Schiedsrichter-Lehrgang des Berliner Schiedsrichter-Ausschusses

Ein Niedersachse beim Lehrgang des Junioren-Leistungskaders Berlin

Ein Bereicht von Timon Schulz

Ja, in Zusammenarbeit mit dem Mentalcoach des FC Energie Cottbus wurde eigens für den Lehrgang sogar ein passender Hashtag entwickelt. Die Rede ist vom 27. internationalen Lehrgang des Junioren-Leistungskaders (JLK) Berlin, von dem ich jüngst zurückgekehrt bin. In diesem Jahr hatte ich die große Ehre, den Niedersächsischen Fußball-Verband auf diesem wirklich einzigartigen Lehrgang zu vertreten. Auf Einladung des Berliner Fußball-Verbandes durfte ich mit 39 anderen jungen Schiedsrichtern aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz eine ganze Woche voller Theorie und Praxis im Landesleistungszentrum in Berlin-Wannsee verbringen.

Tag 1 Los ging es am Samstagnachmittag nach dem Beziehen der Zimmer mit der offiziellen Eröffnung des Lehrgangs und einer traditionellen Vorstellungsrunde aller Teilnehmer. Neben 19 Schiedsrichtern des JLK Berlin kamen 16 weitere Teilnehmer aus den Landesverbänden des DFB und sogar je zwei Schiedsrichter aus Österreich und der Schweiz in der deutschen Landeshauptstadt zusammen. Nach einem ersten gemeinsamen Abendessen standen unter dem Titel „Der erste Eindruck“ und der Anleitung von Mentalcoach Vincent Rödel einige Spielchen zum gegenseitigen Kennenlernen auf dem Programm. Und der erste Eindruck von der Truppe war sehr positiv und sollte sich beim anschließenden Fußballturnier bestätigen.

Tag 2 Sonntagfrüh, 6.30 Uhr (in Berlin heißt das übrigens Punkt 6.25 Uhr): „Guten Morgen, Berlin!“ Und was nach einer entspannten Yoga-Einheit klingt, entpuppte sich schnell als der morgendliche Frühsport. Aber von nichts kommt bekanntlich nichts. Und so ging es unmittelbar anschließend schon mit einem ersten Regeltest weiter – allerdings nicht wie man ihn kennt, sondern unter körperlichem Stress nach dem Sport, unter Zeitdruck und bei lauter Musik. Wer den Berliner Kollegen Bela Wiethüchter kennt, der weiß auch, dass sich in seinen Fragen schon mal die Abgründe des Regelwerks auftun. Nach dem Frühstück ging es weiter mit dem offiziellen Jahresregeltest für die Berliner Schiedsrichter, den wir Auswärtige ebenfalls mitschrieben. Im weiteren Tagesverlauf ging es zweimal raus auf den Sportplatz – vormittags zu einem kleinen Laufstiltraining, nachmittags dann zu einer umfangreichen Abseitsschulung. Abends referierte der ehemalige Schweizer Erstliga-Assistent Michael Lüthi vom „Kabinengespräch“, also der so wichtigen Absprache im Team.

Tag 3 Der dritte Tag begann mit einem funktionellen Krafttraining in der Sporthalle und einem Konformitätstest zum Thema Handspiel. Anschließend sprachen wir mit einem Trainer aus der NOFV-Oberliga ausführlich über die Wirkung von uns Schiedsrichtern auf Spieler und Trainer und auch über fußballtaktische Aspekte. Nachmittags ging es in Gruppen zur Verhaltensschulung, die einige sehr wertvolle Hinweise lieferte. Abends stand mit dem Besuch des Berliner FIFA-Schiedsrichters Felix Zwayer das erste große Highlight des Lehrgangs an. Felix hat ausführlich über die Attribute gesprochen, die es für eine annähernd ähnlich erfolgreiche Karriere braucht, dabei seinen Weg vom JLKler zum Elite-SR skizziert und danach viele Fragen beantwortet. Wirklich inspirierend, weil er ein absoluter Profi ist! Auf die Frage, ob seine Trikots Maßanfertigungen seien, antwortete er nur kurz und knapp: „Nein, das ist hartes Training.“ Und motivierte uns alle noch mal für den nächsten Tag.

Tag 4 Da ging es nämlich gleich nach dem Frühstück zu Hertha 03 Zehlendorf, wo wir die praktische Leistungsprüfung absolvierten. Zur Belohnung stand der restliche Tag dann ganz im Zeichen des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien, welches wir abends live im Olympiastadion verfolgen konnten. Das absolute Highlight gab es aber schon am Nachmittag: Wir fuhren gemeinsam in das Hotel des Schiedsrichterteams um Jonas Eriksson und hatten die Gelegenheit, dem nächsten Weltklasse-Mann unsere Fragen zu stellen. Dieser nahm sich also nur wenige Stunden vor dem Spiel über eine Stunde Zeit für uns und sorgte bei allen Anwesenden für beeindruckte Gesichter. Alter Schwede, was für eine Persönlichkeit!

Tag 5 Der Mittwoch hatte zur Abwechslung mal gar nichts mit der Schiedsrichterei zu tun. In Kleingruppen erkundeten wir Berlin und versuchten in einem vorgegebenen Zeitrahmen möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Abends besuchten wir gemeinsam das Theater des Westens und das Musical „Ghost“.

Tag 6 Am letzten vollen Tag kamen mit Lasse Koslowski und Jan Seidel noch mal zwei Kollegen vorbei, die es bis in die Bundesliga geschafft haben. Wie auch bei Felix oder Jonas zuvor, bekamen wir hier enorm viel Input – sowohl für die Tätigkeit als Schiedsrichter und dem Vertrauen auf die eigene Wahrnehmung, als auch für die Tätigkeit als Assistent mit vielen praxisnahen Tipps. Am Donnerstagabend ließen wir den Lehrgang anschließend schon ein wenig ausklingen und verabschiedeten den ausscheidenden JLK-Leiter Rasmus Jessen. Obwohl ich „nur“ knapp eine Woche in Berlin dabei war, war dies ein sehr emotionaler Moment.

Tag 7 Nach einer aufregenden Woche war schließlich der Abreisetag gekommen. Nach dem Räumen der Zimmer und einem letzten – übrigens jeden Tag hervorragenden – Frühstück wertete die Lehrgangsleitung den Lehrgang mit uns aus und gab jedem Teilnehmer ein ausführliches Feedback mit auf den Weg. Am Ende durfte ich mich darüber freuen, als viertbester Lehrgangsteilnehmer ausgezeichnet worden zu sein.

Mein besonderer Dank gilt dem VSA um Bernd Domurat und der Leitung der Talentsichtung, Corinna Hedt und Matthias Kopf, für das entgegengebrachte Vertrauen, sowie der Leitung des JLK Berlin um Rasmus Jessen und Jens May für die herausragende Organisation vor Ort und natürlich allen Teilnehmern für einen sehr besonderen Lehrgang! Auf bald einmal wieder.

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