Bentheims Fußball-Chef Georg Alferink (r.) zeichnete Dennis Brode aus.

„Hut ab, so geht Sport!“

01.04.2021

Als der Ball in der Staffel 3 der Fußball-Bezirksliga Weser-Ems im vergangenen Jahr noch rollte, ereignete sich im Nordhorner Derby im Sportpark Blanke zwischen dem SV Eintracht und dem VfL Weiße Elf eine bemerkenswerte Szene. Kurz vor dem Seitenwechsel hatte der Schiedsrichter im Sechzehner ein Foul an Dennis Brode erkannt und daraufhin auf Strafstoß für die Gäste entschieden. Unmittelbar nach dem Elfmeterpfiff erklärte der Stürmer, der gleichzeitig auch Spielertrainer des VfL Weiße Elf ist, dem Unparteiischen allerdings, dass kein regelwidriges Verhalten seines Gegenspielers vorgelegen habe. „Es war ein ganz normaler Zweikampf und kein Foul - und demnach auch kein Elfmeter. Deshalb habe ich dem Schiedsrichter gesagt, dass ich das Geschenk nicht annehmen werde“, lässt Brode die Szene vom Abend des 12. September 2020 noch einmal Revue passieren.

Für dieses außergewöhnlich faire Verhalten erhielt Brode nun eine offizielle Auszeichnung des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV): Er wurde vom Vorsitzenden des NFV-Kreises Bentheim, Georg Alferink, für die „Fair Play-Geste des Monats“ geehrt. Aufmerksam geworden war der NFV auf die Aktion, weil ein Vereinsmitglied des VfL Weiße Elf das faire Verhalten einige Tage nach dem Derby dem in Barsinghausen ansässigen Landesverband gemeldet hatte.

„Wir hatten in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder gehofft, einen würdigen Rahmen mit Zuschauern im Grenzland-Stadion für die Auszeichnung zu finden“, berichtet Alferink. Da der Spielbetrieb aufgrund der andauernden Corona-Pandemie aber seit Oktober 2020 ruhte, überraschte der NFV-Kreisvorsitzende den Spielertrainer des VfL Weiße Elf einige Monate später gemäß der aktuell geltenden Bestimmungen mit Abstand an dessen Arbeitsplatz.

Alferink übergab Brode neben einer Urkunde, unterschrieben von Fritz Keller, dem seinerzeit noch amtierenden Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), diverse Präsente des NFV und des DFB. Dabei lobte er den spielenden Trainer des VfL Weiße Elf noch einmal für sein Verhalten. „Ich bin froh und stolz, dass in unserem Fußballkreis das Fair Play gelebt wird“, erklärt Alferink. „Das war großer Sport mit absolutem Vorbildcharakter.“

Brode betont, dass er immer wieder so handeln würde - egal in welcher Liga, egal bei welchem Spielstand. „Für mich war das keine große Sache, sondern vielmehr eine Selbstverständlichkeit“, meint der Stürmer. Dass seine Mannschaft am Ende trotz zwischenzeitlicher Führung - zum Zeitpunkt des Elfmeterpfiffs hatte der VfL Weiße Elf mit 1:0 vorne gelegen - das Stadtduell noch mit 1:2 verlor, wurmt Brode noch heute. „Natürlich wollen wir immer gewinnen - gerade in einem Derby. Aber Siege wollen wir stets fair erringen. Ich hätte mich über ein mögliches Elfmetertor zum 2:0 nicht freuen können.“ Am Ende habe der Gegner ein Tor mehr geschossen und deshalb die drei Punkte eingeheimst, so der 40-Jährige.

Dass ein zweiter Treffer des VfL Weiße Elf kurz vor dem Seitenwechsel für einen anderen Spielausgang hätte sorgen können, urteilten seinerzeit auch die Verantwortlichen des SV Eintracht. Trainer Ralf Cordes sprach nach dem Schlusspfiff des Derbys von „großem Fair Play. Das machen nicht viele Spieler. Wenn der Gegner kurz vor der Pause das 2:0 erzielt hätte, wären wir mit großer Wahrscheinlichkeit nicht als Sieger vom Feld gegangen.“ Wenige Stunden danach hatte der SVE zudem auf seiner offiziellen Facebook-Seite einen Dank veröffentlicht. „Hut ab, so geht Sport!“, hieß es in dem Post, der zahlreiche Likes bekam.

Diese Meinung teilt auch Stephan Ahues. „Als Spielertrainer und Torjäger des Bezirksligateams ist Dennis für viele Kinder und Jugendliche in unserem Verein ein Vorbild. Mit seiner Aktion im Nordhorner Derby hat er gezeigt, dass Fair Play trotz aller sportlichen Rivalität über allem steht. Wir als VfL Weiße Elf sind stolz, dass diese Werte den zahlreichen Juniorinnen und Junioren des Vereins von der ranghöchsten Mannschaft vorgelebt werden“, sagt das Vorstandsmitglied des Familiensportvereins vom Ootmarsumer Weg. „Über einen Derbysieg wird eine Woche gesprochen, über diese Aktion sicherlich noch in einigen Jahren.“

 

 

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