Jens Bekeschus: "Wir können uns nichts anschaffen"

13.09.2017

Der 1. FC Wolfsburg – ein Verein mit rund 100 Mitgliedern, vier spielenden Mannschaften und zurzeit ohne einen 1. Vorsitzenden. Ist so ein kleiner Verein auf Dauer noch überlebensfähig? Ein Thema beim jüngsten Vereinsdialog mit der Spitze des Niedersächsischen Fußballverbandes.

Sein Zuhause hat der Verein auf der großzügigen Sportanlage im Porschestadion, die vorrangig vom Nachwuchs des VfL Wolfsburg genutzt wird. Die vier Mannschaften des 1. FC tragen dort auch ihre Spiele aus. Die erste Herrenmannschaft spielt in der Bezirksliga. Eine zweite Herren-, eine Frauen- und eine F-Jugendmannschaft komplettieren den Spielbetrieb beim 1. FC Wolfsburg.

Aufgeben kommt für den Verein mit der einzigen Sparte Fußball allerdings nicht in Frage, zumal sich jetzt mit der neu gegründeten F-Jugendmannschaft auch im Nachwuchs wieder einiges tut. Schatzmeister Jens Bekeschus sieht das für den 1. FC Wolfsburg als eine Chance, die sie nutzen wollen, um eine Nachwuchsabteilung aufbauen zu können.

„Wir haben aber nach wie vor ein ernstes Problem, Jugendliche zu gewinnen, zum einen wegen der zentralen Lage des Vereins im Stadtgebiet mit wenig jungen Familien und zum anderen, weil das Freizeitangebot heutzutage weitaus größer ist, als zu meiner Zeit“, glaubt Bekeschus. „Ihr müsst stärker in die Akquise gehen“, schlug NFV-Kreisvorsitzender Stefan Pinelli vor. Auch junge Leute für das Ehrenamt zu begeistern, ist nach den Erfahrungen des Schatzmeisters schwierig. Daher konnte der Posten des 1. Vorsitzenden beim 1. FC Wolfsburg bis heute nicht besetzt werden.

Neben den Themen der Zusammenarbeit des Vereins mit den Verbänden, der Bewertung von „fussball.de“ und der DFBnet-Module wurde auch über das teilweise schlechte Verhalten der Eltern am Spielfeldrand bei Jugendspielen diskutiert.

Das Hauptthema des Abends war jedoch die Darstellung der finanziellen Situation des 1. FC Wolfsburg. Vereins. Das Beitragsaufkommen liege im Jahr bei rund 12.500 Euro. Bisher habe die Stadt Wolfsburg einen jährlichen Zuschuss in Höhe von rd. 1.000 Euro gewährt. „Damit können wir gerade den laufenden Spielbetrieb finanzieren. Wir können uns jedoch aus den gesamten Einnahmen nichts an Equipment wie Trikots und Bälle anschaffen“, verrät der Schatzmeister.

„Der Wegfall der Sportförderung ab 2019 wird die Situation zusätzlich verschärfen. Warum müssen wir an den Verband Gebühren zahlen, um am Spielbetrieb teilnehmen zu können?“ fragte der Schatzmeister, der in diesem Zusammenhang auch die Erhöhung der Passgebühren als völlig unverständlich bezeichnete. Kritik übte er auch am Strafenkatalog und den darin enthaltenen Verwaltungskosten des NFV-Kreises Wolfsburg.

Kritisiert wurde von der Vereinsspitze zudem, dass zu einem Pokalspiel des 1.FC ein Schiedsrichter aus Hannover angereist sei. Die Fahrkosten hätten damit einen Teil der Einnahmen verringert. Die Ansetzung eines Schiedsrichters aus der näheren Umgebung wäre nach Ansicht von Bekeschus sinnvoller gewesen. Außerdem wünscht sich der Schatzmeister bei der Abrechnung aus dem Schiedsrichterpool mehr Transparenz, um sie prüfen zu können. Daraus müsse zu erkennen sein, um welche Paarungen es sich gehandelt habe. Den Schiedsrichterpool halten Jan Baßler, stellvertretender Direktor beim Niedersächsischen Fußballverband und NFV-Vizepräsident Egon Trepke und auch der Verein jedoch grundsätzlich für sinnvoll.

In diesem Zusammenhang stellte Jan Baßler die Zusammensetzung des Budgets des NFV vor und aus welchen Quellen es finanziert wird. Abschließend nannte er eine Zahl, die verdeutlichen soll, wie viel die Organisation des Fußballs in Niedersachsen kostet: „Wir haben rund 650. 000 Mitglieder und müssen für jedes Mitglied pro Jahr 6,96 Euro aufbringen."

Reiner Kramer

Beim Vereinsdialog im Wolfsburger Porschestadion von links: Stefan Pinelli, Jim Fack, Jens Bekeschus, Mohammed Rezzoug, Egon Trepke, Melanie Pforr, Bernd Hartwig und Jan Baßler. Foto: Kramer

Autor / Quelle: rk.
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