Julius Hirsch Preis 2019: Auszeichnung für Osnabrück

20.09.2019

Für entschiedenes Eintreten gegen Antisemitismus geht der Julius Hirsch Preis 2019 nach Mainz, Stuttgart - und ins niedersächsische Osnabrück. Das entschied die Jury unter der Leitung von Eberhard Schulz, zu der unter anderen auch der 1. DFB-Vizepräsident Dr. Reinhard Rauball, Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sowie Andreas Hirsch, Enkel von Julius Hirsch, zählen.

Ein Gemeinschaftsprojekt des VfL Osnabrück, des VfL-Museums, der Fanabteilung des Zweitligisten, des Fanprojekts Osnabrück und der Ultragruppe “Violet Crew 2002” wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Neben weiteren Projekten und Maßnahmen wurde anlässlich des 120. Vereinsjubiläums im April 2019 der “Felix-Löwenstein-Weg” am Stadion an der Bremer Brücke eröffnet. Er erinnert an den jüdischen Spielausschussobmann und Mäzen, der 1935 aus dem Verein ausgeschlossen worden war und 1945 bei einem sogenannten “Todesmarsch” aus dem Konzentrationslager Neuengamme starb.

Den ersten Preis erhält der FC Ente Bagdad. Dieser unterstützt seit Jahren aktiv die Initiative ”!Nie Wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball”, die jedes Jahr in Stadien und auf Fußballplätzen rund um den 27. Januar an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945 erinnert. In diesem Jahr setzten die Freizeitfußballer gemeinsam mit dem 1. FSV Mainz 05 und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer vor Beginn des Bundesligaspiels gegen den 1. FC Nürnberg ein Zeichen gegen das Vergessen. Daneben veranstaltete der Verein unter dem Motto “Gemeinsam für Erinnerung und Vielfalt” Zeitzeugengespräche und Gedenkstättenfahrten. Im Rahmen eines Freundschaftsspiels gegen Mainzer Ultra-Gruppierungen anlässlich vermehrt auftretender Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens liefen die Spieler beider Mannschaften zudem mit der jüdischen Kopfbedeckung Kippa auf.

Der zweite Preis geht in diesem Jahr an die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule und das Kickers-Fanprojekt in Stuttgart. In einem gemeinsamen Projekt begaben sich Schülerinnen, Schüler und Fans seit 2017 in Workshops, Exkursionen und Gedenkveranstaltungen auf die Spuren jüdischer Pioniere in Stuttgart. In einer Broschüre und der Ausstellung “HEIMAT KICKERS – Die Blauen in bewegten Zeiten”, wurde erstmals umfassend die Vereinsgeschichte des heutigen Oberligaklubs in den Jahren zwischen 1933 und 1945 aufgearbeitet. Mit einem Theaterstück und einer symbolischen Baumpflanzung wurde an Julius Baumann erinnert, der Schiedsrichter der Stuttgarter Kickers wurde 1942 im KZ Mauthausen ermordet.

Jurymitglied Charlotte Knobloch sagt: “Der Julius Hirsch Preis, der die Unangreifbarkeit der Menschenwürde und den Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz honoriert, ist gerade in Zeiten eines wiederauflebenden Judenhasses und einer allgemeinen gesellschaftlichen Verrohung ein besonders wichtiges Zeichen. Wo die Politik ihre eigenen Wege geht und ihre eigenen Konflikte austrägt, da muss der Sport als große Klammer unsere Gesellschaft daran gemahnen, dass ein Miteinander mehr ist als ein reines Neben- oder gar Gegeneinander. Der Julius Hirsch Preis ist heute so wertvoll und so nötig wie selten zuvor.”

Julius “Juller” Hirsch zählte vor dem Ersten Weltkrieg zu den bekanntesten Fußballern in Deutschland. Der deutsche Nationalspieler jüdischen Glaubens wurde mit dem Karlsruher FV und der Spielvereinigung Fürth Deutscher Meister. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann für Julius Hirsch – wie für Millionen weiterer Opfer der NS-Diktatur – ein Leidensweg, auf dem er gedemütigt, entrechtet, verfolgt und ermordet wurde. 1943 wurde Julius Hirsch in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und kehrte nicht mehr zurück. Der DFB verleiht den Julius Hirsch Preis seit dem Jahr 2005 und zeichnet damit Vereine, Institutionen und Einzelpersonen aus, die sich für Demokratie und Menschenwürde sowie gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form der Diskriminierung einsetzen.

Die feierliche Auszeichnung der diesjährigen Preisträger findet am 18. November in Frankfurt am Main am Vorabend des EM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordirland statt.

Autor / Quelle: dfb/dr
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