Der fünfte NFV-Präsident: Günter Distelrath.

Das neue Präsidium: Jürgen Stebani, Karen Rotter, Dieter Neubauer, Bastian Hellberg. Mitte: August-Wilhelm Winsmann, Egon Trepke, Hans-Heinrich Hahne. Vorne: Hans-Günther Kuers, Frank Schmidt, Günter Distelrath, Doeter Ohls, Bernd Domurat.

Aus den Händen von NFV-Präsident Karl Rothmund nahm Wolfgang Mierswa die Urkunde über seine Ehrenmitgliedschaft entgegen.

Neues Führungsduo, von links: Hans-Heinrich Hahne (Vizepräsident Finanzen) und NFV-Präsident Günter Distelrath.

Einstimmig: Günter Distelrath neuer NFV-Präsident

21.10.2017

Führungswechsel beim Niedersächsischen Fußballverband (NFV). Günter Distelrath, bisheriger Vizepräsident Finanzen, hat am heutigen Samstag beim 45. Ordentlichen Verbandstag des NFV mit einstimmigem Votum der 269 stimmberechtigten Delegierten einen überwältigenden Vertrauensvorschuss als neuer Präsident erhalten. Der 68-jährige Salzgitteraner ist nach dem Hannoveraner Karl Laue (Präsident von 1946 bis 1968), dem Einbecker August „Gustl“ Wenzel (1969 bis 1988), dem Hildesheimer Engelbert Nelle (1988 bis 2005) und dem Barsinghäuser Karl Rothmund (2005 bis 2017) erst der fünfte Präsident auf der Kommandobrücke des 1946 gegründeten Verbandes. Sein Vorgänger Rothmund wurde nach zwölfjähriger Amtszeit - einstimmig und ohne Enthaltung - zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen wurde Rothmund in der Karl-Laue-Halle des NFV in Barsinghausen als Präsident verabschiedet. In seiner Abschiedsrede erinnerte er an die vielen Herausforderungen, die es in den insgesamt 27 Jahren seines Wirkens für den NFV zu meistern galt. Von 1990 bis 2005 war er zunächst Verwaltungsdirektor des Verbandes, ehe er 2005 das Präsidentenamt antrat.

Rothmund schlug zum Abschied einen Bogen vom Bericht des Landesrechnungshofes, der den NFV Ende der 80er Jahre und darüber hinaus erheblich forderte, über die Abschaffung des Verbandsbeirates und die Einführung des Vorstandes, die Vergrößerung des Präsidiums, das gute Zusammenspiel zwischen Ehren- und Hauptamt. Für die nähere Zukunft siedelt er die Verwirklichung eines lang verfolgten Zieles an: Er hält es für realistisch, dass die von ihm über viele Jahre verfolgte Strukturreform des Verbandes sich mittelfristig auf freiwilliger Basis mit dann 30 Kreisen verwirklichen wird. „Alles richtig machen kann man nicht. Aber ich habe mich bemüht. Es war mir eine große Freude, dass ich diesen großartigen Verband führen durfte“, beendete Rothmund sichtlich bewegt seine Rede.

Die Bedeutung des ausgeschiedenen NFV-Präsidenten würdigten mit eindrucksvollen Grußworten auch die Festredner. So unterstrich Stephan Weil: „Eine bedeutende Figur verlässt die niedersächsische Sportszene.“ Der Niedersächsische Ministerpräsident arbeitete 25 Jahre mit Rothmund zusammen und erinnerte sich nun an die Anfänge in Hannovers Kommunalpolitik: „Gegensätze - ein junger Linker und ein etwas älterer Konservativer - ziehen sich an. Zwischen uns hat es von der ersten Minute an gut funktioniert. Es hat Spaß gemacht, mit Karl Rothmund zusammen zu arbeiten.“

Professor Dr. Wolf-Rüdiger Umbach, Präsident des LandesSportBundes, der insgesamt 60 Landesfachverbände vertritt, betonte: „Die Qualität der Leistungen des Niedersächsischen Fußballverbandes ist beispielhaft.“ Nicht zuletzt ein Verdienst von Rothmund, der Reformen eingeleitet habe, „die über den Tag hinaus Bestand haben werden.“ Den Verbandstag bezeichnete Umbach als Zäsur; ist aber überzeugt, dass der LSB und NFV die gute Zusammenarbeit auch weiterhin fortsetzen werden. Dr. Umbach zeichnete Rothmund in der Folge mit der Goldenen Ehrennadel des Verbandes aus.

Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, lobte: „Es hat bisher keinen Präsidenten gegeben, der den Niedersächsischen Fußballverband so stark geprägt wie Karl Rothmund. Er hat ihn sowohl strukturell als auch inhaltlich modernisiert, im Detail einen starken Schwerpunkt auf die Digitalisierung gesetzt und viele Serviceleistungen für die Vereine und Mitglieder entwickelt, die die Arbeit an der Basis heute extrem erleichtern. Das war Pionierarbeit.“ Grindel weiter: „Karl Rothmund hat immer über die vier Eckfahnen des Fußballs hinaus gedacht und seine Kompetenz und Fähigkeiten stets in den Dienst der guten Sache gestellt. Der Nachhaltigkeitsbericht, den der NFV in der vergangenen Woche veröffentlicht hat, ist dafür ein gutes Beispiel. Dieses Werk zeigt, wie vielfältig das Wirken und Engagement des Verbandes ist.“

In die Lobeshymnen stimmte auch Nachfolger Distelrath ein und verneigte sich vor Rothmunds Lebensleistung. In seiner Rede zum Amtsantritt als neuer Präsident stellte er die Themen vor, die er als die wesentlichen Herausforderungen des Verbandes sieht. So möchte er sich für Transparenz und Offenheit einsetzen und ein Gefühl des noch stärkeren Zusammengehörens der niedersächsischen Fußballfamilie bewirken. Die Stärkung des Ehrenamtes, die Zusammenarbeit und Kooperation mit dem LSB sowie allen anderen Landesfachverbänden, die Integration von behinderten Menschen sowie Demografie und Digitalisierung stehen ganz oben auf der Agenda des neuen NFV-Präsidenten. „Ich werde ein zuhörender Präsident sein, ich werde ein verlässlicher Präsident sein“, versprach Distelrath den Delegierten. Er wolle seine Amtsführung an den Interessen der 2.661 Vereine mit rund 650.000 Mitgliedern orientieren, damit der Fußball in Niedersachsen eine gute Zukunft habe.

Im Mittelpunkt der sportpolitischen Entscheidungen des Verbandstages standen natürlich die Veränderungen an der Führungsspitze des Verbandes. Da Distelrath das Amt des Präsidenten übernommen hat, wird künftig Hans-Heinrich Hahne (Auetal, Kreis Schaumburg) das frei gewordene Amt des Vizepräsident Finanzen bekleiden. Die übrigen Präsidiumsmitglieder wurden wiedergewählt.

Eine personelle Änderung gibt es auch in der Kommission für das Zulassungsverfahren zur Oberliga Niedersachsen. Hier tritt Dr. Hans Ulrich Schneider (Isernhagen) die Nachfolge des ausgeschiedenen bisherigen Vorsitzenden Hermann Bröring (Lingen) an.

Einen breiten Raum nahmen die Ehrungen verdienter Funktionäre, Sportler und Förderer des Fußballs ein. So wurde Wolfgang Mierswa (Uetze) zum Ehrenmitglied ernannt. Zwischen 1986 und 1992 leitete der inzwischen pensionierte Rektor der Hauptschule Burgwedel 50 Spiele in der 1. Bundesliga. Das erste am 15. August 1986 (Köln – Frankfurt 0:0), das letzte am 25. April 1992 (Borussia Mönchengladbach – Bayern München 1:1). Seine ehrenamtliche Karriere begann 1969 als Schulfußballreferent im NFV-Altkreis Burgdorf. Von 1972 bis zu dessen Auflösung im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform im Jahr 1976 war er dort auch Schiedsrichterlehrwart. Es folgte die Amtszeit als Schiedsrichterlehrwart im NFV-Kreis Hannover-Land (1976 bis 1981). Von 1986 bis 1996 saß er im Bezirksschiedsrichterausschuss Hannover. 1996 wurde Mierswa Mitglied im Schiedsrichter-Lehrstab des DFB, 2013 rückte er in Schiedsrichterauschuss des Deutschen Fußball-Bundes auf. An drei von vier Wochenenden war er bis 2016 in der 1. Liga und Regionalliga als Schiedsrichter-Beobachter unterwegs.

In Niedersachsen übernahm Mierswa im Jahr 2000 von Hans-Jürgen Kasper den Vorsitz des Schiedsrichterausschusses. Dieses Amt übte er bis 2014 aus. Wolfgang Mierswa ist damit das 14. Ehrenmitglied des NFV. Zudem gehören diesem Kreis an: Maria Klewe (Braunschweig), Gerd Ballschmiede (Hemmingen), Ferdinand Dunker (Dinklage), Karl Frewert (Schwarmstedt), Hans-Hermann Ehlers (Garbsen), Winfried Hanschke (Burgdorf), Hennig Hofmann (Lahstedt), Herbert Lange (Schneverdingen), Hermann Lührs (Poggenhagen), Hermann Lüken (Laxten), Rudolf Pohler (Hannover), Edmund Timm (Rotenburg), Hannes Wittfoth (Wolfenbüttel).

Autor / Quelle: Peter Borchers, Manfred Finger, Dominic Rahe
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