Das Team der Hannoverschen Werkstätten belegte in Duisburg Rang 3. Foto: Carsten Kobow, Sepp Herberger-Stiftung

"Endlich auf dem Treppchen"

09.09.2016

„Nach zwei vierten Plätzen in 2011 und 2015 wollen wir nun endlich mal aufs Treppchen.“ – Nachdem sein Team im Juni dieses Jahres bereits zum dritten Mal die Behinderten-Fußball-Liga Niedersachsen gewonnen hatte, blickte Ilias Symeonidis, Trainer der Hannoverschen Werkstätten, bereits optimistisch nach vorn und sollte jetzt Recht behalten. Bei der Deutschen Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen in Duisburg gelang seinem Team tatsächlich der Sprung in die Medaillenränge und damit die beste Platzierung einer Niedersächsischen Mannschaft seit der Wettbewerbspremiere im Jahr 2000. Im kleinen Finale behielten die Hannoveraner knapp mit 1:0 (0:0) gegen die Werkstätten Rendsburg-Eckernförde die Oberhand und gewannen Bronze.

Die Alexianer Werkstätten aus Münster stellten in Duisburg den Turniersieger und lösten damit den Vorjahressieger aus Recklinghausen ab. In einem lange spannenden und hochklassigen Endspiel setzte sich das Team aus Nordrhein-Westfalen 6:5 (1:1, 0:0) nach Achtmeterschießen gegen das Team der BWB Berliner Werkstätten für behinderte Menschen durch. Erst kurz vor Schluss gelang den Alexianern der Ausgleich, nachdem die Berliner Anfang der zweiten Halbzeit die Führung erzielt hatten.

Die begehrte Meisterplakette des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) übergab Vizeweltmeister Wolfgang Weber gemeinsam mit Wolfgang Watzke, Geschäftsführer der Sepp-Herberger-Stiftung, Martin Berg, Vorsitzender Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM), Lars Wiesel-Bauer, Geschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Nordrhein-Westfalen und Gerhard Stiens, Präsident von Special Olympics NRW.

Die Hannoverschen Werkstätten hatten ihre Vorrundengruppe punktgleich mit dem Spitzenreiter Weissenauer Werkstätten/Arkade nach Siegen gegen die Lebenshilfe Weißwasser (1:0) und die Prignitz-Werkstätten (4:0) sowie einem Unentschieden gegen Arkade (1:1) als Zweiter abgeschlossen. Im Viertelfinale folgte ein 4:2-Erfolg nach Achtmeterschießen gegen das Behinderten-Werk Main-Kinzig, wobei Torwart Roland Kaiser zum Matchwinner avancierte.

Mit dem Halbfinale folgte für Ilias Symeonidis und sein Team „das wohl bitterste Spiel, das wir je erlebt haben.“ Nach einer 1:0-Führung mussten die Hannoveraner unmittelbar vor der Halbzeit den Ausgleich durch die Alexianer Werkstätten Münster hinnehmen und kassierten im zweiten Spielabschnitt einen weiteren, äußerst unglücklichen Gegentreffer, als nach einem Lattentreffer des Gegners der Ball vom Rücken eines Hannoveraners ins eigene Tor abprallte. Als die Hannoveraner dann auch noch eine Minute vor Spielschluss einen Strafstoß vergaben, war die völlig überflüssige Niederlage besiegelt.

„Es war ein sehr schweres Turnier für uns, weil zwei Stammspieler fehlten. Meine Jungs haben sich aber perfekt an die Vorgaben gehalten, 120 Prozent gegeben und von Tag zu Tag gesteigert. Mit dem Sieg im Spiel um Platz 3 haben sie sich dann selbst belohnt“, freute sich Ilias Symeonidis schließlich überschwänglich, als seine Mannschaft sich im hart umkämpften kleinen Finale knapp, aber verdient mit 1:0 gegen die Werkstätten Rendsburg-Eckernförde durchgesetzt hatte. „Was meine Mannschaft gezeigt hat, war allerhöchstes Niveau. Für mich war es eine Genugtuung, das nach zwei vierten Plätzen erleben zu können“, jubelte der Coach.

Neben den Spielen wurde den Mannschaften ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten. Zunächst stand ein Einlagespiel zwischen einer Turnierauswahl und der Gastmannschaft aus dem irischen Cork auf dem Programm. Nachdem die Gäste bereits zur Halbzeit 4:0 führten, startete die Turnierauswahl anschließend eine fulminante Aufholjagd. Am Ende hatten die Iren aber mit 5:4 das bessere Ende für sich.

Im Anschluss besuchten die rund 250 Sportler das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund und erkundeten in einer spannenden Zeitreise die Geschichte des deutschen Fußballs. „Neben dem sportlichen Geschehen auf den Plätzen ist es uns besonders wichtig, für die Turnierteilnehmer abwechslungsreiche Tage zu gestalten“, betonte Wolfgang Watzke.

Und in Duisburg gab es auch prominenten Besuch: Weltfußballerin Nadine Keßler war in die Sportschule Wedau gekommen.

Weltfußballerin 2014, Europameisterin 2013, Champions-League-Siegerin 2010, 2013 und 2014, Deutsche Meisterin 2010, 2011, 2013 und 2014, DFB-Pokal-Siegerin 2013, 2015 und 2016 – die Liste der Erfolge von Nadine Keßler ist beeindruckend. Keine Frage, dass Nadine Keßler begeistert empfangen wurde, als sie beim Frauenturnier der Deutschen Fußball-Meisterschaft der Werkstätten eintraf.

Keßler nutzte am Nachmittag die Gelegenheit, die Endrundenspiele der acht Frauenteams zu verfolgen. In den Spielpausen, aber auch während der Spiele schrieb sie zudem eifrig Autogramme und erfüllte jeden Wunsch nach einem Foto.

Niedersachsen wurde beim Frauenturnier durch das Andreaswerk aus dem Landkreis Vechta vertreten. Zwei Siege gegen das Werkstatt-Zentrum aus Spiesen-Elversberg (5:0) und die HPZ-Werkstätten aus Irchenrieth (3:0) sowie eine 0:4-Niederlage gegen die BSV-Schlümpfe 09 aus Dorsten bedeuteten Rang 2 in der Vorrundengruppe A. Im Spiel um Platz 3 gab es schließlich eine 1:4-Niederlage gegen Integra Bielefeld.

Selbstverständlich war es Nadine Keßler vorbehalten, dann im Rahmen der Siegerehrung den Frauen der Sportfreunde Bottrop den Siegerpokal zu überreichen. Sie gratulierte allen Spielerinnen zu ihrer Leistung und lobte den Einsatz und das Engagement der Werkstattfußballerinnen.

Anschließend fungierte Nadine Keßler dann auch noch als Glücksfee für das Männerturnier: Gemeinsam mit Dr. Klaus Kinkel (Kuratoriumsmitglied der Sepp Herberger-Stiftung) loste sie die Gruppen aus und bewies auch hier ein gutes Händchen

Autor / Quelle: dfb/bo
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