Gastgeber und Gäste beim Vereinsdialog in Okel. Foto: Borchers

Verbandsspitze zu Gast beim TSV Okel

19.10.2020

„Wir verstehen uns als Dorfverein, der neben Fußball auch andere attraktive Angebote für seine Mitglieder bereithält. Unser Sportplatz und die Sporthalle liegen mitten im Dorf und sind ein zentraler Treffpunkt für alle, die Gemeinschaftsgefühl, Mannschaftsgeist und Freude an der Bewegung schätzen und genießen.“ – Holm Holthusen, Fußball-Jugendleiter und stellvertretender Schatzmeister beim TSV Okel, ist ohne Frage stolz auf seinen Verein. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern aus der Fußballsparte empfängt er an diesem Abend Besuch vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) und präsentiert beim Vereinsdialog mit der Verbandsspitze einen Klub, der beliebte Anlaufstelle für Jung und Alt ist und mit viel Kreativität und Eigeninitiative seinen Mitgliedern ein intaktes Vereinsleben bieten kann. 

Bereits zum 74. Mal seit 2014 sind Entscheidungsträger des NFV jetzt auf Reisen gegangen, um sich vor Ort im Gedankenaustausch mit Vereinsvertretern ein Bild vom erfolgreichen Wirken, aber auch den Sorgen und Nöten eines niedersächsischen Mehrspartenvereins zu machen. Zum dritten Mal nach 2017 (TuS Sulingen) und 2019 (SV Mörsen-Scharrendorf) ist der NFV-Kreis Diepholz das Ziel. In Okel, einem 1.100-Seelen-Ortsteil der Stadt Syke, ist der 1930 gegründete Turn- und Sportverein ansässig, der für fast 650 Mitglieder die sportliche Heimat im Dorf ist. 

NFV-Präsident Günter Distelrath, Vize Auwi Winsmann, Direktor Steffen Heyerhorst und Christoph Beismann (NFV-Team Masterplan) sind nach einem gut dreistündigen Dialog mit den TSV-Vertretern gleichermaßen beeindruckt wie auch Andreas Henze, der Chef des Diepholzer Fußballkreises. Letzterer fasst es treffend zusammen: „Es ist schon bemerkenswert, was man auf dem Dorf mit Zusammenhalt und Enthusiasmus alles erreichen kann.“ 

Es hat sich viel beim TSV Okel in der jüngeren Vergangenheit getan. Das wird bereits beim Gang über die Sportanlage deutlich. Mehrere Grabungslöcher auf dem Sportplatz weisen auf das jüngste Projekt hin, das die TSV-Familie in Angriff genommen hat. „Unser Fußballrasen ist uns heilig – aber wir wollen ihn trotzdem nicht länger mit kostbarem Trinkwasser bewässern, sondern mit Brunnenwasser aus einer großen Zisterne“, berichtet Holm Holthusen bei der Platzbegehung. Der 10,2 Kubikmeter fassende Wassersammelbehälter, ein weiterer Brunnen und technisches Zubehör müssen über Spenden finanziert werden. Das Eingraben der Zisterne sowie weitere Erd- und Anschlussarbeiten übernehmen die TSV-Fußballer - ihre Manpower und Muskelkraft ist die größte Ressource des Vereins. Falls das Spendenziel übertroffen werden sollte, würde das Geld beiseitegelegt für das nächste Projekt: die Umrüstung des Flutlichtes auf LED-Beleuchtung. „Zu tun ist ja immer was…“, heißt es in einer Projektinfo des Vereins. 

Peu à peu ist die Infrastruktur des Vereins modernisiert worden. Entstanden sind eine neue Spielfeldbande, ein neues Kleinfeld, ein Unterstand, ein Blockhaus, neue Spielerkabinen, Umkleiden und Funktionsräume. Auch ein Sporthallenanbau, der Platz für eine kleine Gymnastikhalle mit Schwingboden, den „Spiegelraum“, bietet, wurde 2017 errichtet. Wenn die Okeler anpacken, dann richtig. 

Mit rund 200 Mitgliedern stellt die Fußballabteilung die größte Sparte im Verein. Die Erste Herren ist 2019 in den Bezirk aufgestiegen. Die Zweite spielt in der 2. Kreisklasse. Zudem gibt es in Spielgemeinschaft mit dem TSV Barrien seit dieser Saison ein Ü 40-Team. Die A- und B-Junioren spielen auf Kreisebene, die B-Juniorinnen im Bezirk. Dann klafft von den C- bis E-Junioren eine Lücke. Weiter gibt es die F-Junioren, bei denen eine kleine G-Jugend-Trainingsgruppe integriert ist, und die „Lüttjen Krökeler“. Holm Holthusen ist zuversichtlich, „dass sich diese neue Ballschule für drei- bis fünfjährige Kinder etablieren wird.“ Bleiben die Freizeitkicker, Holthusens „Lieblingsmannschaft“, weil die keine Arbeit machen, sondern häufig wie bei Altpapiersammlungen kräftig mit anpacken. Und natürlich die sechs aktiven Schiedsrichter, darunter drei Jungschiedsrichter und ein „alter Hase“. Wie für viele Vereine stellt sich auch für die Okeler die bange Frage, ob gerade die jüngeren Unparteiischen länger zur Stange halten werden. 

Die Zusammenarbeit mit dem Fußballkreis Diepholz bezeichnet Holm Holthusen als gut. „Es hat sich viel geändert, es wird sehr serviceorientiert gearbeitet und der Kreis reagiert sehr flexibel“, so der Okeler. Im Zusammenspiel mit dem Bezirk habe er Vorabinfos hinsichtlich der Staffeleinteilungen vermisst und zum NFV nach Barsinghausen gebe es keine unmittelbare Verbindung. „Da bin ich mit unseren Mädchen nur einmal beim toll organisierten Turnier um den VGH Girls-Cup gewesen“, so der Jugendleiter. 

Corona, die scheinbar nie endende Pandemie, beschäftigt natürlich auch die Gesprächsrunde im TSV-Vereinsheim. Die Okeler empfinden die Infos, die der NFV stets aktuell als „Richtlinien für Vereine“ per Verbandsverwaltung und Homepage verbreitet, als sehr hilfreich. „Da werden wir wirklich sehr gut bedient“, ist Holthusen, an diesem Abend der Moderator des TSV-Teams, überzeugt. Trainer Lutz Schröder bemängelt, dass nicht bei allen Vereinen angekommen zu sein scheint, welche Angaben beim Ausfüllen der Kontaktlisten erforderlich sind.“ Holthusen bestätigt: „Das wird sehr unterschiedlich gehändelt.“ Andreas Henze verweist darauf, dass auf Kreisebene die Schiedsrichter angehalten sind, die Listen zu kontrollieren und Steffen Heyerhorst ergänzt, dass letztlich immer der Heimverein in der Verantwortung stehe. 

Günter Distelrath freut sich über erste Fortschritte, die nach den Corona-bedingten strengen Einschränkungen für den Fußball gemacht werden konnten. „Wir gehen mit Umsicht und Bedacht auf den Gesetzgeber und die Instanzen zu und haben Schritt für Schritt Ziele erreicht. Es dürfen wieder mehr Zuschauer kommen, es darf neben alkoholfreien Getränken wieder Alkohol ausgeschenkt werden“, so der Präsident. 

Laut Holthusen werde die Plattform Fussball.de auch im Verein „extrem viel genutzt.“ Er bemängelt, dass der TSV Okel auf seiner Vereinsseite nur unzureichend Einfluss auf veröffentlichte Fotos nehmen kann und kritisiert die Schwächen der Robotertexte. „Da wird viel Unsinn verbreitet, da habe ich Probleme mit.“  

Das liebe Geld, es beschäftigt den TSV Okel wie auch den NFV. Mannschaftsrückgänge, fehlende Spielabgaben, keine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge seit 2003 und weniger werdende Sponsoringbeträge sind die großen Blöcke, die bei den Einnahmen unter Druck stehen. „Wir werden deutlich weniger Geld zur Verfügung haben“, so der Präsident, der hinzufügt, „dass unsere ganze Finanzierung auf dem Prüfstand steht und zukunftsfest ausgerichtet werden soll.“ Oberste Priorität besitze eine monetäre und administrative Entlastung der Vereine. 

Reduzierungen von Gebühren für Spielberechtigungen und Lizenz-Verlängerungen könnten laut Lutz Schröder dazugehören. Im Zuge der Einführung von Pass Online sei einige Arbeit auf die Vereine verlagert worden, weshalb diese auch von den Einsparungen profitieren sollten. Steffen Heyerhorst hält dem entgegen, dass sich dank Pass Online auch für die Vereine hinsichtlich der Portokosten finanzielle Erleichterungen ergeben haben. 

Auch eFootball ist beim Vereinsdialog ein Thema. Lutz Schröder glaubt: „Wenn man ihnen ein attraktives Angebot unterbreitet, dann kriegt man die Jugendlichen auch vom Rechner weg. eFootball ist contraproduktiv.“ Hierzu sagt Günter Distelrath: „Wir wollen die Kids keinesfalls vom grünen Rasen wegholen, sondern wollen sie über eFootball im Verein zu unserem Fußball auf den grünen Rasen bringen.“ 

Ohne ehrenamtlichen Einsatz kann wohl kein Verein in Deutschland überleben. Holm Holthusen: „Neue Leute gewinnen wir nur über die direkte Ansprache, aber Kandidaten für die Vorstandsarbeit zu finden, ist außerordentlich schwierig.“ Dass der TSV Okel sich aber auf seine „Macher“ verlassen kann, davon ist Günter Distelrath überzeugt: „Der heutige lebhafte Dialog hat mir gezeigt, dass das Ehrenamt hier beim TSV Okel sehr gut zu funktionieren scheint.“ 

Für den TSV Okel traten beim Vereinsdialog an: Petra Holthusen (Geschäftsführerin), Helmut Volkmann (Spartenleitung Fußball), Holm Holthusen (Spartenleitung Fußball, Jugendleiter Fußball, stellv. Schatzmeister), Holger Quast (Schatzmeister der Fußballsparte), Lutz Schröder und Rico Volkmann (beide Trainerteam I. Herrenmannschaft).

Autor / Quelle: Peter Borchers
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