), Alessya Ruhnow (84. Johanna Keller), Lina-Sophie Seifert (65. Pauline Lorenz) – Elisa Meier. Spielertrainerin: Bianca Lity.

Tore: 0:1 Meier (14., Vorarbeit Rieschmüller), 0:2 Seifert (32., Dickhut), 0:3 Meier (61.)

Gelbe Karten: Kersten (35.) – Vorpahl (66.)

Schiedsrichterin: Melina Willig (SG Benefeld-Cordingen) – Assistenten: Niklas Requardt (SG Wintermoor), Felix Heßland (SV Bad Eintracht Fallingbostel).

Zuschauer: 800

Siegertafel

Text und Fotos: Manfred Finger
Jahr Sieger Jahr Sieger
1972 Sparta Göttingen 1999 SV Hastenbeck
1973 Sparta Göttingen 2000 FSV Westerstede
1974 Sparta Göttingen 2001 SuS Timmel
1975 Jahn Delmenhorst 2002 SV Hastenbeck
1976 Sparta Göttingen 2003 Sparta Göttingen
1977 VfL Wildeshausen 2004 FSG Twist
1978 Rotenburger SV 2005 MTV Mellendorf
1979 Jahn Delmenhorst 2006 VfL Oythe
1980 VfL Wildeshausen 2007 SV Höltinghausen
1981 VfL Wildeshausen 2008 TSV Havelse
1982 VfR Eintracht Wolfsburg 2009 TSG Ahlten
1983 VfL Wildeshausen 2010 TSV Eintracht Immenbeck
1984 VfR Eintracht Wolfsburg 2011 SF Wüsting-Altmoorhausen
1985 VfL Wildeshausen 2012 VfL Wolfsburg II
1986 VfL Wildeshausen 2013 ESV Fortuna Celle
1987 Rotenburger SV 2014 TSV Limmer
1988 SV Hage 2015 TV Jahn Delmenhorst
1989 SV Wilhelmshaven 2016 Union Meppen
1990 VfL Westercelle 2017 SV Meppen II
1991 TSG Burg Gretesch 2018 TuS Büppel
1992 SG Erbstorf/Ilmenau 2019 Hannover 96
1993 Victoria Gersten 2020 nicht ausgespielt
1994 TuS Westerholz 2021 nicht ausgespielt
1995 Wolfenbütteler SV 2022 TSV Barmke
1996 SV Stöckheim 2023 Eintracht Braunschweig
1997 SV Fortuna Salzgitter 2024 SV Hastenbeck
1998 SV Hastenbeck 2025 SV Hastenbeck