Die Fußballer der zweiten Mannschaft des SV Bad Bentheim wurden in Barsinghausen als fairste Mannschaft Niedersachsens der Saison 2018/19 ausgezeichnet. Foto: Vosshage

SV Bad Bentheim II: Keine Trumps oder Johnsons

13.10.2019

„Die fairste Mannschaft Niedersachsens zu ehren macht einfach Spaß. Leider dringt das Rüpelhafte – auch in der Sprache – heute viel zu häufig in den Vordergrund, wie etwa bei den Trumps oder Johnsons dieser Tage. Sie aber symbolisieren, dass es auch Fair Play gibt.“ – Frank Müller, Mitglied des Vorstandes der VGH, bescheinigte den Fußballern der zweiten Mannschaft des SV Bad Bentheim, ein „Ausrufezeichen“ gesetzt zu haben. Und in der Tat: Die Mannschaft vom Trainergespann Dennis Fischer/Dirk Küpers hatte in der Spielzeit 2018/19 unter insgesamt 957 Teams souverän Deutschlands größten Fairnesswettbewerb, den VGH-Fairness-Cup, gewonnen und wurde dafür jetzt im 125-jährigen Jubiläumsjahr des Vereins im Sporthotel Fuchsbachtal vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) und Wettbewerbssponsor VGH in Barsinghausen gebührend geehrt.

Es war bereits nach Mitternacht, also früher Samstag morgen, als die Fußballer aus Bad Bentheim von NFV-Präsident Günter Distelrath verabschiedet wurden und per Bus ihre etwa dreistündige Heimreise antraten. Am kommenden Tag sollte auf den derzeitigen Tabellenzwölften der Kreisliga der Grafschaft Bentheim das Auswärtsspiel beim GSV Ringe-Neugnadenfeld warten. Und da wollten Kapitän Kai Wendelmann und seine Mitspieler dann doch möglichst ausgeschlafen auflaufen – und das, obwohl sie in der Deisterstadt sehr wohl Durchhaltevermögen bewiesen hatten.

In ihren 28 Spielen der vergangenen Spielzeit hatten die Bentheimer Kicker lediglich 16 gelbe Karten hinnehmen müssen. Das entsprach einem Quotienten von 0,57 und war damit in der vor 27 Jahren begründeten Wettbewerbsgeschichte der siebtbeste Fairnesswert. Es wird für die Bad Bentheimer schwer werden, diese Topleistung zu wiederholen, denn in der laufenden Saison ist man bereits mit einmal „Rot“ vorbelastet. Und dennoch kommt der Fairnesssieg der Grafschafter nicht von ungefähr.

Klaus Hanenkamp, Vorsitzender des Spielausschusses in der Grafschaft, weiß das. Er erinnerte bei der Ehrung in Barsinghausen daran, dass Fußballer des SV Bad Bentheim bei Fairnessehrungen „Stammgäste“ sind und rechnete vor, dass die Kicker aus der 1., 2., 3. und 4. Mannschaft gemeinsam mit der Ü 32 des Vereins im Spieljahr 2018/19 lediglich auf einen Gesamt-Fairnessquotienten von 0,97 kamen. Und das ist aller Ehren wert.

Derjenige, der die Philosophie des Fair Play im Verein implementiert hat, soll der bei der Ehrung ebenfalls anwesende Ex-Trainer Mario Fischer sein. Während seiner Ägide wurde der SV Bad Bentheim sieben Mal aufgrund besonders fairen Verhaltens seiner Teams im Rahmen des VGH-Fairness-Cups ausgezeichnet. „Sie, lieber Mario Fischer, haben ein Erbe hinterlassen, das bis heute anhält“, hob auch Günter Distelrath den inzwischen nicht mehr im Verein aktiven Coach hervor.

Der NFV-Präsident unterstrich in seiner Laudatio ein Indiz für die Signalwirkung des VGH-Fairness-Cups: „Wie groß sein Anteil daran ist, dass die Fairness auf Niedersachsens Fußballplätzen in den vergangenen Jahren zugenommen hat, kann man natürlich nur schwer beziffern. Fakt ist aber, dass der Durchschnittsquotient aller erfassten Teams in der Saison 2018/19 so niedrig war wie noch nie! Bereits seit Jahren sinkt dieser Wert kontinuierlich und liegt seit der Saison 2009/10 unter der 3,0-Marke. Das ist ein sehr erfreulicher Befund.“

Im NFV-Bezirk Weser-Ems und im NFV-Kreis Grafschaft Bentheim ist man natürlich zu Recht stolz auf den SV Bad Bentheim. Das dokumentierten auch Dieter Ohls als Bezirksvorsitzender und NFV-Vizepräsident sowie der stellvertretende Kreisvorsitzende Winfried Winkler, die die doch relativ weite Anreise zur Ehrung nach Barsinghausen ebenfalls angetreten hatten. Auch Ralf Steenweg sprach von einer „Top-Geschichte“ für seinen Klub. Der Vereinsvorsitzende des SV Bad Bentheim: „Ein würdevoller Umgang wird heutzutage immer wichtiger. Es macht Sinn, der Unfairness einen Wettbewerb wie den VGH-Fairness-Cup gegenüber zu stellen.“

Die Schlussworte blieben bei der Ehrung Trainer Dennis Fischer vorbehalten. „Für die Vereine an der Basis ist dieser Wettbewerb eine extrem tolle Sache. Machen Sie auf diesem Weg unbedingt weiter“, appellierte er an Günter Distelrath und Frank Müller und versprach: „Unser Erfolg ist keine Eintagsfliege. Wir alle im SV Bad Bentheim leben den Fair-Play-Gedanken.“

Autor / Quelle: bo
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