Der achte Vereinsdialog des Jahres führte die Verbandsspitze zum TSV Posthausen in den Kreis Verden. Foto: Kramer

Vereinsdialog beim TSV Posthausen

10.09.2018

Es gibt nicht viele Vereine in Niedersachsen, die von einer Frau geführt werden. An der Spitze des TSV Posthausen steht Gerda Kanowski. Seit 25 Jahren übt sie das Amt bereits aus. Gerda Mit mehreren jungen Kollegen an ihrer Seite sowie Geschick und Routine leitet sie die tägliche Vereinsarbeit, die aufgrund finanzieller Engpässe immer schwieriger wird und viel Eigeninitiative erfordert. Dies wurde beim jüngsten Vereinsdialog im Heimathaus in Posthausen mit der Spitze des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) deutlich.

Der heimatliche Gedanke und ein großer Zusammenhalt prägen den TSV Posthausen. „Wir haben sofort gespürt wie familiär es bei Euch zugeht“ sagte NFV-Präsident Günter Distelrath nach der Besichtigung der Sportanlage, die dem Flecken Ottersberg gehört und vom Verein für 99 Jahre gepachtet wurde. Zwei Rasenplätze und ein Minispielfeld mit einer Größe von 18 x 36 Meter stehen den Fußballern zur Verfügung. Der Bolzplatz wurde 2011 mit einem Kostenaufwand von rund 48.000 Euro ausschließlich in Eigenregie erstellt. Wer sich an den Kosten beteiligen wollte, konnte einen Quadratmeter des Minispielfeldes für 30 Euro erwerben.

Auch beim Bau von neuen Umkleidekabinen zeigten die Vereinsverantwortlichen des TSV Posthausen ihre Kreativität. Sie stellten auf einem Betonfundament drei Container auf und konnten so für rund 10.000 Euro ihren Sanitärtrakt kostengünstig erweitern. Zehn Mannschaften, darunter fünf Nachwuchsteams mit rund 100 Kindern und Jugendlichen spielen für den TSV. Die Fußball-Sparte hat etwa 200 Mitglieder. Der Gesamtverein zählt 485 Mitglieder. Erwachsene zahlen einen Jahresbeitrag in Höhe von 84 Euro (passive Mitglieder 50 Euro). Der Beitrag für Kinder und Jugendliche beträgt 42 Euro pro Jahr (passive Mitglieder 30 Euro).

Zum Spielbetrieb: Die erste Herrenmannschaft spielt in der 2. Kreisklasse. „Nach dem Ende der Saison am 11. Mai wussten wir nicht, ob es uns in Zukunft überhaupt noch gibt. Seitdem wir zwei junge Trainer gefunden haben, geht es bei uns wieder aufwärts“, heißt es aus der Vorstandsetage. Gerda Kanowski ist seitdem erleichtert. Sie spielt noch aktiv in der Tischtennisabteilung des TSV. Jedes Jahr veranstaltet der TSV Posthausen zusammen mit der Möbelfirma im Ort ein dreitägiges Fußballcamp für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren. 17 Personen des Vereins gehören zum Organisationsteam. Mit dem Fußballcamp erzielt der Verein zusätzliche Einnahmen, die dringend benötigt werden.

NFV-Vizepräsident Hans-Günther Kuers moderierte die Veranstaltung und lobte den konstruktiven Dialog mit den Vereinsverantwortlichen, die ihre Probleme offen ansprachen. So ärgerten sie sich beispielsweise über die weiten Fahrten ihrer U 16-Junioren, die jüngst gegen eine Spielgemeinschaft aus dem Kreis Osterholz eine hohe Niederlage einstecken mussten. Da es kein Patentrezept gibt, kann der Verband nach Ansicht von Kuers die Spielgemeinschaften nicht verhindern. „Irgendwann haben die größeren Vereine keine Gegner mehr. Das sollten sie wissen“, betonte der NFV-Vizepräsident und erhielt Zustimmung von Kurt Thies, dem Vorsitzenden des NFV-Kreises Verden. „Weite Fahrten sind nicht mehr zu verhindern, die Sportvereine müssen sich darauf einstellen.“

Über die Flexibilisierung des Spielbetriebs wurde ausführlich diskutiert. Viele Vereine können keine A-Jugend-Mannschaft mehr melden, weil der Nachwuchs fehlt. „Das ist ein zentrales Thema des Fußballs, über das wir intensiv diskutieren müssen“, sagte Distelrath. Hans-Günther Kuers ist sich mit den Verantwortlichen des TSV Posthausen einig: „Es ist immer noch besser mit kleineren Mannschaften zu spielen, als mit anderen Vereinen zu fusionieren.

Da es die Probleme auch schon in unteren Altersklassen gibt, fragte Bernd Dierßen, stellvertretender Direktor beim NFV, ob es nicht sinnvoll sei, bis zu einem bestimmten Alter gegebenenfalls mit „Fünf gegen Fünf“ zu spielen. Auch damit kann sich der TSV Posthausen anfreunden. Richtig gut läuft es beim TSV von der U6 bis zur U9, weil er in diesen Altersklassen mit dem FC Badenermoor eine Spielgemeinschaft bildet.

Gemeinsam wurde festgestellt, dass es wegen des fehlenden Nachwuchses irgendwann um das Überleben der Vereine gehen könne. Daher sei es wichtig, zusammen mit allen Ebenen des Verbandes darüber zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen. Kuers regte an, zu diesem Thema im Kreis Verden eventuell ein Pilotprojekt zu starten.

Abschließend machten Distelrath und Kuers Gerda Kanowski Mut, als Vorsitzende noch viele Jahre weiterzumachen, auch wenn das Amt immer wieder eine große Herausforderung bedeute. Bei allen Fragen zum Beispiel bei den Themen Steuerrecht und Haftung könne sich der TSV Posthausen natürlich auch an die Geschäftsstelle in Barsinghausen wenden. Außerdem biete der NFV Kurzschulungen zu vielen Themen an. „Die Qualität der Vereine steht und fällt mit einer guten Vorstandsarbeit“, sagte Kuers zum Abschluss des informativen 90-minütigen Vereinsdialogs.

Autor / Quelle: Reiner Kramer
Zurück
Seite drucken
Premium-Partner