Natsha Kowalski (Dritte von rechts) im Kreise ihrer Förderer und Gratulanten. Foto: Teiwes

DFB honoriert die Ausbildung von Natasha Kowalski

08.09.2020

Der DFB schüttet im Rahmen des Talentförderungsprogramms, das mit Bonuszahlungen die Ausbildung von Junioren-Nationalspielerinnen und -spielern in den Heimatvereinen honorieren möchte, 45.800 € an den NFV aus. In diesem Jahr wurden der TSV Kirchbrak mit 2.950 € und SV 06 Holzminden mit 1.700 € belohnt. In Kirchbrak wurde Natasha Kowalski ein paar Jahre in der JSG Ith in verschiedenen Junioren-Mannschaften ausgebildet und in Holzminden spielte sie einige Jahre höherklassig, bis hin zur Landesliga.

Nicole Meier, die Vorsitzende des TSV Kirchbrak, konnte jetzt Meike Berger, Mitglied des Frauen- und Mädchenausschusses im NFV, sowie August Borchers als Vorsitzenden des NFV-Kreises Holzminden zur Scheckübergabe begrüßen. Berger und Borchers hielten die Laudatio auf Natasha Kowakski. Ihre früheren Trainer Stefan Brandt und Nils Meier (TSV Kirchbrak), Ali Omayrat (JSG Bodenwerder/Kemnade/Rühle), Sören Eilers (SV 06 Holzminden) und ihr Trainer in der Holzmindener Kreisauswahl, Markus Verwohlt, schlossen sich mit anerkennenden Worten an. Auch Manfred Tophinke war als Mädchenwart des Holzmindener Fußball-Kreises bei der Auszeichnung dabei. Bei der Scheckübergabe und Ehrung durch Meike Berger und August Borchers im Sportzentrum Kirchbrak war Natasha Ehrengast.

Natasha Kowalski hat mit dreieinhalb Jahren bei der JSG Ith mit dem Fußballspielen begonnen. Dort spielte sie bei den G-, F-Junioren und im jüngeren Jahrgang der E-Junioren. Ihr Trainer beim TSV Kirchbrak war Stefan Brandt, in der JSG Ith G- und F-Jugend waren es Sonja Lage und Frank Schütte.

Das 2. E-Junioren Jahr absolvierte Natasha in der E-Jugend der JSG Bodenwerder/Kemnade/Rühle. Mit den E-Junioren aus Bodenwerder gewann Natasha 2013/14 unter Trainer Ali Omayrat und seinen Co-Trainern Udo Schünemann und Michael Becker die Kreismeisterschaft, den Kreispokal und die Hallenkreismeisterschaft im Kreis Holzminden und holte damit das Triple. Ali Omayrat erinnert sich, dass Natasha anfangs sehr schüchtern war, aber auch sehr ehrgeizig. „Ich sagte zu ihr: Du spielst hier mit Jungen. Damit sie dich respektieren, musst du besser sein als sie und mit gutem Beispiel vorangehen.“

Verlieren mochte Natasha nicht und um sie zu pushen, ließ Omayrat in Trainingsspielen manchmal die gegnerische Mannschaft gewinnen. Das stachelte sie zu noch besseren Leistungen an. Wenn sie sich unterhielten, prophezeite Omayrat der talentierten Kickerin immer wieder: „Natasha, du wirst später mal Profi, aber dafür musst du schon heute damit anfangen, dir überall einen guten Namen zu machen. Deine Eltern machen alles für dich und glauben an dich, so wie ich.“ Ali Omayrat: „Das hat sie schnell verstanden und mit der Zeit spielte sie alle Gegner schwindelig. Unsere damalige E-Jugend war eine tolle Truppe. Wenn Natasha mit meinem Neffen Malek zusammen stürmte, fielen viele Tore für uns und bei den Gegnern gab es deshalb oft viele Tränen.“

Danach wechselte Natasha Kowalski für einige Jahre zum SV 06 Holzminden und hatte ein Zweit-Spielrecht bei BW Schwalbe Tündern. „Ich habe in Tündern in der B-Jugend-Mädchenmannschaft angefangen“, erzählt sie schmunzelnd. „Die hatten dort keine Mannschaft in meiner Altersklasse.“ Geschadet hat ihr das auf keinen Fall. Vielleicht war das sogar eher ein Vorteil. „Wenn ich als kleines Küken auf den Platz kam, guckten die Gegner immer mal komisch. Aber sobald ich dann den Ball hatte, habe ich gezeigt, was ich kann. Mir hat es gefallen, mit Älteren zu spielen“, sagt sie mit einem Grinsen.

Im 2. Jahr der C-Junioren wechselte sie schließlich zum VfL Wolfsburg, wo sie bis heute spielt. Natasha hat sämtliche U-Nationalmannschaften des DFB durchlaufen, ist aktuelle U 17-Nationalspielerin. Sie hat bisher 18 Länderspiele bestritten und acht Tore erzielt. Mit der U 17 wurde sie Europameisterin. Beim VfL Wolfsburg spielt sie in der B-Juniorinnen-Bundesliga Nord/Nordost und wurde zweimal Deutscher Meister, zudem kommt sie in der 2. Frauen-Bundesliga zum Einsatz.

Sie hat in ihren noch jungen Jahren schon viel erreicht! Gegen vier ältere Brüder musste sich Natasha schon ihr Leben lang behaupten. Ein Umstand, der sie mehr oder weniger zu ihrem Glück gezwungen hat. „Meine Mutter hat immer gesagt: Wenn du mit deinen Brüdern spielen willst, musst du eben Fußball spielen. Da gibt es keine andere Option“, erinnert sich die 17-Jährige mit einem Lachen.

In ihrem Leben dreht sich viel um Fußball. Training, freiwillige Sonderschichten und selbstständige Fehleranalysen sind Pflicht. „Nebenbei“ geht Natasha Kowalski ja auch noch zur Schule. Eine strikt durchgetaktete Woche ist dabei das A und O. In der Vergangenheit trainierte sie montags mit den A-Jugend-Jungs der JSG Hameln-Land, mittwochs stand Krafttraining im Fitnessstudio in der Nähe auf dem Programm. „Und wenn ich eine halbe Stunde zu Hause frei hatte, habe ich im Garten Freistöße und Elfmeter geübt.“ Für die Hausaufgaben war dann manchmal eben erst um halb zehn Uhr abends Zeit.

Ihre Eltern und sie sind ein eingespieltes Team. Bevor sie nach Wolfsburg umsiedelten, wurde sie von ihrer Mutter oder ihrem Vater, selbst ehemaliger Fußballtrainer, zweimal pro Woche zum Training nach Wolfsburg gebracht. „Wir fuhren pro Strecke dann 130 Kilometer, das waren vier Stunden Fahrt und zwei Stunden Training. Es war dann schon ein Riesen-Aufwand, aber jetzt habe ich es leichter, da ich in Wolfsburg wohne“, berichtet die Stürmerin des VfL.

Autor / Quelle: Von Karl-Heinz Teiwes
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