Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil überreichte den Preis in der Kategorie "Handicapfußball" an die Vorsitzende der "HaKis", Sabrina Rathing. Foto: Getty Images

Herberger-Awards: Großer Jubel bei den "HaKis"

29.03.2022

Großer Jubel bei den Handicap Kickers aus Hannover. Der Mitgliedsverein des Niedersächsischen Fußballverbandes hat bei der Verleihung der Sepp-Herberger-Awards in der Kategorie Handicap-Fußball den ersten Platz belegt und darf sich über einen Geldpreis in Höhe von 12.500 Euro freuen. Damit würdigt die DFB-Stiftung Sepp Herberger das Engagement der „HaKis“, die für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung ein inklusives Fußballangebot vorhalten. 

„Wir haben in allen Spielklassen zum Spenden für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine aufgerufen, und überall im Land laden Vereine die Kinder aus der Ukraine zum Kicken ein“, sagte Bernd Neuendorf am Montagabend auf der Bühne der Sepp-Herberger-Awards in Berlin. „Der Fußball hat sich auf den Weg gemacht, bei dieser Aufgabe mitanzupacken. 

Der DFB-Präsident war am Nachmittag mit dem ICE am Berliner Hauptbahnhof angekommen und erlebte dort hautnah, wie geflüchtete Menschen ziellos aus Zügen kletterten, empfangen wurden und erste Anlaufpunkte fanden. „Dieses Engagement zu erleben, war bedrückend und ergreifend zugleich“, berichtete Neuendorf. 

Awards-Verleihung am 125. Geburtstag von Herberger 
Das Ehrenamt war auch der Grund für Neuendorfs Zugfahrt nach Berlin. In die Hauptstadtrepräsentanz der Telekom, dort wo an Wahlsonntagen sonst Trends, Hochrechnungen und Sieger*innen präsentiert werden, hatte die DFB-Stiftung Sepp Herberger eingeladen. Nur waren die Sieger diesmal kluge Amateurklubs. 

Auf den Tag genau vor 125 Jahren war auf dem Waldhof in Mannheim Sepp Herberger geboren worden. Um den Geburtstag des "Chefs", wie ihn seine Spieler nannten, angemessen zu feiern, verlieh Deutschlands älteste Fußballstiftung die Sepp-Herberger-Awards. Und passend zu Herbergers 125. Geburtstag wurden 125.000 Euro Preisgeld an die Siegervereine und -organisationen in den Kategorien "Schule und Verein", "Resozialisierung", "Sozialwerk/Horst Eckel-Preis", "Fußball Digital", "Handicapfußball" und "Fußball-Stiftung" ausgezahlt.

Für Bernd Neuendorf war der Besuch der Preisverleihung in Berlin der bislang größte öffentliche Termin, nachdem er vor rund zweieinhalb Wochen auf dem Bundestag in Bonn zum 14. DFB-Präsidenten gewählt worden war. Noch am Samstag hatte er am Grab von Eva und Sepp Herberger in Weinheim-Hohensachsen einen Kranz niedergelegt. In Berlin nun erlebte Neuendorf eine ausgelassene und glanzvolle Feier des Fußball-Ehrenamts.

„Wir sind der geilste Verein der Welt“
ZDF-Moderator Sven Voss und DAZN-Reporterin Christina Rann führten durch die knapp dreistündige Gala, in der die Gäste im Saal sowie die Zuschauer*innen auf #dabeiTV bei MagentaTV und DFB-TV greifbar und verständlich erleben konnten, was die knapp 24.000 unter dem Dach des DFB organisierten Vereine so alles bewirken können.

Etwa für Menschen mit einem Handicap. „Wir haben uns gefragt, warum es eigentlich immer nur Fußballmannschaften für Frauen oder Männer gibt, aber keine, bei denen beide Geschlechter zusammenspielen können“, berichtete Sabrina Rathing, die Gründerin der Handicap Kickers Hannover. „Warum alle immer ungefähr das gleiche Alter haben müssen? Warum immer Gleichstarke zusammenspielen müssen? Auf dem Bolzplatz geht es doch auch anders.“

Also machen es die "HaKis" anders, hier spielen Männer und Frauen, Menschen mit und ohne Handicap einfach zusammen Fußball. Eines von vielen Beispielen für tolle Leistungen im Ehrenamt. Oder wie es der geistig behinderte Trainer der "HaKis", Kevin Struß, auf den Punkt bringt: „Wir sind der geilste Verein der Welt.“

Auch NFV-Präsident Günter Distelrath ist vom Engagement der Hannoveraner*innen begeistert: "Sie sind ein leuchtendes Beispiel dafür, was die niedersächsische Fußballfamilie zum Wohle unserer Gesellschaft zu leisten vermag."

Zahlreiche Prominente in Berlin
Wie sehr sich die Sepp-Herberger-Awards als Anerkennung und Würdigung des Fußballehrenamts über die Jahre etabliert haben, zeigte schon ein Blick über den Festsaal. Dort saßen der UEFA-Cup-Sieger und langjährige Bundesligatrainer Ewald Lienen, die zweimalige Welt- und Europameisterin Renate Lingor, Weltmeister Pierre Littbarski, der zweimalige WM-Teilnehmer Gerald Asamoah, Bundesliga-Schiedsrichter Daniel Siebert, die zweimalige Weltmeisterin und viermalige Europameisterin Ariane Hingst sowie Bundesliga-Ikone Friedhelm Funkel. Genauso wie die stellvertretende DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich, DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, und DFB-Schatzmeister Stephan Grunwald. Alle versammelten Fußball-Persönlichkeiten aufzuzählen, bräuchte noch weit mehr Platz.

Auch das politische Berlin folgte der Stiftungseinladung gerne. Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil überreichte den Preis in der Kategorie "Handicapfußball" und schloss ein dickes Lob ans Ehrenamt an: „Ich gehöre seit mehreren Jahren dem Kuratorium der Sepp-Herberger-Stiftung an, und es ist einfach immer wieder beeindruckend zu erleben, wie gerade der Fußball die Gesellschaft zusammenbringt. Das ist der Verdienst von so vielen ehrenamtlich tätigen Menschen im Land, denen wir gar nicht oft genug Danke sagen können.“

Laudatio von Lahm, Videobotschaft von Beckenbauer
Philipp Lahm, Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2014, übernahm schließlich die Würdigung des letzten Preisträgers. Erstmals wurde eine Fußballstiftung ausgezeichnet - die vor 40 Jahren gegründete Franz Beckenbauer-Stiftung. „Franz Beckenbauer ist die Jahrhundertfigur des deutschen Fußballs“, sagte Lahm in seiner Laudatio. „Als Spieler, Trainer und Funktionär hat er Großes geleistet. Mit der Gründung der Franz Beckenbauer-Stiftung hat er früh gezeigt, wie der Fußball der Gesellschaft etwas zurückgeben kann. Ich gratuliere Franz und seinen Mitstreitern von Herzen zum Sepp-Herberger-Award.“

Absolut nicht im Skript stand die Videobotschaft von Franz Beckenbauer, die er kurzfristig in Auftrag gegeben hatte. Ein Gruß vom "Kaiser" als krönender Abschluss der Sepp-Herberger-Awards in Berlin. Da fehlte nur noch Frank Zander mit der ultimativen Zugabe „Nur nach Hause“.

Autor / Quelle: th/dfb
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