Überraschungs-Herbstmeister im VGH Fairness-Cup: Das Kreisligateam der Spvg Haste.

VGH Fairness-Cup: Die Halbzeitwertung für Niedersachsen

10.01.2018

Ist das ein Wandel vom Saulus zum Paulus? Ausgerechnet die Spielvereinigung Haste führt derzeit das Ranking in Deutschlands größtem Fairnesswettbewerb, dem niedersächsischen VGH Fairness-Cup, an. Spvg Haste: da war doch mal was. Immer, wenn der Osnabrücker Stadtteilverein in den vergangenen 20 Jahren am Wettbewerb beteiligt war, landete er maximal noch in der Kategorie „unter ferner liefen“. Zur Erinnerung: Platz 950 unter 1000 Teams belegten die Haster in der Vorsaison, Platz 964 unter 1065 Mannschaften in der Spielzeit 2009/10 und Rang 1012 unter 1093 Mannschaften in der Saison 2006/07. 99 gelbe, zwölf gelb-rote und fünf rote Karten standen damals nach 34 Saisonspielen zu Buche. Nur 2005/06 reichte es unter 1171 Teams zu einem relativ passablen 471. Platz.

Und nun dürfen die Haster kräftig die Asche vom Haupt schütteln. Denn es ist Halbzeit im VGH Fairness-Cup der Saison 2017/18. Und als Herbstmeister ist die Mannschaft der Spvg Haste unter insgesamt 985 von den Kreisligen bis zur 1. Bundesliga bewerteten niedersächsischen Teams in die Winterpause gegangen. Der von Josef Bielecki trainierte Kreisligist aus Osnabrück-Stadt sammelte in seinen bisherigen zehn Saisonspielen lediglich sieben gelbe Karten und kommt auf einen Fairness-Quotienten von 0,70.

Im bereits zum 26. Mal ausgetragenen VGH Fairness-Cup werden gelbe Karten mit je einem, gelb-rote Karten mit je drei und rote Karten mit je fünf Strafpunkten geahndet, zusätzlich schlagen Sportgerichtsurteile oder auch das Nichtantreten von Mannschaften mit zehn Zählern zu Buche. Die Summe der Strafpunkte geteilt durch die Anzahl der Saisonspiele ergibt den Fairness-Quotienten.

Hinter den Blauen aus Osnabrück-Haste belegen derzeit der SC Uchte II (0,82, Kreisliga Nienburg), VfL Leiferde (0,9, Kreisliga Braunschweig), FT Braunschweig (0,93, Landesliga Braunschweig) und FC Geestland (0,93, Kreisliga Cuxhaven) die Plätze. Alle übrigen Teams haben bereits eine Eins vor dem Komma.

Der Fairness-Zwischenerfolg für die Spvg Haste ist deshalb umso bemerkenswerter, weil es sportlich nun so überhaupt nicht laufen will. Abgeschlagen mit null Punkten und 5:93 Toren (!) rangieren die Haster in Osnabrück nach zehn Spielen auf dem letzten Platz. Das ist mit Sicherheit frustrierend, aber der Frust wird nicht am Gegner ausgelassen. Bedauernswert die beiden Torhüter Mark Markovic und Grzegorz Sacha, die in den bisherigen Begegnungen je fünf Mal zum Einsatz kamen. Markovic kassierte alle 18 Minuten einen Gegentreffer, Sacha sogar alle 6,42 Minuten.

Es kann sportlich nur besser werden. Darauf hofft auch der Leiter der Fußballabteilung, Stefan Maggi. Der relativ kleine Kader der Haster soll vergrößert werden. Einige Rückkehrer sowie drei Serben und fünf Sudanesen gelten als Zugänge und sollen die Multi-Kulti-Truppe mit Polen, Engländern, Serben, Rumänen und Deutschen verstärken. Auch der Altersschnitt der Mannschaft wird gesenkt – einige Spieler sind 40 Jahre oder älter – und so hoffen die Verantwortlichen, dass künftig gegen Spielende kein Einbruch mehr aufgrund von Konditionsproblemen erfolgen wird.

Es sind nur vier Punkte Rückstand auf den SV Atter, der in Osnabrück derzeit Rang 14 und damit einen Nichtabstiegsplatz belegt. Und Atter hat bereits drei Spiele mehr als die Spvg bestritten, weil mehrere Partien der Haster witterungsbedingt abgesagt werden mussten. Eine erfolgreiche Aufholjagd erscheint also nicht unmöglich. Für Peter Müller aber ist die derzeitige Aufpolierung des Images der Fußballabteilung des 800-Mitglieder-Vereins sehr viel entscheidender. Der amtierende Ehrenamtsbeauftragte und ehemalige Presseobmann des NFV-Kreises Osnabrück ist Tennismitglied im Spartenverein. Er hofft, dass die Fußballer ihr derzeit vorbildliches Auftreten fortsetzen: „Denn dann kann sich die Fußballabteilung vielleicht von einem sich selbst erarbeiteten schlechten Ruf zur Freude aller Vereinsmitglieder befreien.“

Behaupten die Haster ihre Fairness-Spitzenposition bis zum Saisonende, so winkt ihnen ein Trainingslager im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen. Das zweitplatzierte Team des Fairness-Wettbewerbs darf sich auf eine Ehrung im Rahmen eines Heimspiels von Hannover 96 freuen und die drittplatzierte Mannschaft erhält einen Sportartikelgutschein im Wert von 1.500 Euro. Auch zahlreiche weitere Mannschaften gehen nicht leer aus. Denn die VGH-Versicherungen und die Öffentlichen Versicherungen aus Braunschweig und Oldenburg zeichnen zusätzlich zu den drei fairsten niedersächsischen Mannschaften auch in ihren Regionaldirektionen die jeweils drei fairsten Teams aus. Die insgesamt 39 Mannschaften erhalten Pokale und obendrein profitieren ihre Nachwuchsteams. Denn für die Plätze 1 bis 3 gibt es Sportausrüstungen im Wert von 1.200, 800 bzw. 500 Euro für den Nachwuchs.

Hier die Vorzeigeteams aus Haste, Uchte und Leiferde – dort USI Wolfsburg II (Landesliga Braunschweig, Quotient 5,13), FC Schunter (Bezirksliga Braunschweig 1, 5,25) und MTV Dannenberg (Kreisliga Lüchow-Dannenberg, 5,4), die im Fairness-Ranking die Schlusslichter sind und kräftig an ihrer Einstellung arbeiten sollten.

Im Vergleich der 40 NFV-Kreise hat Diepholz (Durchschnittsquotient der 29 bewerteten Teams ist 2,18), Sieger von 2016, die Führung vom Vorjahressieger Bentheim zurückerobert. Schlusslicht ist derzeit Helmstedt (19 Teams, Durchschnittsquotient 3,20) und löst damit Wittmund ab, das inzwischen im neuen NFV-Kreis Ostfriesland aufgegangen ist. Als fairste Liga verdrängt die Kreisliga Harburg (Quotient 2,22) im Vergleich der insgesamt 66 ausgewerteten Staffeln die Kreisliga Lüchow-Dannenberg, die zuletzt vier Mal in Folge vorn lag. Die Teams der Kreisliga Helmstedt hingegen haben noch nichts hinzu gelernt und belegen wie am Saisonende 2016/17 den letzten Platz (Quotient 3,2).

Autor / Quelle: Peter Borchers
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