"Es geht weiter": Auch mit 63 zieht es Olaf Jödicke noch ins Tor

Als erster Niedersachse wurde Olaf Jödicke zu Deutschlands Amateur des Jahres gewählt. Der 63-Jährige ist beim VfB Südharz Torwart, Jugendtrainer, Vereinsmensch, Helfer und gute Seele in einer Person. Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident Amateure, hat ihn in seiner Heimatgemeinde Walkenried geehrt.

In ein paar Tagen fährt Olaf Jödicke nach Frankfurt. Am DFB-Campus trifft sich die deutsche Fußballfamilie und feiert das Wochenende des Amateurfußballs. Dabei kommt es für Deutschlands frisch gekürten „Amateur des Jahres“ zu einem Wiedersehen mit einem Mann, der in seiner Kindheit bei Auswärtsfahrten oft auf seinem Schoß saß und der als Erwachsener zum Rekord-Joker der Bundesliga wurde: Nils Petersen.

Unter dessen Vater Andreas arbeitete Jödicke sechs Jahre als 2. Torwart und Co-Trainer. Es waren die goldenen Zeiten des SV Südharz Walkenried, der dank der Unterstützung eines örtlichen Autohauses von 1995 bis 2007 in der viert- bzw. fünfthöchsten deutschen Spielklasse am Ball war.

2007 verstarb der Sponsor, so dass die Fußballwelt in der 4.500 Einwohner zählenden Einheitsgemeinde eine komplett andere wurde. Das Autohaus ist längst geschlossen und auch den Verein gibt es nicht mehr. 2017 fusionierte der SV mit dem Nachbarklub aus Bad Sachsa zum VfB Südharz. Statt in der Oberliga Niedersachsen/Bremen oder der Niedersachsenliga Ost rollt der Ball nun in der 1. Kreisklasse Göttingen-Osterode. Geblieben sind in Walkenried eigentlich nur zwei Konstanten: Die Spielstätte an der Nordhäuser Straße und Olaf Jödicke.

Der ist inzwischen 63 und wurde bei der bundesweiten Wahl von FUSSBALL.de, dem Amateurfußballportal des DFB und seiner 21 Landesverbände, zu Deutschlands Amateur des Jahres der Saison 2025/26 gewählt. Die Auszeichnung hierfür erhielt Jödicke am gestrigen Sonntag vor dem Heimspiel des Südharz Walkenried gegen den SV Bilshausen (1:0). Über 150 Zuschauer – in der Regel besuchen etwa 80 die Heimspiele – sorgten für eine würdevolle Kulisse.

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„Olaf mischt überall mit!

Walkenrieds Bürgermeister Lars Deiters

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Bevor Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident Amateure, den Pokal überrreichte, zeichneten die Ehrengäste ein Bild des Tausendsassas. „Den Namen Olaf Jödicke kannte ich schon als Kind“, sagte Walkenrieds Bürgermeister Lars Deiters, der am Vortag seinen 42. Geburtstag gefeiert hatte. Richtig kennengelernt habe er ihn aber erst 2021 und sei auf einen „ehrlichen, verlässlichen, das Herz auf der Zunge tragenden Kämpfer“ getroffen. Deiters: „Ob beim Fußball, in der lokalen Politik oder in der Ortsgemeinschaft – Olaf mischt überall mit.“

Ralph-Uwe Schaffert, Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes, zeigte sich beeindruckt, dass Jödicke trotz seiner 63 Jahren noch regelmäßig zwischen die Pfosten der 1. Herrenmannschaft rückt. „Während andere in seinem Alter längst über Rücken, Knie oder das Wetter klagen, heißt es bei ihm: Trikot an, Handschuhe an und ab ins Tor.“ Dennoch fände Jödickes größte Leistung nicht auf dem Fußballplatz statt. „In seinem Verein ist Olaf das, was man liebevoll ‚ein Mädchen für alles‘ nennt: Er hilft, wo Hilfte gebraucht wird, packt an, organisiert, repariert, tröstet, motiviert und ist eigentlich immer zur Stelle, wenn irgendwo Not am Mann ist.“ Neben dem Torwarjob ist Jödicke u.a. als Trainer der G-Junioren und als Platzwart aktiv.

Dabei könnte ihm keiner einen Vorwurf machen, wenn er kürzer treten würde. 2021 erlitt Jödicke zwei Herzinfarkte und musste eine schwere Bypass-Operation überstehen.  Dennoch kehrte er nach nur neun Monaten wieder auf den Fußballplatz zurück. Schaffert: „Zwei Herzinfarkte haben Olaf nicht vom Fußball fernhalten können. Und wahrscheinlich liegt das auch daran, dass sein Herz einfach zu sehr für den Fußball schlägt.“

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„Wer Schalke überlebt, der meistert auch ganz andere Herausforderungen“

NFV-Präsident Ralph-Uwe Schaffert über Jödickes Zuneigung zu Königsblau

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In diesem Zusammenhang ging der NFV-Präsident darauf ein, dass Jödicke glühender Anhänger des FC Schalke 04 ist. „Nach zwei Herzinfarkten muss man sich schon fragen, ob das wirklich die beste Fanwahl ist“, flachste Schaffert und schlussfolgerte: „Aber Olaf beweist damit eindrucksvoll: Wer Schalke überlebt, der meistert auch ganz andere Herausforderungen.“

Ronny Zimmermann stellte heraus, dass Jödicke Jubiläumssieger sei, da die Wahl zu „Deutschlands Amateur des Jahres“ in diesem Jahr zum zehnten Mal ausgetragen wurde. Dabei ging der DFB-Vizepräsident Amateure auf den Modus ein. Spielerinnen und Spieler, die Herausragendes leisten – auch und besonders im Vereinsleben - können sich selbst bewerben oder vorgeschlagen werden. Aus den besten Bewerbungen wird eine Shortlist mit den stärksten Kandidatinnen und Kandidaten gebildet, die anschließend zur Abstimmung stehen (Online-Voting).

Eine prominente Jury, in der u.a DFB-Präsident Bernd Neuendorf sowie die beiden Nationalmannschaftskapitäne Giulia Gwinn und Joshua Kimmich sitzen, wählt anschließend mit den FUSSBALL.de-Usern die Sieger bei den Männern und Frauen aus. „Das Ergebnis fiel überraschend eindeutig zu deinen Gunsten aus. Normalerweise ist das immer eine enge Kiste“, sagte Zimmermann und attestierte Jödicke: „Bei dir sitzt das Herz an der richtigen Stelle und es ist ein Fußballherz. Und Fußballerherzen schlagen einfach weiter.“

Kennengelernt hatten sich beide im Vorfeld beim Sektempfang, zu dem Bürgermeister Lars Deiters ins Kloster Walkenried eingeladen hatte. „ Ich wusste nach etwa 24 Sekunden, dass wir den richtigen ausgewählt haben“, berichtete Zimmermann über das erste Gespräch und gab Jödicke mit auf den Weg. „Diese Auszeichnung bedeutet nicht, dass man danach aufhören darf. Wir zählen weiter auf dich!“

Bei Olaf Jödicke braucht er sich diesbezüglich keine Sorgen machen. Nachdem er sich bei seiner Frau Janette bedankt hatte („sie hat mich immer unterstützt und alles möglich gemacht, damit ich heute hier stehen kann“), stellte er klar heraus: „Wer geglaubt hat, dass man auf dem Höhepunkt zurücktritt, den muss ich enttäuschen. Das wird nicht passieren. Auch meiner Mannschaft kann ich sagen: Es geht weiter. In jedem Training, in jedem Spiel.“

Zudem versprach Jödicke, der als erster Niedersachse zu Deutschlands Amateur des Jahres gewählt wurde: „Ich werde dieses Amt, das ich jetzt für ein Jahr inne habe, würdig vertreten und es nach außen richtig repräsentieren.“