Fußballer/in des Jahres: Drei Offensivspieler & ein Torhüter

Seit 1991 sucht der NFV jährlich den oder die "Fußballer/in des Jahres". Für die abgelaufene Saison stehen geballte Offensivpower, ein Edeljoker und der Elferkiller vom Dienst zur Auswahl. Erstmals können Fans auch über Social Media abstimmen.
Anfang der 1990er Jahre fand die erste Wahl zum „NFV-Fußballer des Jahres“ statt. Seitdem zeichnet der niedersächsische Fußballverband alljährlich den besten Fußballer oder die beste Fußballerin aus – seit 2007 in Zusammenarbeit mit dem Verein Niedersächsische Sportpresse (VNP). Neben den Sportjournalisten können in diesem Jahr auch Fans erstmals über Social Media (Facebook und Instagram) mitvoten. Die Ergebnisse fließen zu je 50 Prozent in die Abstimmung ein.
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Nachdem im vergangenen Jahr Elisa Senß von Eintracht Frankfurt (jetzt Real Madrid) zur Fußballerin des Jahres gekürt wurde, stehen dieses Mal Ismail Badjie vom VfL Osnabrück, Arne Exner vom Lüneburger SK Hansa, Lyn Meyer von Eintracht Braunschweig und Julian Ulbricht vom SV Meppen (jetzt Waldhof Mannheim) zur Wahl.
Die Kandidaten im Porträt

ISMAIL BADJIE ist mit gerade einmal 20 Jahren das Küken unter den Nominierten. Der deutsch-gambische Außenbahnspieler des VfL Osnabrück hatte mit neun Treffern in der abgelaufenen Spielzeit einen gehörigen Anteil am Aufstieg der Lila-Weißen in die zweite Bundesliga. Gleich siebenmal erzielte Badjie den wichtigen Führungs- oder Ausgleichtreffer für den VfL. Als Lieblingsgegner dürften dabei Energie Cottbus und der FC Ingolstadt gelten, gegen die der 44-fache Drittligaspieler sowohl im Hin- als auch im Rückspiel jeweils den goldenen Treffer zum 1:0-Erfolg markierte und damit wichtige Punkte zum Gewinn der Meisterschaft beisteuerte. Sieben seiner neun Treffer erzielte „Isy“, wie der 1,75 Meter große Techniker von seinen Mitspielern gerufen wird, als Joker und war damit zweitbester Einwechselspieler in der zurückliegenden Saison.
Mit 80 Zählern feierte Osnabrück die souveräne Rückkehr ins Unterhaus des deutschen Fußballs. Badjie, der in Jambajeli in Gambia geboren wurde und als Kind nach Deutschland kam, durchlief beim VfL seit der U 11 sämtliche Jugendmannschaften und feierte im August 2024 sein Debüt für die Profis. Nach einer halbjährigen Leihe zum Regionalligisten SC Wiedenbrück kehrte der Rechtsfuß nach Osnabrück zurück und überzeugte mit guten Leistungen und seinem Torinstinkt. Auch deshalb hat Badjie das Interesse anderer Vereine geweckt, unter anderem auch aus der Bundesliga.


Dass der Lüneburger SK Hansa im Mai zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte den Niedersachsenpokal gewinnen konnte, lag auch an ARNE EXNER. Der 30-jährige Torhüter sorgte mit seinen Paraden im Endspiel gegen den TuS Bersenbrück in der regulären Spielzeit mit dafür, dass der LSK zunächst einen 0:3-Pausenrückstand im zweiten Abschnitt aufholen konnte. Und weil in der Verlängerung beiden Teams die Kräfte ausgingen, schlug Exners große Stunde im Elfmeterschießen. Gleich dreimal war der Schlussmann zur Stelle und entschärfte die Strafstöße von Connor Rohra, Maik Emmrich und Philipp Schmidt, sodass der LSK am Ende mit 10:9 nach Elfmeterschießen die Oberhand behielt und sich erstmals den Landespokal sicherte. Neben seinen drei Paraden bewies der Torhüter auch als Schütze seine Qualitäten und verwandelte den vorletzten Strafstoß souverän zum zwischenzeitlichen 6:6-Ausgleich.
Dabei war Exner erst vor der abgelaufenen Saison von Eintracht Norderstedt in die Hansestadt gewechselt. In der Jugend lief der Schlussmann für den JFV Ahlerstedt/Ottendorf/Bargstedt/Harsefeld/Heeslingen auf, ehe er zwischen 2015 und 2023 das Tor des Heeslinger SC hütete. Über 170 Oberligaspiele stehen für den 30-Jährigen zu Buche, dazu kommen 37 Partien in der Regionalliga Nord. Der Pokaltriumph mit dem LSK war bereits der zweite Erfolg nacheinander, denn schon 2025 hatte Exner mit Norderstedt den Landespokal in Hamburg gewonnen. Kurioserweise wurde auch dieses Finale gegen den USC Paloma erst im Elfmeterschießen entschieden, wobei Exner nicht auf dem Platz stand.
Mit 43 Gegentoren stellten die Lüneburger in der vergangenen Saison immerhin die fünftbeste Defensive und landeten am Ende auf einem guten sechsten Platz. Exner stand dabei 20-mal im Tor und konnte immerhin fünf Partien ohne Gegentreffer beenden. Dass er besonders bei Elfmetern schwer zu überwinden zu sein scheint, bewies der Student der Lebensmittel-Technologie bereits im abschließenden Meisterschaftsspiel beim VfV Borussia 06 Hildesheim, als er ebenfalls einen Strafstoß entschärfte.
Im Achtelfinale der laufenden Pokalsaison legte Exner nochmal einen nach und verhinderte mit zwei gehaltenen Strafstößen beim 5:3-Erfolg nach Elfmeterschießen gegen den SC Hemmingen-Westerfeld ein frühzeitiges Aus des Titelverteidigers.


Sie hat Geschichte geschrieben. Als erste Spielerin gewann LYN MEYER in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal die „Torjägerkanone für alle“. Die Stürmerin von Eintracht Braunschweig krönte sich mit 39 Toren in der Oberliga Ost nicht nur zur Torschützenkönigin, sondern sicherte sich damit zugleich auch die vom „kicker“ anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Fachmagazins ins Leben gerufene Auszeichnung. Seit der Spielzeit 2019/20 vergibt das Sportmagazin gemeinsam mit dem Amateurfußballportal FUSSBALL.DE die Torjägerkanone an Spielerinnen und Spieler ab der dritten Liga bis in die untersten Spielklassen. Bereits 2022/23 schnappte sich Meyer mit beeindruckenden 46 Treffern die Auszeichnung und durfte sich in der vergangenen Saison erneut über die Ehrung als beste Torschützin der vierten Liga freuen.
Seit 2017 spielt die deutsche U-Nationalspielerin für die Braunschweiger Löwinnen. Den lang ersehnten Aufstieg in die Regionalliga verpasste das Team im legendären Jahrhundertspiel zwischen Braunschweig und dem SV TiMoNo Ende Mai denkbar knapp. Beim spektakulären 5:5 im Endspiel um die Niedersachsenmeisterschaft erzielte Meyer zwei Tore, doch im Elfmeterschießen unterlag ihre Mannschaft letztlich mit 2:3, sodass der Traum vom Aufstieg zerplatzte.
Geboren wurde die 31-Jährige im niedersächsischen Wolfenbüttel. Ihre fußballerische Laufbahn begann dagegen beim 1. FFC Turbine Potsdam, wo sie zwischen 2009 und 2011 dreimal in Folge die Meisterschaft der B-Juniorinnen gewann. Zudem kam die gelernte Polizistin auch für die zweite Mannschaft zum Einsatz. Nach einem Jahr in der Bundesliga beim 1. FC Lokomotive Leipzig zog es Meyer zurück nach Niedersachsen zum VfL Wolfsburg. Mit den Wölfinnen gewann sie 2014 die Deutsche Meisterschaft sowie die Champions League, kam dabei allerdings nur dreimal für die Profimannschaft zum Einsatz. Dafür sammelte Meyer in der Zweitvertretung reichlich Spielpraxis, ehe sie 2017 nach Braunschweig wechselte und dort zur Stammspielerin aufstieg. Zahlreiche Verletzungen (unter anderem zwei Kreuzbandrisse) warfen die Stürmerin immer wieder zurück und verhinderten womöglich eine größere Laufbahn. In der neuen Spielzeit soll es für Meyer mit dem lang ersehnten Sprung in die Regionalliga klappen. Eine Titelverteidigung der „Torjägerkanone für alle“ könnte dabei helfen.


Die Auszeichnung zum besten Torjäger hat sich auch JULIAN ULBRICHT redlich verdient. Der 27-Jährige war mit 27 Treffern und sechs Vorlagen ein Garant für den Aufstieg des SV Meppen in die 3. Liga. Die Emsländer feierten nach drei Jahren Abstinenz die Rückkehr in den Profifußball. 27 der insgesamt 103 Tore gingen auf das Konto von Ulbricht, der sich damit nicht nur die Torjägerkanone in der Regionalliga Nord sicherte, sondern genauso wie Meyer deutschlandweit zum besten Viertliga-Knipser avancierte.
Der gebürtige Hamburger wurde in der Jugend beim FC St. Pauli und dem Rivalen Hamburger SV ausgebildet. Bei den Hanseaten feierte er sein Debüt im Herrenbereich, doch der ganz große Durchbruch wollte ihm nicht gelingen. 2021 wechselte Ulbricht zu York United (heute Inter Toronto FC) in die kanadische Premier League, wo er wertvolle Auslandserfahrung sammelte. Nach einer weiteren Station beim Ligakonkurrenten FC Edmonton kehrte der 1,85 Meter große Stürmer nach Deutschland zurück und spielte zunächst für den 1. FC Phönix Lübeck. Im Januar 2023 zog es ihn zu seinem Jugendverein St. Pauli zurück, für dessen Zweitvertretung er in zwei knapp zweieinhalb Jahren 31 Tore in der Regionalliga erzielte.
Im vergangenen Sommer wechselte Ulbricht schließlich zum SV Meppen, mit dem er nach einer meisterhaften Saison den Aufstieg realisieren konnte. Spätestens damit dürfte ihm der Durchbruch gelungen sein. Aufgrund seiner Torgefahr weckte Ulbricht das Interesse zahlreicher Vereine, den Zuschlag erhielt der Traditionsverein SV Waldhof Mannheim, für den der Stürmer nun auf Torejagd geht.
Zum Modus
Anfangs galt die eiserne Regel: zur Wahl stehen ausschließlich Akteure, die zum Zeitpunkt der Abstimmung bei einem niedersächsischen Verein unter Vertrag stehen. Seit 2024 können nun auch Spielerinnen oder Spieler gekürt werden, die ihre Wurzeln im Verbandsgebiet haben. Zudem hat sich der Bewertungszeitraum geändert, denn seit der Saison 2024/25 zählt die Spielzeit und nicht mehr das Kalenderjahr.
