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Die achtziger Jahre in Niedersachsen – Aufwärtstrend im Frauenfußball

Anfang der achtziger Jahre war die Weiterentwicklung im Damen- und Mädchenfußball unverkennbar, ...

... trotzdem befand sich der NFV im organisatorischen und technischen Bereich noch im Aufbau.

1980

Die Mannschaftszahlen stiegen weiter an:

298 Frauenmannschaften und 176 Mädchenmannschaften = 18418 Mitglieder/Frauen und 9740 Mitglieder/Mädchen wurden beim NFV registriert –aufgeteilt auf jetzt vier Bezirke:

  • Bezirk Braunschweig (11 Kreise)
  • Bezirk Hannover (8 Kreise)
  • Bezirk Lüneburg (11 Kreise)
  • Bezirk Weser-Ems (16 Kreise)

1980/81

Bezirk Lüneburg und Bezirk Weser-Ems beriefen eigene Frauenausschüsse, um die anstehende Aufgabe Frauen- und Mädchenfußball gezielt durchführen zu können.

Das erste Sichtungsturnier der Mädchen Bezirksauswahlmannschaften wurde in Barsinghausen durchgeführt.

Nach einem ersten Sichtungslehrgang für Mädchen wurde auch in diesem Bereich eine Landesauswahl gebildet – Auftakt sollte ein Vergleichsspiel gegen eine Auswahlmannschaft des LV Bayern sein. Da die Bayern aber keine Mädchenauswahlmannschaft stellen konnten, sprang kurzfristig eine Auswahl des Bezirkes Braunschweigs ein –gespielt wurde in Einbeck.

Den ersten Frauenausschuss aller 16 Landesverbände hatte der NFV im Juni 1979 ins Leben gerufen und auch in der neuen Satzung verankert. Horst Schmidt (Spiel-Ausschuss DFB) versicherte auf der Referentinnen-Tagung beim DFB in Frankfurt am 28. und 29. März 1980, dass dieses als Modellfall für den gesamten DFB-Bereich angesehen werden sollte.

Lt. Ausschussvorsitzender Margarete Bartel konnte auf der Tagung festgestellt werden,

»dass Niedersachsen zu der Zeit in fast allen Belangen den anderen Landesverbänden weit voraus war«.

Dieses galt für Lehrgänge von Auswahlmaßnahmen Frauen und Mädchen, Bezirksauswahlsichtungslehrgänge, Trainer B-Lizenz und Landesmeisterschaften für Mädchen.

1981

Der Frauenfußball gewann immer mehr an Bedeutung – auch beim DFB, der in der Saison 80/81 einen Länderpokal-Wettbewerb für Frauen ins Leben rief. Wie bei den Herren, so waren auch hier die Auswahlmannschaften aller Fußball-Landesverbände am Start. Niedersachsen spielte bei der Premiere des Länderpokals eine beachtliche Rolle, die NFV-Auswahl kämpft sich bis ins Endspiel vor.

Bergisch Gladbach war am 10. Mai 1981 der Austragungsort des Finales. Niedersachsens Gegner Mittelrhein hatte einen (Heim-) Vorteil, denn acht Spielerinnen kamen von der SSG Bergisch Gladbach, dem amtierenden Deutschen Meister. Die Elf von NFV-Trainer Horst Stockhausen ließ sich davon aber nicht beindrucken, vor allem die Abwehr verdiente sich Bestnoten. Lediglich ein einziges Mal passte Torfrau Angelika Quischinski nicht auf – Tina Theune-Meyer, die spätere Frauen-Bundestrainerin, nutzte diese Chance zum Tor des Tages. Niedersachsen verlor das erste Länderpokal-Finale 0:1.

Folgende Spielerinnen standen in der NFV-Auswahl: Mustroph, Pagel, Klinzmann, Damm, Neumann (alle VfR Eintracht Wolfsburg), Eckhoff, Wehsling, Stukenborg, Reising (alle VfL Wildeshausen), Runken, Klose (beide Jahn Delmenhorst), Quischinski (SV Stöckheim), Achberger (SV Wilhelmshaven)

1982

Erfreulich war der weitere Zuwachs an Mannschaften400 Frauenmannschaften und 194 Mädchenmannschaften = 19181 Mitglieder/Frauen und 9794 Mitglieder/Mädchen

Die Anzahl der Mädchenmannschaften stagnierte leicht, dieses war aber darauf zurückzuführen, dass Mädchenmannschaften geschlossen in den Frauenbereich übergewechselt waren.

Ein erstmalig im Januar 1982 durchgeführter Betreuerinnen-Lehrgang hatte so großen Anklang gefunden, dass auch 1983 ein weiterer angeboten wurde.

Es gab regelmäßig stattfindende Zusammenkünfte mit den Vorsitzenden und den Mädchenreferentinnen der Bezirke, die sich für die Weiterentwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs sehr wertvoll und wichtig erwiesen. Dazu gehörten auch die Aufstellung der Landesligastaffeln nach geographischen Gesichtspunkten und der neue Pokalmodus (die letzten vier Pokalteilnehmer der Landesligisten spielten gegen die vier Bezirkspokalteilnehmer). Auch die Arbeit mit den Kreisvertretern/innen wurde stetig intensiviert.

Der DFB genehmigte Werbung für Frauen- und Mädchenmannschaften, dieses wurde von den Vereinen sehr begrüßt.

Der VFL Wildeshausen (Bezirk Weser-Ems) sorgte für Furore im deutschen Frauenfußball. Beim zweiten DFB-Pokalwettbewerb für Vereinsmannschaften in der Saison 81/82 drang der niedersächsische Verein bis ins Endspiel vor. Zunächst wurde Meteor Berlin mit 3:0 ausgeschaltet, dann gab es einen 4:0-Erfolg beim TSV Rendsburg und schließlich den überraschenden 2:0-Sieg im Halbfinale beim SC Bad Neuenahr. Im Endspiel traf der VfL dann am 1. Mai 1982 in Frankfurt auf den damals schon vierfachen Deutschen Meister SSG Bergisch Gladbach. 3:0 gewann die SSG, doch VfL Wildeshausen erntete als Außenseiterteam viel Lob.

Die Vizepokalsieger des VfL Wildeshausen waren: Zimmermann, Bowe, Peters, Eckhoff, Schute, Wehsling, Hölzhüter, Maus, Maas, H. und M. Stukenberg, H. und M.Vaske

Für eine offizielle Frauen-Nationalmannschaften hatte der NFV fünf Spielerinnen zu einem Lehrgang (6. bis 10. September 1982) gemeldet.

Erstes DFB-Frauenländerspiel

Der DFB richtete am 10. November 1982 erstmals ein Frauen-Länderspiel aus. In Koblenz gab es einen 5:1-Sieg gegen die Schweiz.

Christel Klinzmann vom VfR Eintracht Wolfsburg gehörte der neuen Nationalmannschaft als erste niedersächsische Nationalspielerin an !!

Niedersächsischer Mädchenmeister 81/82 wurden die Mädchen vom FC Schüttorf (Bezirk Weser-Ems).

Die NFV-Mädchenauswahl hatte in den vergangenen zwei Jahren gute Resultate in Vergleichsspielen gegen Hamburg und Westfalen erzielt und gegen LV Würtemberg mit 1:1 sowie einer knappen 2:1-Niederlage gute Ergebnisse erzielt.

Der Leistungsunterschied zwischen Landes- und Bezirksliga war erheblich und der Bezirksmeister, der in die Landesliga aufgestiegen war, hatte es sehr schwer, sich zu behaupten. Daher bildete der Bezirksfrauen-Ausschuss Hannover eine Bezirksoberliga mit den stärksten zehn Mannschaften.

1983/1984

Die Weiterentwicklung im Frauen- und Mädchenfußball in Niedersachsen verlief sehr positiv und stand unter dem Motto: »Jetzt ist Stabilität erreicht« (Margarete Bartel 1984).

Trotzdem gab es noch große Gebiete, in denen dem Frauen- und Mädchenfußball noch nicht die gewünschte Präsenz und Akzeptanz fehlte. Ein großes Ziel für die darauffolgenden Jahre lautete für alle Vertreter auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene, den Frauen- und Mädchenfußball besonders auch in diesen Gebieten voran zu bringen, damit die weiten Fahrten für alle Mannschaften reduziert werden konnten – besonders der Mädchenbereich war davon stark betroffen.

Um der Öffentlichkeit den Mädchenfußball näher zu bringen, wurde ab diesem Zeitpunkt in allen vier Bezirken der »Tag des Mädchenfußballs« durchgeführt, die Resonanz war sehr erfreulich.

Der Mädchen-Schulfußball gewann langsam aber sicher an Popularität. Im Hinblick darauf, dass ab 1985/86 auch Mädchenklassen für den Wettbewerb »Jugend trainiert für Olympia« zugelassen wurden, bekamen die Schulfußball-Turniere eine besondere Bedeutung.

Bei den Frauen wechselten sich als Niedersachsen- und Pokalmeister VfL Wildeshausen und VfR Wolfsburg ab.

Der VfR Wolfsburg kam sogar bis ins Endspiel beim DFB-Vereinspokal – Gegner war die SSG 09 Bergisch Gladbach, der die Wolfsburgerinnen mit 2:0 (1:0) unterlagen. Trotzdem war der VfR Wolfsburg ein verdienter »Deutscher Pokal-Vizemeister«.

Die Lehrarbeit war für den Frauen- und Mädchenfußball mittlerweile ein wichtiger und fester Bestandteil. Es wurden unter reger Beteiligung Betreuerinnen-, Mitarbeiterinnen-, B-Lizenz- und Fortbildungslehrgänge durchgeführt.

Die Auswahlmaßnahmen auf Kreis- und Bezirksebene wurden intensiv durchgeführt.

1984/1985

Zum Ende der Spielserie 1984/85 legte Margarete Bartel ihr Amt als Vorsitzende des NFV-Frauenausschusses nach siebenjähriger erfolgreicher Tätigkeit nieder – Nachfolgerin wurde Maria Klewe (Bezirk Braunschweig).

Der Sturm der Anfangsentwicklung im Frauen- und Mädchenfußball war mittlerweile in ruhigere Bahnen eingeschwenkt.

Die NFV-Mädchenauswahl gewann 1985 den DANA-Cup.

1985 bis 1987

Nachfolgende Mannschaftszahlen registrierte der NFV am 01.01.1986: 599 Frauen- und 198 Mädchenmannschaften.

Wie in den vergangenen Jahren (seit der Spielserie 1980/1981) standen als Staffelmeister VfL Wildeshausen und VfR Wolfsburg fest. Das Endspiel um die Niedersachsenmeisterschaft konnte Wildeshausen mit 1:0 gewinnen und so zum 6. Male Niedersachsenmeister der Frauen werden.

Um den Niedersachsenpokal kämpften ebenfalls die beiden obigen Mannschaften. Auch hier wurde VFL Wildeshausen durch in der Verlängerung Pokalsieger.

Die NFV-Mädchenauswahl gewann 1986 den Gothia-Cup und die NFV-Frauen das internationale Turnier und gleichzeitig den Fairnesspreis in Westerstede.

Beim Norddeutschen Turnier der Frauen konnte sich als einzige NFV-Mannschaft der VfL Westercelle für das Endturnier qualifizieren und durch hervorragende Leistungen den Pokal (abermals) nach Niedersachsen holen.

Bei den Vergleichsspielen mit den anderen Landesverbänden wurden beachtliche Erfolge erzielt.

Erstmalig wurde in Barsinghausen ein Turnier für Mädchenauswahlmannschaften mit den Landesverbänden Württemberg, Hessen, Bremen und Niedersachsen durchgeführt, das die niedersächsischen Mädchen gewannen. Das Turnier fand viel Anklang und wurde ein fester Bestandteil der Mädchenauswahlmaßnahmen.

Der Norddeutsche Fußballverband hatte beschlossen in der Saison 1986/87 eine Oberliga-Nord der Frauen einführen. Aus dem NFV-Bereich qualifizierten sich vier Klubs für diese neue höchste Spielklasse: Jahn Delmenhorst, Fortuna Sachsenroß Hannover, VfR Eintracht Wolfsburg und VfL Wildshausen.

1988/1989

Niedersachsenmeister der Frauen wurde der SV Wilhelmshaven. In einem spannenden Spiel wurde der VfL Westercelle mit 3:1 besiegt.

Den Niedersachsenpokal gewann der VfR Eintracht Wolfsburg durch einen 2:1-Sieg über VfL Wildeshausen.

Der NFV richtete 1987/1988 zum ersten Mal einen landesweiten Pokalwettbewerb für Mädchenmannschaften aus. Beim Endrundenturnier trug sich SV Olympia Laxten als erster Klub in die Siegerliste ein.

Die NFV-Mädchenauswahlmannschaft (U16) gewann 1989 erstmalig die Norddeutsche Meisterschaft und nahm dadurch am DFB-Mädchenturnier in Nellingen-Ruit teil. Sie erreichte dort das Endspiel – zuvor wurde die Auswahl Bayerns mit 1:0 und die Südwestauswahl mit 4:1 besiegt . Die Aufregung vor dem Endspiel gegen die Auswahl des Niederrheins war bei den NFV-Mädchen riesig und beide Mannschaften spielten ein beeindruckendes Spiel: Endstand 1:1, nach der Verlängerung 2:2. Leider ging das Elfmeterschießen mit 5:6 verloren. Die Enttäuschung war bei allen groß, aber trotzdem war der zweite Platz ein Riesenerfolg für die NFV-Auswahl.

Die Mädchenauswahl-Hallenturniere erfreuten sich weiterhin großer Beliebtheit. Die Begegnungen mit anderen Landesverbänden fanden großen Anklang und trugen zu einem freundschaftlichen Verhältnis bei. Der NFV nahm immer mit jeweils zwei Mannschaften (U 15/U 16) daran teil und erreichte immer einen vorderen Platz.

Am 02.Juli 1989 gewann die Deutsche Frauen-Nationalmannschaft die dritte Europameisterschaft an der »Bremer Brücke« in Osnabrück. Im Finale verzauberte das Team von DFB-Trainer Gero Bisanz die Fans mit einem 4:1-Sieg über Titelverteidiger Norwegen und wurde dadurch erstmals Europameister.

Auch zwei Niedersächsinnen trugen maßgeblich dazu bei – Doris Fitschen und Petra Damm, das Nationalmannschaftsduo vom VfR Eintracht Wolfsburg.

An der »Bremer Brücke« in Osnabrück wurde auch das »kleine Finale« ausgetragen (Schweden-Italien 2:1). Osnabrück bewährte sich damit als Bühne für ein Großereignis im europäischen Frauenfußball. Großen Anteil daran hatte auch das fachkundige Publikum, das für eine bisher im Frauenfußball noch nie erlebte Atmosphäre sorgte.

Drei Nationalspielerinnen aus Wolfsburg: Petra Damm, Christel Klinzmann, Doris Fitschen (von links). Petra und Doris gehörten zu den EM-Siegerinnen.Im November 1989 konnte der NFV als erster Verband im DFB auf eine zehnjährige Tätigkeit im Verbandsfrauen-Ausschuss zurückblicken. Leider war die Fluktuation im Frauenausschuss sehr groß. Von Beginn an waren nur noch Maria Klewe und Ingeborg Wiesner dabei.

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