Hatte in Göteborg im Finale zwischen dem FC Barcelona und FC Chelsea (blaues Trikot) alles im Griff: Dr. Riem Hussein. Foto: Imago

Immer mit Kontakt zur Basis: Final-Schiedsrichterin Riem Hussein, hier im Gespräch mit Reporterlegende Rolf Töpperwien. Foto: Haase

Große Freude, große Ehre: Riem Hussein leitete das diesjährige CL-Finale in Göteborg. Foto: Haase

Das Schiedsrichter-Team vor dem Anpfiff im Göteborger Stadion Gamla Ullevi (v.l.): Christian Dingert, Katalin Kulcsár, Sara Telek, Riem Hussein, Katrin Rafalski, Julia Magnusson und Bastian Dankert. Foto: NFV

Das zufriedene Team nach dem Schlusspfiff in den Kabinen. Foto: NFV

Haben mit Recht eine Medaille für ihre gute Leistung bekommen – das Unparteiischen-Team nach dem Schlusspfiff in Göteborg (v.l.): Christian Dingert, Julia Magnusson, Sara Telek, Katalin Kulcsár, Riem Hussein, Katrin Rafalski und Bastian Dankert. Foto: NFV

Das Schiedsrichtergespann mit beiden Mannschaften vor dem Finale. Foto: Imago

Günter Distelrath (l.): „Niedersachsen ist stolz auf Riem“ - Bernd Domurat (r.) lobt Riem Husseins „absolut professionelle Einstellung“. Fotos: Haase

"Vorbild und Ansporn für unsere jungen Unparteiischen"

17.05.2021

Gestern am späten Sonntagabend, 16. Mai, 2021, 22.52 Uhr, Abpfiff des Champions-League-Finales der Frauen zwischen dem FC Chelsea und dem FC Barcelona. In einer sehenswerten Auseinandersetzung setzen sich die Spanierinnen mit 4:0 durch – nach einer fulminanten ersten Barca-Halbzeit mit der Führung schon nach 45 Sekunden. Und der Niedersächsische Fußballverband (NFV) ist in Göteborg an zentraler Stelle dabei: Es ist nämlich die niedersächsische FIFA-Schiedsrichterin Dr. Riem Hussein, die das Endspiel geleitet hat.

Und die 40-jährige promovierte Apothekerin zeigt gemeinsam mit ihrem Team eine gute Leistung und behält – trotz der einen oder anderen kniffligeren Strafraum-Szene – alles im Griff. Lediglich zwei gelbe Karten benötigt die erfahrene Unparteiische von der TSG Bad Harzburg, um die Disziplin auf dem grünen Rasen im Göteborger Stadion Gamla Ullevi hochzuhalten.

Für Riem Hussein ist die Nominierung eine tolle Auszeichnung. Im Gespräch mit nfv.de und dem NFV-Journal sagt die Schiedsrichterin: „Ich empfinde die Ansetzung als große Ehre und Wertschätzung meiner Leistung in den vergangenen Jahren und bin sehr stolz.“

Riem Hussein gehört seit Jahren zu den besten Unparteiischen in Deutschland und Europa. Schon dreimal (2013, 2016, 2020) wurde die sympathische Sportlerin aus dem Harz vom DFB als Schiedsrichterin des Jahres ausgezeichnet. Seit 2005 ist Riem Hussein DFB-Schiedsrichterin und seit 2006 in der ersten Bundesliga der Frauen im Einsatz (bisher 110 Spiele). Aufgrund ihrer Top-Leistungen ist sie seit 2009 als FIFA-Schiedsrichterin auch international unterwegs – so 2019 bei der Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich, 2017 bei EM in den Niederlanden, 2016 bei der U-20-WM in Papua-Neuguinea oder 2012 bei der U-19-EM in der Türkei. Seit 2015 ist Riem Hussein im Herren-Profi-Bereich im Einsatz und leitet Spiele in der 3. Liga. 

Große Freude auch bei NFV-Präsident Günter Distelrath, dass eine niedersächsische Unparteiische das europäische Top-Spiel so gut geleitet hat: „Die Nominierung hat mich sehr gefreut, Riem Hussein hat es wirklich verdient. Sie beeindruckt seit jeher durch ihre Top-Leistungen auf dem Platz und ihr großes Engagement für das Schiedsrichterwesen, auch und gerade an der Basis. Riem ist ein Aushängeschild für unseren NFV und zudem Vorbild und Ansporn für unsere jungen Unparteiischen – ein absolut positives Beispiel für eine tolle Karriere, die hoffentlich noch lange andauert. Alle Fußballerinen und Fußballer in Niedersachsen können stolz auf Riem sein.“

Auch Bernd Domurat (Osnabrück), Vorsitzender des niedersächsischen Verbandsschiedsrichter-Ausschusses, freut sich sehr: „„Riem hat – gemeinsam mit ihrem Team – eine sehr gute Leistung gezeigt und die NFV-Farben in Göteborg wunderbar vertreten. Diese Ansetzung war eine riesengroße Wertschätzung für Riem und ein besonderer Höhepunkt in ihrer ohnehin sehr erfolgreichen Laufbahn – die Leitung dieses Endspiels ist eine echte internationale Auszeichnung“, so der ehemalige DFB-Referee im Gespräch mit nfv.de und dem Journal.

Bernd Domurat hebt Riem Husseins „beeindruckende und positive Energieleistung“ hervor, die „gar nicht hoch genug zu bewerten“ sei: „Neben ihren seit Jahr und Tag sehr guten Spielleitungen ist das Champions-League-Finale zudem das erfreuliche Ergebnis ihrer absolut professionellen Einstellung. So kam Riem nach verletzungsbedingten Rückschlägen wieder zurück – auf dieser Top-Ebene bedeutet das eine konsequente, ausdauernde Arbeit an der körperlichen Fitness.“

Absolut beispielhaft sei es zudem, so Niedersachsens Schiedsrichter-Chef, dass Riem – trotz ihrer Tätigkeit als DFB- und FIFA-Schiedsrichterin und den dadurch bedingten hohen zeitlichen Einsatz – immer den Kontakt zu unserer Basis hier in Niedersachsen gehalten habe. Bernd Domurat: „Mein Glückwunsch für Riem und das gesamte nominierte Team; auch für die weiterhin eingesetzten Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aus Deutschland und Europa ist das CL-Endspiel eine besondere Auszeichnung, auf die sie stolz sein können.“

Beim Finale in Göteborg wurde Riem Hussein von weiteren deutschen FIFA-Unparteiischen sehr gut unterstützt: Katrin Rafalski (Bad Zwesten), seit 2007 Bundesliga-Schiedsrichterin und seit 2010 FIFA-Assistentin, amtierte an der Linie, und die beiden Bundesliga- und FIFA-Referees Bastian Dankert (Rostock) und Christian Dingert (Lebecksmühle) fungierten mit ihren Adleraugen als Video-Assistenten, insbesondere bei der wichtigen Strafstoß-Szene in der 12. Minute vor dem 2:0 für den FC Barcelona.

Das europäische Team komplettierten die Assistentin Sara Telek aus Österreich, die Vierte Offizielle Katalin Kulcsár aus Ungarn und die Ersatz-Schiedsrichter-Assistentin Julia Magnusson aus Schweden. 

Riem Hussein weiß im Übrigen nicht nur an der Pfeife, sondern auch am Ball, wie es geht: So spielte sie in der zweiten Bundesliga der Frauen, war dort eine echte Torjägerin und hatte sogar die Möglichkeit, in der ersten Liga Fuß zu fassen – sie entschied sich für die Schiedsrichterkarriere, kein Fehler, im Gegenteil. Wann immer es möglich ist, steht Riem Hussein, die zu Hause in Bad Harzburg gemeinsam mit ihren Geschwistern den Familienbetrieb führt, auch im NFV, im Kreis oder Bezirk für das Schiedsrichterwesen zur Verfügung. Und beim (im Jahr 2021 leider coronabedingt ausgefallenen) jährlichen großen NFV-Verbands-Jung-Schiedsrichter-Turnier (Link zum 2020er Turnier: www.nfv.de/aktuelles/detail/jung-schiedsrichter-turnier-gold-fuer-braunschweig-und-vechta/) ist sie Stammgast.

Mit Finals kennt sich Riem Hussein im Übrigen gut aus. So leitete sie 2010 das erste eigenständige DFB-Pokalfinale zwischen Duisburg und Jena im Kölner Rhein-Energie-Stadion. Und bereits 2017 amtierte sie als Vierte Offizielle beim CL-Endspiel in Cardiff zwischen Olympique Lyon und Paris St. Germain. Insofern konnte in Göteborg aus NFV-Sicht gar nichts schiefgehen.

Autor / Quelle: Marco Haase
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