Nils Körber: Ruhig, klar und eiskalt

16.08.2019

Die Nummer 1 des VfL Osnabrück, Nils Körber, ist heute Nachmittag in Barsinghausen als „Niedersachsens Fußballer des Jahres 2019“ ausgezeichnet worden. Aus den Händen von NFV-Präsident Günter Distelrath, Dr. Jürgen Peter (Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen) und Hans-Joachim Zwingmann (Vorsitzender des Vereins Niedersächsische Sportpresse) nahm der 22-Jährige neben einem Pokal den „Goldenen Schuh“ der Firma adidas entgegen. Zudem erhielt er einen Scheck in Höhe von  500 Euro, der zweckgebunden für die Jugendarbeit des VfL ist.

Körber, der bei Hertha BSC unter Vertrag steht, ist seit 2018 an den VfL Osnabrück ausgeliehen. In der vergangenen Drittligasaison bestritt er 34 von 36 möglichen Spielen und wurde mit konstant guten Leistungen zu einem Garanten für die Meisterschaft und die damit verbundene Rückkehr der Lila-Weißen in die 2. Liga.

„Wir haben als Team eine super Saison gespielt und im gesamten Bereich gute Abwehrarbeit geleistet, wodurch das Team mir auch geholfen hat, diese Wahl zu gewinnen“, sagte Körber in seiner Dankesrede. Zudem betonte er: „Es bereitet mir jeden Tag aufs Neue große Freude, mit diesem Team zusammenzuarbeiten. Hierzu zählen auch die Trainer und der Manager. So ein Team hatte ich noch nie.“

Als Laudator skizzierte Uwe Brunn die bisherige Karriere Körbers. „Berliner Torwart ehrt Berliner Torwart - dett is doch knorke, wa?“, spielte die VfL-Vereinslegende auf die gemeinsame Herkunft an. Während Brunn im Ortsteil Steglitz groß wurde, wuchs Körber in Schöneberg auf und prophezeite seiner Großmutter schon als kleiner Knirps: „Ich werde mal ein großer Torwart“. Von den etlichen Spielen, die er von Körber gesehen habe, ist Brunn vor allem das Auftaktspiel Anfang des Jahres gegen den SV Meppen (1:0) in Erinnerung geblieben. „Du hast in diesem Spiel ruhig, klar und eiskalt agiert. Das gibt einer Mannschaft enorme Sicherheit.“

Im weiteren Verlauf seiner Laudatio ging Brunn auf die Stärken Körbers ein. „Seine Antizipation ist stark, er ist beidfüßig gut am Ball und kann kurze Pässe genauso spielen wie lange Bälle.“ Eben alles Eigenschaften, die ein moderner Torwart heute aufweisen müsse. Beim Stichwort moderner Torwart gab Brunn zu bedenken, „dass wir unser Kerngeschäft nicht vergessen. Und das ist die Strafraumbeherrschung, das Stellungsspiel, das Eins-gegen-Eins und Reflexe auf der Linie. Das bleibt unser Hauptjob und den beherrscht Nils großartig“, sagte Brunn, der von 1991 bis 2003 in 357 Pflichtspielen für die Lila-Weißen im Tor stand im Jahr 2000 selbst zu Niedersachsens „Fußballer des Jahres“ gewählt wurde.

Nach Brunn, Christian Claaßen (2001) und Marvin Schwäbe ist Nils Körber der vierte Osnabrücker, der diese Wahl für sich entschied. Dass unter den VfL-Preisträgern gleich drei Torhüter sind, sei dabei kein Zufall, so NFV-Präsident Günter Distelrath. Er erinnerte daran, dass gute Torhüter an der Bremer Brücke seit den Zeiten des legendären Heinz Flotho, VfL-Schlussmann in den 1930er Jahren, eine lange Tradition haben. Auch bei den Leihgeschäften für die Position hätten die VfL-Verantwortlichen in jüngster Zeit immer eine gute Hand gehabt. So bei Marvin Schwäbe, der in der Saison 2015/16 beim VfL spielte und zu diesem Zeitpunkt bei Hoffenheim unter Vertrag stand, oder bei Körber-Vorgänger Marius Gersbeck, der 2016 ebenfalls von Hertha BSC verliehen wurde und bis 2018 in Osnabrück zwischen den Pfosten stand.

Dass sich junge Torwarttalente in der niedersächsischen Friedensstadt so gut entwickeln würden, sei vor allem ein Verdienst von Torwart-Trainer Rolf Meyer. Dies hob Hans-Joachim Zwingmann hervor. „Meyers Anteil ist nicht hoch genug anzuerkennen.“

Der AOK-Vorstandsvorsitzende Dr. Jürgen Peter beschrieb den neuen niedersächsischen Fußballer des Jahres als „hilfsbereiten und bescheidenen jungen Mann ohne jegliche Star-Allüren.“ Anschließend wandte er sich an Körber und sagte: „Während Sie auf dem Platz mit Willensstärke brillieren und die gegnerischen Stürmer an sich verzweifeln lassen, genießen Sie außerhalb des Stadions die Harmonie und Vertrautheit im Kreise der Familie und Freunde. Werte wie Fairness, Disziplin und Ausdauer füllen Sie mit Leben. Diese Charaktere machen Sie in Ihren jungen Jahren bereits zu einem Vorbild für die Jugend.“

Nils Körber hatte sich bei der diesjährigen Abstimmung unter Niedersachsens Sportjournalisten mit 38,57 Prozent der Stimmen durchgesetzt Zweiter wurde Michael Esser, Keeper von Hannover 96 (25,71 Prozent), vor Stürmer Wout Weghorst vom VfL Wolfsburg (22,86 Prozent). 12,86 Prozent der Stimmen entfielen auf Ewa Pajor, Stürmerin des Frauen-Bundesligisten VfL Wolfsburg.

Seit 1991 kürt der Niedersächsische Fußballverband (NFV) nun schon „Niedersachsens Fußballer des Jahres“. War die Abstimmung zunächst eine Publikumswahl, so sind seit 2007 ausschließlich die Sportjournalisten aus Niedersachsen stimmberechtigt. Zusammen mit dem Wettbewerbspartner AOK Niedersachsen und dem Verein Niedersächsische Sportpresse ruft der NFV jährlich zur Wahl auf.

Die Ehrentafel der Titelträger und ihre Paten

1991: Uwe Groothuis (Kickers Emden), Pate: Uwe Seeler

1992: Petra Damm (VfR Eintracht Wolfsburg), Pate: Jupp Derwall †

1993: Andre Breitenreiter (Hannover 96), Pate: Hans Tilkowski

1994: Josef Menke (SV Meppen), Pate: Bernard Dietz

1995: Stefan Meißner (VfL Wolfsburg), Pate: Horst Hrubesch

1996: Stefan Prause (Kickers Emden), Pate: Bernd Franke

1997: Jörg Sievers (Hannover 96), Pate: Dieter Burdenski

1998: Roy Präger (VfL Wolfsburg), Pate: Manfred Burgsmüller

1999: Gerald Asamoah (Hannover 96), Pate: Johannes Löhr †

2000: Uwe Brunn (VfL Osnabrück), Pate: Uli Stein

2001: Christian Claaßen (VfL Osnabrück), Pate: Marco Bode

2002: Jan Simak (Hannover 96), Pate: Hans Siemensmeyer

2003: Fredi Bobic (Hannover 96), Pate: Michael Skibbe

2004: Stefanie Gottschlich (VfL Wolfsburg), Patin: Tina Theune Meyer

2005: Per Mertesacker (Hannover 96), Pate: Max Lorenz

2006: Thorsten Stuckmann (E. Braunschweig), Pate: Horst Wolter

2007: Robert Enke † (Hannover 96), Pate: Horst Podlasly †

2008: Martina Müller (VfL Wolfsburg), Pate: Steffi Jones

2009: Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg), Pate: Marcel Reif

2010: Edin Dzeko (VfL Wolfsburg), Pate: Werner Hansch

2011: Didier Ya Konan (Hannover 96), Pate: Sebastian Hellmann

2012: Jan Schlaudraff (Hannover 96), Pate: Kai Dittmann

2013: Mame Diouf (Hannover 96), Pate: Mousse T.

2014: Ron-Robert Zieler (Hannover 96), Pate: Michael Richter

2015: Kevin De Bruyne (VfL Wolfsburg), Pate: Dieter Hecking

2016: Marvin Schwäbe (VfL Osnabrück), Pate: Harald Pistorius

2017: Martin Harnik (Hannover 96), Pate: Peter Linden

2018: Waldemar Anton (Hannover 96), Pate: Martin Andermatt

2019: Nils Körber (VfL Osnabrück), Pate: Uwe Brunn

 

 

 

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