Vereinsdialog beim TSV Germania Reher

14.10.2019

Ein Verein mit Zukunft. Sebastian Göbel (1. Vorsitzender) und Dennis Hubel (2. Vorsitzender) sind erst knapp über 30 Jahre alt und führen den TSV Germania Reher mit Optimismus in die nächsten Jahre. Beim jüngsten Vereinsdialog präsentierte sich der TSV und gab einen Überblick über seine vielfältigen Aktivitäten. Die NFV-Verbandsspitze zeigte sich beim Besuch vom Engagement der Vereinsmitglieder beeindruckt.

Warum hat der TSV Germania Reher eine rosige Zukunft? Weil die beiden Vorsitzenden mit gutem Beispiel vorangehen. Sie üben ein wichtiges Funktionärsamt aus, spielen für den TSV Fußball, trainieren eine Nachwuchsmannschaft, packen mit an, wenn Not am Mann ist und haben immer ein offenes Ohr für die Mitglieder. „So ein junges und dynamisches Ehrenamt findet man selten“, bemerkte NFV-Präsident Günter Distelrath, der wenige Tage zuvor beim DFB-Bundestag in Frankfurt ins Präsidium gewählt worden war.

Dass diese Multifunktionalität im Ehrenamt auch in jungen Jahren nur bedingt zu bewältigen ist, versteht sich von selbst. Aber die beiden jungen Vorsitzenden verbreiten eine Aufbruchstimmung. Sebastian Göbel hat für sein großes Engagement vor kurzem den DFB-Ehrenamtspreis gewonnen und ist in den Club 100 aufgenommen worden. „Ich lebe für den Verein, muss allerdings demnächst etwas kürzertreten“, sagte der 1. Vorsitzende, der seine Arbeit gerne auf mehrere Schultern verteilen möchte. Moderator „Auwi“ Winsmann betonte: Die Wertschätzung jeder Person, die sich im Verein ehrenamtlich engagiert, ist wichtig. Andreas Wittrock, Vorsitzender im NFV-Kreis Hameln-Pyrmont, ergänzte: „Beim TSV haben alle Spaß am Fußball, bei Euch steht die Gemeinschaft im Vordergrund.“

Der Spaß am Fußball verging in diesem Jahr auch mal kurzzeitig, als im schmucken, und funktionellen Sportheim ein Rohrschaden entstanden war. Der Boden in der Küche und im Gastraum wurde unterspült. Der TSV hofft, dass die Reparaturarbeiten bis Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden. Aber auch in dieser Notsituation zeigte sich das ausgeprägte Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein. NFV-Direktor Bernd Dierßen lobte das große Engagement gerade auch in schwierigen Zeiten.

Reher ist ein Ortsteil des Fleckens Aerzen im Landkreis Hameln-Pyrmont. Er hat 600 Einwohner. 462 Mitglieder zählt der TSV Germania Reher und gehört zu den kleineren Vereinen in Niedersachsen. Mit einem vorbildlichen Zusammenhalt und großer Motivation stellten die Vereinsmitglieder in den vergangenen Jahren einiges auf die Beine. Allein beim Bau des Vereinsheimes im Jahr 1976 haben die Mitglieder zahlreiche freiwillige Stunden geleistet. Ebenso beim Errichten eines Satteldaches im Jahre 2000. So sind in all den Jahren weit mehr als 1000 freiwillige Arbeitsstunden zusammen gekommen. Eine rekordverdächtige Zahl. Die Verbindung zur heimischen Wirtschaft ist auch ausgezeichnet. So stellte beispielsweise ein hiesiges Straßenbauunternehmen kostenlos einen Container auf, in dem Kleinfeldtore untergebracht sind.

Der einzige Rasenplatz liegt in idyllischer Lage im Weserbergland. Die Vermeidung von Müll steht beim TSV Germania Reher ganz oben auf der Prioritätenliste. Mit dem Einsatz von Mehrfachbechern hat der Verein den Müllberg schon drastisch reduzieren können. Wieder ein positives Beispiel, das Schule machen könnte.

Am aktuellen Spielbetrieb nehmen drei Herrenmannschaften mit 62 Spielern, eine Altseniorenmannschaft in einer Spielgemeinschaft mit dem TuS Sonneborn (Westfalen) und einer C-Juniorenmannschaft teil. Das A-Jugendteam wurde 2019 aufgelöst und komplett im Herrenbereich aufgenommen. Um den Verein auch in Zukunft gut aufstellen zu können, wollen die Verantwortlichen des TSV demnächst eine gute und funktionstüchtige Nachwuchsabteilung aufbauen. Wie schwierig das ist, weiß Sebastian Göbel: „Es gibt zu wenig Trainer im Nachwuchsbereich. Das ist unser großes Problem“, betonte der 1. Vorsitzende. Im Seniorenbereich kommt der TSV gut zurecht: Jede der drei Mannschaften hat einen Trainer und einen Co-Trainer. Für einen Verein, der mit seiner ersten Mannschaft in der 1. Kreisklasse spielt, nicht selbstverständlich.

„Wir wollen anders sein, als andere Vereine“, heißt ein Motto des TSV Germania Reher. Ein Blick in die Umkleidekabine zeigt ein Alleinstellungsmerkmal: Für jeden Spieler der drei Herrenmannschaften wurde eine Karteikarte angelegt. Auf den Flipcharts an der Wand gibt es regelmäßig eine aktuelle Übersicht mit Handynummern der Fußballer, welche von ihnen eingesetzt werden können bzw. verletzt oder gesperrt sind. Nach dem Training dürfen die Spieler im Vereinsheim kochen. Dies fördere besonders die Kameradschaft in den Teams, heißt es aus dem Vorstand.

Ein anderes Thema: Beim Melden der Fußballergebnisse bis eine Stunde nach Spielschluss wünscht sich der TSV Germania Reher eine Lockerung. „Warum können wir im Juniorenbereich nicht ein wenig mehr Zeit eingeräumt bekommen?“ Distelrath versprach, dieses Thema beim DFB noch einmal aufzugreifen. Denn das Sportinformationssystem sei ein bundesweites Projekt. Die Landesverbände könnten die Ergebnismeldung nicht so ohne weiteres in der Zeit ausweiten.

Das Fazit der NFV-Verbandsspitze: „Bei Euch ist das beeindruckende ehrenamtliche Engagement förmlich zu spüren“, motivierte Günter Distelrath die Vereinsmitglieder zu neuen großen Taten. Das Resümee von Moderator Auwi Winsmann: „Ihr seid ein bescheidener und demütiger Verein.“

Bildunterschrift: Beim Vereinsdialog in Reher von links: Frank Batke, Nils Albrecht, Stephan Baumbach, Dennis Hubel, Tobias Rügge, Sebastian Göbel, Peter Blachnik (alle TSV Reher), NFV-Präsident Günter Distelrath, Michael Evers (TSV Reher), NFV-Vizepräsident August-Wilhelm Winsmann, Marcel Handelsmann (NFV-Kreis Hameln-Pyrmont), Friedel Husmann (TSV Reher), Thomas Bertram (NFV-Kreis Hameln-Pyrmont), NFV-Direktor Bernd Dierßen, Christoph Beismann (NFV-Referent Nachhaltigkeit) und Andreas Wittrock (NFV-Kreisvorsitzender Hameln-Pyrmont). Foto. Kramer

Autor / Quelle: Reiner Kramer
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