BSC Acosta II und Gratulanten bei der Ehrung in Barsinghausen. Foto: Zwing

„Fair Play-Gedanke ist ein Teil der Vereins-DNA“

07.10.2020

Das Schlusswort hatte der Trainer. „Als vor einigen Monaten feststand, dass wir Meister geworden sind, da konnten wir uns wohl anerkennend zunicken und gegenseitig gratulieren, aber eine Meisterfeier konnten wir aufgrund der Corona-Pandemie nicht machen. Das haben wir heute in diesem würdigen Rahmen nachholen dürfen. Es war ein sehr gelungenes Ende der überragenden vergangenen Saison!“ 

Der sich so freut, ist Uwe Stucki, Trainer des Braunschweiger-Bezirksliga-Aufsteigers BSC Acosta II. Er und seine Spieler sowie einige Funktionsträger des Vereins haben im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen einen Abend genossen, zu dem der Niedersächsische Fußballverband (NFV) und die VGH eingeladen hatten. Grund der Festivität: Die Acosta-Reserve hat sich in der abgebrochenen Spielzeit 2019/20 neben der Meisterschaft in der Kreisliga Braunschweig auch den VGH-Fairness-Cup gesichert. Ganze fünf gelbe Karten in 17 Spielen sorgten dafür, dass die Braunschweiger mit einem Quotienten von 0,29 mit großem Vorsprung die Konkurrenz und somit 951 Mannschaften weit hinter sich gelassen haben. Damit erzielten sie das zweitbeste Ergebnis in der 1992 begründeten Wettbewerbsgeschichte. Dieses wie auch der Meistertitel wurde jetzt im Vier-Sterne-Hotel am Deister gebührend gefeiert. 

Die Festredner waren sich einig: Wenn es eine Mannschaft verdient hat, den VGH-Fairness-Cup zu gewinnen, dann das Team von Acosta Kapitän Alexander Fricke. NFV-Präsident Günter Distelrath hob hervor: „Corona hatte natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf die abgelaufene Saison, die wir erst unter- und dann abbrechen mussten. Dass Sie, liebe Spieler des BSC Acosta, deshalb nur 17 statt 28 Spiele bestreiten konnten, kann Ihren Erfolg natürlich in keinster Weise schmälern. 17 ausgewertete Spiele, darauf hat ihr Trainer Uwe Stucki bereits zu Recht hingewiesen, bilden schon eine sehr aussagekräftige Tendenz darüber ab, wie sich ein Team auf dem Platz präsentiert hat. Und wer nur fünf gelbe Karten hinnehmen musste, zudem verteilt auf fünf Spieler, dem kann man getrost bescheinigen, ein vorbildliches Fair Play-Verhalten an den Tag gelegt zu haben.“ 

Und der Präsident rief in Erinnerung: „Erfreulich ist nicht zuletzt, dass es sich bei Ihrem Abschneiden keineswegs um eine Eintagsfliege handelt. Bereits in der Vorgänger-Saison 2018/19 belegten Sie in der Gesamtwertung des VGH-Fairness-Cup unter 957 Teams einen hervorragenden siebten Platz und im Bereich der Öffentlichen Versicherung Braunschweig standen Sie auf dem Siegertreppchen ganz oben. Ihr Trainer Uwe Stucki wurde bereits 2009 schon einmal zum fairsten A-Junioren-Trainer im Bezirk Braunschweig ernannt und der Name Frank Mengersen steht ohnehin für sich. Dieses alles ergibt ein sehr stimmiges Bild von einem Verein, in dem der Fair Play-Gedanke und das Bekenntnis zur Fairness keine Lippenbekenntnisse sind, sondern Teil der Vereins-DNA.“ 

Zur Erklärung: Acosta-Vizepräsident und C-Jugend-Trainer Frank Mengersen war im vergangenen Jahr mit der Fair Play-Medaille des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgezeichnet worden. Hintergrund: Mengersen hatte freiwillig auf den Meistertitel verzichtet. Der C-Jugend des VfB Peine war im Mai 2018 der Gewinn der Landesliga-Meisterschaft kaum noch zu nehmen. Dann aber verunglückte der Kleinbus des Spitzenreiters und drei Jungen wurden schwer verletzt. Da die Mannschaft in den letzten Spielen nicht mehr antreten konnte, wäre der BSC Acosta Meister geworden. Doch Mengersen appellierte an die noch ausstehenden Gegner des VfB Peine, ihre Spiele als verloren werten zu lassen. „Wir wollten nicht von dem Leid profitieren“, so der BSC-Coach. Erst kürzlich durfte er für dieses noble Verhalten auch den „Bürgerpreis der Zeitungen 2019“ entgegennehmen. 

Zurück zur Ehrung im Sporthotel. Auch Frank Müller sprach dem Braunschweiger Team „ein großes Kompliment für Ihre faire Spielweise“ aus. Der VGH-Vorstand stellte erleichtert fest: „Jubiläen, Ruhestand, runde Geburtstage konnten zuletzt aufgrund von Corona nicht gebührend gefeiert werden. Ich freue mich deshalb ganz besonders, dass Ihnen der Siegerpokal heute nicht per Post zugestellt werden musste.“ Mit Blick auf das erst wenige Tage zuvor ausgetragene Niedersachsen-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig (4:1) bat Müller die BSC-Kicker: „Wenn ich als Hannoveraner heute Braunschweigern gratuliere, dann nehmen Sie das bitte an. Sie haben es sich verdient!“ Und schob besänftigend hinterher: „Ich stamme gebürtig aus Helmstedt.“ 

Bekennender Eintracht Braunschweig-Fan ist Uwe Schäfer. Der stellvertretende Bezirksdirektor der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, im VGH-Fairness-Cup zuständig für die Region Braunschweig, verzichtete allerdings darauf, zur Ehrung in Barsinghausen mit einem blau-gelben Schal anzureisen, ist jedoch überzeugt, dass der BTSV im Rückspiel die Hinspiel-Niederlage wettmachen kann. Aus seinem Lokalpatriotismus machte er keinen Hehl. „Wir sind heute hier, weil es 1874 mit Konrad Koch ein Braunschweiger Lehrer war, der am Martino-Katharineum das Fußballspiel in Deutschland einführte.“ Schäfer sorgte sich in seiner Laudatio auch um „Anstand und Respekt, der rund um den Fußball mehr und mehr verloren geht.“ „Was neben den Plätzen passiert, das können wir nicht tolerieren“, so der Vertreter der Öffentlichen. Schäfer war in seiner aktiven Fußballer-Karriere übrigens linker Verteidiger. Die fünf gelben Karten, die BSC Acosta II in 17 Spielen „sammelte“, hält er aufgrund eigener gemachter Erfahrungen für außergewöhnlich gut. 

Kapitän Alexander Fricke und sein Mitspieler Markus Ecke freuten sich in ihren Dankesworten über ein tolles Erlebnis im Sporthotel, einen überdimensionalen Siegerpokal und einen Gutschein für ein dreitägiges Trainingslager der Braunschweiger im Sporthotel Fuchsbachtal und stimmten mit ihrem Team ein lautstarkes Hipp, Hipp, Hurra an. Aufgezeichnet von BSC-Stadionsprecher Klaus Müller, der fast im Minutentakt live über Facebook Neuigkeiten aus dem Saal Niedersachsen des Hotels in die große weite Welt postete.

Autor / Quelle: bo
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