"Hinnerk Terfehr lebt ewig!"

Nach 15 Uhr Jahren leitete der Landesehrenamtsbeauftragte Hermann Wilkens sein letztes Dankeschön-Wochenende in Barsinghausen. Dabei erinnerte er sich an seine Anfänge in der DFB-Kommission Ehrenamt, wo er eine Person ins Gespräch brachte, nach der er in all den Jahren immer wieder gefragt wurde. Tim Müller, Mitglied in der niedersächsischen Ehrenamtskommission und Mitarbeiter von Werder Bremen, ging beim Thema Nachwuchsleistungszentrum auf Nick Woltemade ein, an den zu seiner Zeit im Werder-NLZ zwischenzeitlich keiner mehr geglaubt hatte.

Hinnerk Terfehr gehört zu den Unverzichtbaren. Damit sind jene 1,7 Millionen Frauen und Männer gemeint, die sich in Deutschland in ihrer Freizeit unentgeltlich für den Fußball einsetzen und deren ehrenamtliche Arbeit einen theoretischen Wert von 2,18 Milliarden Euro hat. Doch diese Unverzichtbaren engagieren sich nicht wegen des Geldes, sondern aus Liebe zum Fußball und zu ihrem Verein.

Bei Hinnerk Terfehr ist es der Sportverein aus Neurhede, eine gut 470 Einwohner zählende Ortschaft direkt an der niederländischen Grenze, die zur emsländischen Gemeinde Rhede gehört. Dort, in Rhede, wirkte der niedersächsische Landesehrenamtsbeauftragte Hermann Wilkens 28 Jahre als Rektor einer Grund- und Oberschule, ehe er 2015 in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Zwei Jahre vor seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben zog Wilkens in die DFB-Kommission Ehrenamt ein und fand bei seinem Einstand einen Zettel vor, auf dem er gefragt wurde, was er in den nächsten Jahren mit der Kommission erreichen möchte. Als Antwort notierte er: „Ich möchte nicht den DFB-Anzug tragen und Hochglanzpapiere verteilen. Sondern ich möchte, dass Hinnerk Terfehr vom SV Neurhede weiß, was wir tun und das gut findet. Denn nur dann sind wir an der Basis angekommen.“

Dieses Statement klingt bis heute in dem Gremium nach. Wilkens: „Wenn ich danach zu den Sitzungen zum DFB nach Frankfurt gefahren bin, wurde ich oft gefragt: ‚Lebt Hinnerk Terfehr noch?“ Und jedes Mal habe ich geantwortet: ‚Ja sicher, Hinnerk Terfehr lebt ewig!“

Denn im Gegensatz zum real existierenden Verein SV Neurhede handelt es sich bei Hinnerk Terfehr um eine fiktive Person. Um einen Typen, so Wilkens, „den Du in jedem Verein findest bzw. finden solltest.“ Die Teilnehmer am diesjährigen Dankeschön-Wochenende des NFV (20. bis 22. Februar), denen Wilkens am Abschlusstag diese Geschichte erzählte, verkörpern alle den Typ Hinnerk Terfehr.

Helmut Kohrs wollte nie für etwas bezahlt werden

Menschen wie Heinrich Kethorn, der seit über 50 Jahren fester Bestandteil der Spielvereinigung Brandlecht-Hestrup (NFV-Kreis Grafschaft Bentheim) ist und über den es heißt, dass er „den Verein lebt und atmet.“ Menschen wie Marco Münkenwarf, Vorstandsmitglied bei BW Borssum (NFV-Kreis Ostfriesland), über den Weggefährten sagen: „Wenn etwas im Verein getan werden muss, dann ist Marco schon dabei oder hat es längst erledigt." Oder Menschen wie Helmut Kohrs, der als Fußballobmann und Trainer von zwei Ü-Mannschaften mindestens fünf Tage in der Woche auf dem Sportplatz des TSV Wiepenkathen (NFV-Kreis Stade) anzutreffen ist, obwohl er als Auswärtiger 30 Kilometer fahren muss. Seit 46 Jahren ist er beim TSV Mitglied, spielte 21 Jahre in der 1. Herren und trainierte schon zu dieser Zeit eine Jugendmannschaft und später das Frauenteam. Mit Nachdruck sagt er einen Satz, der auch von Hinnerk Terfehr hätte stammen können: „Ich wollte nie für etwas bezahlt werden. Das hätte ich strikt abgelehnt."

Bereits seit 1997 lädt der NFV die Ehrenamtspreisträger seiner Fußballkreise mit einer Begleitperson zum „Dankeschön-Wochenende“ nach Barsinghausen ein. Traditionell ist der Freitagnachmittag dem Ehrungsteil vorbehalten. 2026 erhielt jeder Kreissieger aus den Händen des NFV-Präsidenten Ralph-Uwe Schaffert eine DFB-Uhr und -Urkunde. Unterstützt wurde Schaffert dabei von Hermann Wilkens sowie den Bezirksehrenamtsbeauftragten Gerhard Dix (Braunschweig), Heiko Wiehn (Lüneburg) und Eberhard Wacker (Hannover). Für den Bezirk Weser-Ems übernahm Tim Müller diese Aufgabe.

„Triff die Leute, bevor du sie brauchst!“

Durch das Abendprogramm mit Filmen und Informationen zum Ehrenamt führte Hermann Wilkens. Dabei ging er im Besonderen auf die Ehrenamts-Viererkette ein, die aus den Bausteinen Gewinnen, Qualifizieren, Binden und Verabschieden besteht. „Diese Viererkette ist unsere Bibel. Ihre Inhalte sollte jeder von euch mit nach Hause nehmen.“ Zum Gewinnen vom Ehrenamtlichen sagte er: „Die persönliche Ansprache ist immer das Entscheidende.“ Hierzu zitierte er einen englischen Professor, der einmal sagte: „Meet them before you need them“. Das heißt: „Triff die Leute, bevor du sie brauchst!“

Am Samstag stand zunächst der Besuch des Nachwuchsleistungszentrums des VfL Wolfsburg auf dem Programm, ehe die niedersächsischen Ehrenamtspreisträger in der Volkswagen Arena das Heimspiel der Wölfe gegen den FC Augsburg verfolgten. Den 3:2-Erfolg der Gäste sagte Kristiane Heuser exakt voraus und sicherte sich somit im Tippspiel den Pott. „Ich war im Dezember bereits beim Heimspiel gegen Freiburg im Stadion. Dabei ist mir aufgefallen, dass Wolfsburg hinten recht anfällig ist, was ja auch im damaligen Ergebnis von 3:4 zum Ausdruck kam“, begründete die Ehrenamtspreisträgerin aus dem NFV-Kreis Harburg ihren richtigen Ergebnistipp.

Heuser, Vorsitzende und Trainerin beim MTV Luhdorf-Roydorf, nahm am Abend auch an der Talkrunde teil, bei der sich aus jedem Bezirk je ein Vertreter zu seiner ehrenamtlichen Arbeit äußerte. Mit Heuser saßen Oliver Ausmeier (TSV Nesselröden), Heinrich Kethorn sowie das Ehepaar Germaine und Arne Rinke-Mergel auf dem Podium im Saal Niedersachsen. Sie ist Vorsitzende des TV Badenstedt, er ihr Stellvertreter und aktueller Ehrenamtspreisträger des NFV-Kreises Region Hannover.

Der abschließende Sonntagvormittag war erneut dem Thema Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) gewidmet. Die Kommissionsmitglieder Tim Müller und Kevin Walter, die das Junge Ehrenamt vertreten, berichteten aus ihrem Alltag als NLZ-Mitarbeiter bei Werder Bremen (Müller) und Hannover 96 (Walter). „Man ist geduldiger geworden“, sagte Müller zum Thema Talentbegleitung. Ausschlaggebende Beispiele waren Nationalspieler Dennis Undav (heute VfB Stuttgart) und Anton Stach (Leeds United), die „wir leider in der U 15 aus körperlichen Gründen zu früh aussortiert haben.“

Seit vier Jahren ist der Informatiker für den SV Werder tätig. In der aktuellen Saison betreut er zwei NLZ-Spieler bei ihrem Abitur, nachdem er zuvor die U 16-Junioren trainiert hat. Offen sprach er darüber, dass nur zwei bis drei Prozent aller NLZ-Spieler in Deutschland den Sprung in die ersten drei Profiligen schaffen. Gefragt, wo denn die anderen bleiben, sagte er: „Es kommt darauf an, wann ihr Weg im NLZ vorbei ist. Wenn die Spieler relativ jung sind, gehen sie ganz normal weiter zur Schule.“ Ältere Spieler ab der U 17 würden es oftmals auch noch mal in einem anderen NLZ versuchen, deren Profis nicht in der Bundesliga spielen. „Meppen ist da immer wieder ein Zwischenschritt.“

„An Woltemade hat im NLZ keiner mehr so recht geglaubt“

Werder würde darauf achten, dass die Spieler ihre Schule oder Ausbildung absolvieren und sie auch jederzeit unterstützen, zum Beispiel durch Nachhilfe. „Wir zeigen ihnen auf, dass es auch ein Leben neben oder nach dem Fußball gibt. Aber sie müssen sich auch helfen lassen wollen. Es gibt natürlich Spieler, die sagen: ‚Ich werde auf jeden Fall Profi.‘ Die sind dann beratungsresistent.“ Die meisten würden aber schon realisieren, dass es einen Plan B geben muss. „Der Fußball ist mittlerweile so komplex geworden, dass du schon eine gewisse Flexibilität im Kopf haben musst, damit du oben ankommst.“

Zum Thema Berater sprach Müller einen Spieler an, der in seiner NLZ-Zeit ebenfalls vorm Aus stand und heute Nationalspieler und Premier League-Kicker ist. „Nick Woltemade hatte sich in seiner Jugend schwer verletzt. An den hat, so ehrlich muss man sein, bei uns im Nachwuchsleistungszentrum keiner mehr so recht geglaubt. Zu dieser Zeit hatte er noch keinen Berater. Sein jetziger Berater hat ihn dann unter seine Fittiche genommen, ihn aufgebaut und immer wieder gut zugesprochen: ‚Du machst hier weiter und du gehst deinen Weg‘. Dieser Berater hat einen entscheidenden Anteil an Nicks Werdegang.“

Dass es auch heutzutage noch Spieler gibt, die ohne die Ausbildung in einem NLZ den Sprung in den Profifußball schaffen, verdeutlicht das Beispiel des Hannoveraner Zweitligaspielers Husseyn Chakroun. „Über den hieß es auch immer wieder: Zu klein, zu schmächtig“, berichtete Kevin Walter und lobte in diesem Zusammenhang die gute Arbeit von benachbarten Vereinen, die leistungssportorientiert sind. „Der HSC Hannover und der JFV Calenberger Land sind zwei Klubs, bei denen sich Spieler ebenfalls sehr gut entwickeln können. Bei beiden hat Husseyn gespielt, ehe wir ihn zur U 23 geholt haben.“

Auf die Frage, wie talentierte Spieler zu 96 kommen, sagte Walter: „Wie in jedem NLZ gibt es auch bei uns Scouts, die sich im Bereich U 11, U 12 auskennen und bei Turnieren vorbeischauen, zum Beispiel von Kreisauswahlmannschaften. Wir bieten aber auch Sichtungseinheiten an, zu denen man sich einfach anmelden kann.“

Als hauptamtlicher Mitarbeiter ist Kevin Walter bei Hannover 96 Projektleiter der vereinseigenen Fußballschule und betreut die rund 70 Partnervereine der „Roten“. Nicht zuletzt ist er aber auch Co-Trainer der U 12. „Die U 12 ist das erste Jahr, wo die Spieler mit begleitenden Trainern komplett im NLZ sind. Wenn wir für diesen Jahrgang einen Spieler holen, dann garantieren wir ihm, dass er in jedem Fall zwei Jahre bei uns bleiben kann“, sagte Walter und gab Einblicke in den NLZ-Alltag. Drei Mal in der Woche würde in der U 12 trainiert, es gebe einen Fahrdienst und Sportpsychologen, die sich 24/7 um die Spieler kümmern. Zudem bestehe die Regelung, dass jeder Spieler bei allen Veranstaltungen mindestens die Hälfte der Spielzeit bekommt.

Wiehn würdigt Wilkens als Vorreiter und Kämpfer fürs Ehrenamt

In der von Hermann Wilkens geleiteten Talkrunde wurde deutlich, dass sich die Abläufe und Regeln in den Nachwuchsleistungszentren ähneln. Für den Papenburger war das diesjährige Dankeschön-Wochenende das letzte, das er als Landesehrenamtsbeauftragter begleitete. Beim anstehenden NFV-Verbandstag am 7. März wird er sich nach 15 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl stellen. „Du warst ein Vorreiter fürs Ehrenamt, ein Kämpfer“, würdigte ihn Kommissionsmitglied Heiko Wiehn coram publico. „Wir haben einiges durchsetzen können. Ich denke nur daran, wie du dafür gekämpft hast, dass die Kreisehrenamtsbeauftragten mit Stimmrecht in die Kreisvorstände kommen. Das war ein großer Erfolg.“

Die niedersächsischen Ehrenamtspreisträger 2025/26 und Teilnehmer am Dankeschön-Wochenende in Barsinghausen:

Bezirk Braunschweig: Chantal Gregory (1. FC Wolfsburg, NFV-Kreis Wolfsburg), Oliver Ausmeier (TSV Nesselröden, Göttingen-Osterode), Silvio Heym (TVE Veltenhof, Braunschweig), Reinhardt Kihsmehl (SV Schladen, Nordharz), Klaus-Peter Kullig (GW Calberlah, Gifhorn), Dietmar Ost (TSV Germania Hohnstedt, Northeim-Einbeck), Ulrich Pohl (TSV Offleben, Helmstedt), Markus Rohde (TSV Eintracht Essinghausen, Peine).

Bezirk Hannover: Sonja Bukowski* (TuS Nettlingen, NFV-Kreis Hildesheim-Holzminden), Carsten Eimke (SV Hämelhausen, NFV-Kreis Nienburg), Sven Häder* (FC Herta Lütgenade-Warbsen, Hildesheim-Holzminden), Bastian Hille (TuS Jahn Lindhorst, Schaumburg), Hauke Janssen (TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, Diepholz), Thomas Möller (SC RW Thal, Hameln-Pyrmont), Arne Rinke-Mergel (TV Badenstedt, NFV-Kreis Region Hannover).

Bezirk Lüneburg: Kristiane Heuser (MTV Luhdorf-Roydorf, NFV-Kreis Harburg), Antonio de Leone (SV Holdenstedt, Heide-Wendland), Chris Gerstmann (SV Lilienthal-Falkenberg, Osterholz), Hans-Werner Gottschlich (SG Eldingen, Celle), Ralf Heinrich** (FC Verden, Verden), Patrick Münster** (TSV Groß Häuslingen, Heidekreis), Torsten Schnaars (TuS Tarmstedt, Rotenburg), Henry Springer (TSV Hollen, Cuxhaven), Helmut Kohrs (TSV Wiepenkathen, Stade).

Bezirk Weser-Ems: Heike Wiltfang** (TuS Heidkrug, NFV-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst), Georg Bregen (BW Ermke, Cloppenburg), Nico Göllen** (STV Wilhelmshaven, Jade-Weser-Hunte), Bernhard Hake (SC Adorf, Emsland), Heinrich Kethorn (SpVgg Brandlecht-Hestrup, Bentheim), Stefan Kuper (SV Alfhausen, Osnabrück), Marco Münkenwarf (BW Borssum, Ostfriesland), Oliver Suding (BW Lüsche, Vechta).

*= letztmalig stellten die NFV-Altkreise Hildesheim und Holzminden jeweils einen Ehrenamtspreisträger. Beide Kreise fusionierten zum 1. Juli 2025.

**= konnten am Dankeschön-Wochenende nicht teilnehmen